Dad S(t)imulator

Pragmata

3D-Druck.

KI.

Roboter.

Was vor Jahrzehnten noch Teil unserer (Anime)-Filme und somit Phantasien war, ist heute für manche schon bittere Realität.

Und während selbst Oma Hildegard sich mittels KI und Filament vom Massagestab bis hin zum Tee-Untersetzer alles aus dem 3D Drucker zaubern lässt, bietet die Bundeswehr jetzt den selektiven Wehrdienst an und schaut verblüfft nach China, wo Roboter eindrucksvoll auf Vorführungen Wu-Shu-Techniken demonstrieren und nur auf ein Battlefield-Update warten.

Capcom greift diese Themen in dem neuen Sci-Fi Thriller “Pragmata” auf und gibt noch eine ganz große Prise Emotionen hinzu.

In einer nicht allzu fernen Zukunft hat die Menschheit auf dem Mond die Raumstation Cradle errichtet. Mittels eines neuen Rohstoffes Luna-Filament können nun nicht nur protzige Brustpanzer für ComicCon-Cosplayer, sondern gar ganze Wohnblöcke und mehr aus riesigen 3D-Druckern geplottet werden.

Doch wie das halt nun mal so mit uns Menschen ist, lernen wir einfach nichts aus Filmen und ääähm … Videospielen und die verantwortliche KI sowie ein durchgeknallter Android beschließen, dass organisches Leben überbewertet wird und sagen der Menschheit den Kampf an.

Techniker Hugh und sein Team sollen auf der Cradle nach dem Rechten sehen; schon sehr bald wird aber aus dem Routineeinsatz ein Survival-Trip, bei dem Hugh sich keinen Menschen aber dafür wildgewordenen Robotern gegenübersieht, die ihn aus dem Raumanzug ballern wollen.

Alle Roboter?

Mitnichten, denn sehr schnell macht Hugh die Bekanntschaft mit der kleinen Androidin DI03367, die er von nun an Diana nennt.

Diana hat nicht nur Videospiel-typische Anime-Piepsstimme, sondern auch einen praktischen Nutzen: So kann das Mädchen die Programme der feindlichen Roboter hacken, was Hugh einen signifikanten Vorteil in den Schießereien gibt.

Und somit ergibt sich sehr schnell eine spannende Dynamik zwischen Mensch und Maschine, denn beide brauchen den jeweils anderen und diese Struktur zieht sich durch das ganze Spiel.

Während Hugh Diana zu Beginn noch für ein synthetisches Spielzeug hält, merkt er recht schnell, dass er ohne ihre Fähigkeiten nicht nur als öliger Fettfleck auf dem sterilen Stationsboden endet, sondern auch nicht aufklären kann, was sich auf der Cradle ereignet hat.

“Ico”. “Resident Evil 4”. Ihr kennt die Spiele, auf die ein wortkarger Held auf ein Mädchen aufpassen muss, das wirklich alles daran setzt, dass man als wortkarger Held dann doch flucht wie ein LKW-Fahrer.

Doch anders “Pragmata”. Diana nimmt recht forsch auf der Rückenhalterung von Hughs Anzug Platz und stellt sich auch beim Gameplay als äußerst wichtiger und vor allem nützlicher Sidekick heraus.

Während die Kämpfe in bekannter Third-Person-Ansicht stattfinden, zeigt Capcom hier Mut zu Neuem und lässt uns mittels Diana beim Anvisieren der feindlichen Blecheimer ein blitzschnelles Minispiel absolvieren. Habt ihr dieses sogar mit Perks aufrüstbares Hacking-Game korrekt eingegeben, schwächt ihr den Feind und Hughs Angriffe werden stärker oder haben unterschiedliche Effekte auf den Gegner.

Ferner hackt Diana für euch Türen und verfügt über eine Resistenz gegenüber dem tödlichen Mond-Filament.

Capcom hat es ja derzeit mit coolen älteren Herren und während Leon S. Kennedy gerade in “Resident Evil 4” mit der Präsidententochter eine extrem nervige Zielperson zu beschützen hatte, gab man Hugh mit Diana ein anderes Kaliber an die Hand.

Als Pragmata ist Diana eine hochentwickelte affektive KI, kann sich selbst flicken, Robos hacken und das alles in einem kleinen Mädchen-Chassis.

Diana findet die Erde sehr faszinierend und während mal auf Hugh nicht geschossen wird, saugt das Mädchen jede Info aus und schon bald entwickelt sich eine Dynamik zwischen Mensch und Maschine, die fast schon Vater-Tochter-Ausmaße annimmt.

Der stoische Weltraum-Klempner Hugh entwickelt dem Robo-Girlie gegenüber einen Beschützerinstinkt, während das Mädchen als Maschine nicht nur Gefühle zeigt, sondern sie auch in dem abgestumpften Hugh entfacht.

“Pragmata” wirkt auf den ersten Blick allein schon wegen des Sci-Fi Settings und den klobigen Anzügen sowie der wuchtigen Animationen der Techniker erst mal wie ein “Dead Space”-Abklatsch. Doch allein das Artdesign der Cradle samt 3D-gedruckter Umgebung hebt sich vollkommen vom dreckigen und unheimlichen Look der Space-Horror-Saga von EA ab.

Zudem kommt mit Hughs Backpack samt Raketendüsen eine Vertikalität ins Spiel und auch die Rätsel samt Hack-Einlagen sorgen dafür, dass “Pragmata” nicht zur stumpfen Ballerorgie verkommt.

Und da wäre natürlich das Zusammenspiel der beiden Protagonisten. Während Hugh zu Beginn einfach nur überleben möchte, formt sich zwischen ihm und dem Mädchen eine immer größer werdende Bindung und dies wird während der zahlreichen Konversationen zwischen den Beiden fortwährend verstärkt.

Diana verhält sich so gar nicht Robo-like, sondern mehr wie ein neugieriges Kind und bricht somit die Schale des Technikers, der letztendlich nicht nur aus der Cradle entkommen möchte, sondern Diana auch den größten Wunsch erