Genma halt mal nach Kyoto
Onimusha: Way of the Sword
Ein Jahr nach Markteinführung der PS2 kam dann endlich mal die Software, die selbst uns Dreamcast-Besitzer respektvoll die Augenbrauen hochziehen ließen. Neben “Devil May Cry” mit Badass Dante, schickte Capcom direkt noch einen weiteren, neuen Helden auf Sonys neue Konsole.
”Resident Evil” im feudalen Japan hieß es damals in der Fachpresse und als Spieler war man da ausgesprochen gespannt darauf.
Der Rest ist Geschichte; Capcoms Mut zu neuen IP´s zahlte sich aus und “Onimusha: Warlords” wurde ein voller Erfolg. Es kamen noch zwei vollwertige Nachfolger, ein “Smash Bros.”-artiges Arena-Geschnetzel und ein Taktik-Ableger auf dem GBA. Doch nach dem 2004 erschienenen “Dawn of Dreams” wurde es still um die Serie – bis jetzt.
Nach über 20 Jahren lässt Capcom wieder seine untoten Genma-Schwertschwinger auf uns Spieler los und stellt ihnen gleichzeitig einen ihrer coolsten Spielehelden überhaupt entgegen.
Dass Capcom bekannte Gesichter und ja – auch von verstorbenen Schauspielern – für ihre Spiele nimmt, ist nichts Neues. Für “Way of the Sword” bediente man sich mit Toshiro Mifune (unter anderem bekannt aus den Meisterwerken von Akira Kurosawa) nicht nur an DEM Samurai-Schauspieler schlechthin, sondern ließ ihn auch eine der bekanntesten Figuren aus der Weltliteratur verkörpern: Miyamoto Musashi.
Der 1997 verstorbene Toshiro Mifune verkörperte den Samurai bereits in Filmen und Capcom ehrt den Schauspieler jetzt nochmals, indem er als Miyamoto Musashi das feudale Edo von der Genma-Plage befreit.
Das Miyamoto Musashi nicht umsonst als “Rüpel mit dem Schwert“ bekannt ist, zeigt sich schon im genialen Intro, in dem sich der großmäulige Held gleich mit dutzenden Gegnern anlegt und dann aber schleunigst die Beine in die Hand nehmen muss.
Es kommt wie es kommen muss und unser Prolet macht Bekanntschaft mit den Genma und wird unsanft dank Liebesgrüßen aus Solingen aus dem Leben gerissen.
Doch nach der ruppigen Wiederbelebung bekommt Musashi wie in jedem Teil auch einen Oni-Handschuh und macht sich anfangs widerwillig auf, die Stadt von der Dämonenplage zu befreien.
Beim Spielprinzip hat sich auch im neuen Teil nichts geändert und euch erwartet eine Action-Schlachtplatte mit teils fordernden Schwertkämpfen.
Diese Schwertkämpfe sind dann gleichzeitig auch das besondere Merkmal von “Way of the Sword”.
Ich habe als Gamer und als Fan von (Anime)Samurai-Filmen- und Serien schon viele Spiele mit Schwertkämpfen gespielt; zuletzt natürlich das famose “Ghosts of Yotei”.
Doch die Schwertkämpfe in Capcoms neuem Spiel sind wirklich absolut Next Level und das ist neben dem Gameplay auch den Animationen geschuldet.
Jeder Schlag lässt Wucht verspüren; Gegner wie auch Held Musashi straucheln, legen Energie in ihre Schläge und wenn Klingen aufeinandertreffen, spürt man regelrecht, wie Metall gegen Metall reibt.
Dazu die Tatsache, dass die Umgebung in den Kampf mit einbezogen werden kann und so tritt Musashi auch gerne mal einen Tisch in Feinde oder lässt sie ins Leere laufen, nur damit sie in aufgehängter Wäsche landen und blind um sich schlagen- herrlich!
Ehrlich, solche Schwertkämpfe habe ich bisher bei keinem Videospiel erlebt und selbst nach fortgeschrittener Spielzeit erlebt man immer wieder neue Animationen und Finisher.
Die Rätsel vergangener Teile wurden arg zurückgefahren; “Way of the Sword” konzentriert sich auf seine coole Heldenriege, den ebenso coolen Obermotzen und dem saucoolen Kampfsystem.
Der Oni-Handschuh dient dabei natürlich wieder als Seelenfänger und so haben die verschiedenen Seelen wieder bestimmte Attribute. Cool fand ich auch, dass man sich wirklich auf Musashis Katana beim Aufrüsten konzentriert hat; es gibt zwar sogenannte Oni-Waffen aber die fungieren hier mehr als Smartbombs.
Das Abenteuer rund um Musashi und die Genma verweigert sich dem Open-World-Trend und lässt euch großangelegte Areale erkunden, die sich durch Quests immer mehr erweitern. Neben der Hauptquest dürft ihr Bewohnern helfen und natürlich gibt es kein Spiel aus Japan, indem man nicht Katzen oder in diesem Fall Hunde suchen und streicheln darf.
Bei den Bosskämpfen zeigt Capcom mal wieder warum sie ganz klar zur Oberliga gehören und hetzen euch ebenso coole wie mächtige und vor allem verschwenderisch genial animierte Endgegner entgegen.
Überhaupt ist die Grafik absolute Oberklasse und geizt nicht mit detaillierten Settings und den bereits angesprochenen tollen Animationen von Freund und Feind.
Auch schön, dass Musashi selber nicht als grellbunter Anime-Schnulli mit völlig übertriebenen wie unpraktischen Körperpanzerungen daherkommt, nein, Capcoms Maulheld ist dank der herrlich heruntergekommenen Kleidung ein abgeranzter Haudegen, der nichts und niemand ernst nimmt … in den ersten Spielstunden jedenfalls.
Denn die virtuellen Schauspieler lassen dank Capcoms Resi-Engine ihre Schauspielkünste spielen und so erkennt ihr sofort auf den virtuellen Gesichtern, wenn die “Schauspieler” wütend, traurig oder einfach nur am frechen Grimassen ziehen sind. Highlight hier neben den brachialen Fight eine kleine Kabuki-Tanznummer, die dank dem gewohnt hochwertigen Motion-Capturing Spaß beim Zuschauen und -hören macht.
Beim Sound lässt sich Capcom wie immer auch nicht lumpen und bringt euch mit fernöstlichen, mit teils modernen Einflüssen gemischten Tracks in Stimmng. Auch die deutsche Sprachausgabe ist wieder hörenswert und verdient ebenfalls ein großes Lob.
Die stets motivierende Kampagne führt den Spieler an historische und düster inszenierte Schauplätze wie den berühmten Kiyomizu-Dera-Tempel und bietet eine Spielzeit von rund 20 Stunden; Vorkenntnisse zu den früheren Teilen sind übrigens nicht von Nöten und somit ist “Onimusha:Way of the Sword" mit seiner eigenständigen Geschichte auch perfekt für Neueinsteiger geeignet.
-mw
“Resident Evil Requiem”, “Pragmata” und jetzt “Onimusha: Way of the Sword”; es ist unglaublich, was Capcom dieses Jahr an Hits auffährt. Der neue Teil reiht sich dank toller Grafik und genialer Atmosphäre in die Riege der Topspiele ein und ist für mich bisher ganz klar mein Favorit zum Spiel des Jahres.
Verschwenderisch gute Grafik und geniale Animationen treffen auf eine stets passende Soundkulisse mit überzeugenden Synchronsprechern und wer sich auch nur ansatzweise für Samurai-Action und japanische Kultur und Folklore interessiert, bekommt hier einen ebenso motivierenden wie stimmungsvollen Samurai-Fantasy-Film zum Selberspielen.
Egal ob die Ehrung des legendären Schauspielers Toshiro Mifune oder die Verbeugung vor dem größten Samurai aller Zeiten- hier wurde für das Wiederaufleben einer totgeglaubten Spieleserie alles richtig gemacht und ich würde mich sehr freuen, weitere Fortsetzungen dieser genialen Spieleserie zu bekommen.
Auch dieses Spiel ist dann doch nicht völlig perfekt und so gibt es ab und an Längen, wenn man sich auf die Aufgaben der Stadtbewohner konzentriert und von A nach B rennt. Auch die Standartgegner sind für geübte Spieler bald Kanonenfutter, aber dafür wirft euch Capcom immer neue und stärkere Feinde vors Schwert. Schwertkämpfe machten mir nie so viel Spaß wie in diesem Spiel.
“Onimusha: Way of the Sword” ist ein absolutes Topspiel für Freunde von fulminanten Action-RPGs und gleichzeitig der beeindruckende Neustart einer der besten Capcom Marken sowie heißer Anwärter auf mein Spiel des Jahres 2026.
-mw
Auch ich bin durchaus begeistert von Capcoms Penner-Samurai. Der schnodderige, abgerissene Typ hat sich gleich in mein Herz gekalauert, gerade weil er Ecken und Kanten hat. Endlich mal kein glattgeföhnter Schnösel aus den Klonfabriken der Marketing-Abteilung – herrlich! So ganz einstimmen in Marks Super-Gesicht und seine Spiel-des-Jahres-Jubelstürme mag ich dann aber doch nicht. Denn dafür ist mir Capcoms Klopp-Clochard dann doch zu Trippel-Ey. Wenn ich nämlich für eins der sporadisch eingestreuten Umgebungs-Puzzles zu lange brauche, dann verliert der Schwertschwinger die Geduld mit mir und verrät frech die Lösung. Abschalten lässt sich das Plappermaul nicht. Auch der Schwierigkeitsgrad scheint mir noch etwas unausgegoren zu sein. Knallharte “Sekiro"-Boss-Battles treffen hier auf Fallobst in den Levels. Das Spiel scheint sich hier nicht recht entscheiden zu können, ob es mich fordern möchte oder nicht.
-mn
Genre: Action-Adventure
Developer: Capcom
Publisher: Capcom
Schwierigkeitsgrad: 6
UPE: ab 69,99 € physisch und digital
Spielzeit: ca. 20 bis 30 Stunden
USK: 18
Muster von: Capcom
Grafik:
Spaß:
Zum Test sprach Mark noch mit Oscar Räuker, der deutschen Stimme von Myamoto Musashi in Onimusha: Way of the Sword
Mark: Wie lange bist du schon Synchronsprecher?
Oscar: Ich stand schon mit circa 6 Jahren das erste Mal im Synchronstudio, als ich für die Hauptrolle in einer Kinderserie gecastet wurde. Danach folgten einige Einsätze als Kindersprecher, mit einer anschließenden mehrjährigen Pause von der Arbeit. 2017 habe ich mich dazu entschieden, zum Synchronsprechen zurückzukehren und den Beruf des Sprechers hauptberuflich und professionell auszuüben. Zum Glück hat es funktioniert!
Mark: Wie kamst du zu der Rolle des Miyamoto Musashi?
Oscar: Wie bei den meisten Hauptrollen in Videospielen, Serien oder Filmen gibt es vorher einen Casting-Prozess. Für diesen werden dann von der Regie, der Aufnahmeleitung oder vom Spielentwickler selbst diverse Sprecher für die zu besetzende Rolle vorgeschlagen. So war es auch bei Musashi. Die verschiedenen Sprecher werden dann einzeln zum Casting eingeladen, bekommen eine Charakterbeschreibung und diverse Voice-Lines vorgelegt und dürfen dann ihre Version der Rolle zum Besten geben. Am Ende entscheidet der Kunde, also in diesem Falle Capcom, welche Stimme bzw. Performance ihm am besten gefällt. Ich hatte das große Glück, dass sie sich bei Musashi für mich entschieden haben.
Mark: Was waren die Herausforderungen beim Einsprechen der Rolle?
Oscar: Mein Anspruch ist es, bei jeder Rolle einhundert Prozent zu geben und sie immer als eine Herausforderung zu sehen, die man mit dem nötigen Respekt und Feingefühl behandeln muss. Bei Musashi war es interessant, die Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit zu finden. Das Spiel setzt viel auf humorvolle Momente und Musashi strotzt nur so vor lockeren Sprüchen, jeder Menge Coolness und Arroganz. Trotzdem ziehen sich düstere, ernste und tiefgehende Elemente durch die gesamte Geschichte hindurch und gehen auch am Protagonisten nicht spurlos vorbei. Auch Musashi fürchtet sich gewissermaßen vor der ungeheuren Kraft des Oni-Handschuhs und davor, durch diese dämonische Macht die eigene Menschlichkeit zu verlieren. Sich zwischen diesen moralischen Fragen, den teilweise traurigen und ernsten Passagen und Musashis unvergleichlicher Kompromisslosigkeit und Überheblichkeit zu bewegen, hat großen Spaß gemacht und war sicherlich eine neue Herausforderung für mich.
Mark: Wie lange dauerten die Sprachaufnahmen insgesamt?
Oscar: Insgesamt haben sich die Aufnahmen fast über das gesamte Jahr 2025 erstreckt, allerdings in mehrere Blöcke unterteilt, zwischen denen es teilweise mehrere Wochen oder auch mal zwei Monate Pause gab. Zum ersten Mal stand ich im März 2025 und zum letzten Mal im Dezember 2025 für Onimusha im Aufnahmestudio. Das war eine tolle Zeit, an die ich gern zurückdenke!
Mark: Hattest du davor schon Bezug zur Onimusha-Serie?
Oscar: Mir war die Onimusha-Serie durchaus ein Begriff, allerdings habe ich sie leider nie selbst gespielt und hatte deshalb auch keinen persönlichen Bezug zu ihr. Als der erste Teil veröffentlicht wurde, war ich gerade mal 3 Jahre alt. Jetzt, wo ich selbst ein Teil der Serie bin, sollte ich die vergangenen Titel bei Gelegenheit mal nachzocken!
Mark: WAY OF THE SWORD ist für mich auch ein Liebesbrief an Japan und dessen Kultur sowie an einen großen Helden der Literatur. Wie ist dein Bezug zu Japan und kanntest du Miyamoto Musashi schon aus dem Buch oder aus Filmen?
Oscar: Ich finde Japan und generell die japanische Kultur faszinierend! Leider habe ich es immer noch nicht geschafft, das Land endlich mal zu besuchen. Aber die Pläne sind auf jeden Fall geschmiedet! ;) Ich bin auch ein großer Fan von Videospielen, die im feudalen Japan angesiedelt sind. Der „Vibe“, die Architektur oder generell die Ästhetik ziehen einen immer wieder in den Bann. Den Namen Miyamoto Musashi, als wahrscheinlich berühmtesten Samurai aller Zeiten, kannte ich zwar, allerdings habe ich mich erst, nachdem ich erfahren habe, wen ich da eigentlich spreche, so richtig über ihn informiert. In jedem Fall ist es eine große Ehre, einer historisch so bedeutsamen Person seine Stimme leihen zu dürfen!
Mark: Welche Spiele / Filme hast du sonst noch synchronisiert?
Oscar: Einige kennen mich vielleicht als deutsche Stimme des Marvel-Superhelden Johnny Storm aus „Fantastic Four“. Wer gerne Serien guckt, kennt mich vielleicht aus „Haus des Geldes“, „Off Campus“ oder „Heated Rivalry“. In Sachen Anime könnte ich manchen als männliche Hauptrolle aus dem Film „Suzume“ bekannt sein, und wenn es um Videospiele geht, haben mich einige Gamer wahrscheinlich bei „Assassin's Creed: Shadows“, „Dying Light“ oder „Prince of Persia: The Lost Crown“ zu hören bekommen.
Mark: Wie wird man eigentlich Synchronsprecher?
Oscar: Der empfohlene, sinnvollste und wahrscheinlich beste Weg ist sicherlich über ein klassisches Schauspielstudium. Der Hauptbestandteil unserer Arbeit ist das Schauspielern, das Interpretieren von verschiedenen Rollen und die Vermittlung von Emotionen allein durch die Stimme. Daher ist schauspielerisches Know-how unabdingbar. Der Großteil der deutschen Synchronsprecher:innen besteht aus ausgebildeten Schauspielern. Mit abgeschlossenem Studium und Schauspielerfahrung kann man sich bei den Synchronstudios vorstellen und für erste Rollen besetzt werden. Es gibt allerdings auch viele Quereinsteiger, wie Musiker, Radiomoderatoren etc., oder sogenannte „Synchronkinder“, wie ich eines war. Wir haben das Handwerk von klein auf gelernt, sind praktisch mit dem Beruf groß geworden und haben die Facetten, Schwierigkeiten und Herausforderungen des Mikrofon-Schauspiels früh verinnerlicht.
Mark: Bist du privat auch Gamer und wenn ja, welches sind deine absoluten Lieblingsgenres und Spiele?
Oscar: Ja, durchaus! Ich bin mit wunderbaren Adventure-Spielen wie der „Monkey-Island“-Reihe aufgewachsen. Der dritte Teil hat bis heute einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Bei Genres bin ich nicht wirklich festgelegt und probiere gerne alles aus. Meine „All-Time-Favorite“-Games sind wahrscheinlich nach wie vor die Spiele der „Gothic“-Reihe. Teil 1 und 2 sind legendär. Als Kind und Jugendlicher habe ich unzählige Stunden in dieser düsteren und rauen Fantasywelt verbracht. Ich mag es, wenn Spiele diese dunkle und unheimliche Atmosphäre haben. Onimusha: Way of the Sword kann da auch sehr gut mithalten!
Mark: Was für Projekte stehen als Nächstes bei dir an, wenn du darüber reden darfst?
Oscar: Wie so oft in der Unterhaltungsbranche unterliegen so gut wie sämtliche nicht veröffentlichten Projekte leider der absoluten Geheimhaltung. Aber es gibt viele zukünftige und aktuelle Produktionen, auf die ich mich schon jetzt sehr freue. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, diesen wunderbaren Beruf ausüben zu dürfen, und hoffe, dass das noch ganz lange so bleibt. Dass diese Form der Kunst weiterhin in der Hand von Menschen bleibt und dass wir weiterhin echte Stimmen und Gefühle zu hören bekommen, keine künstlichen.
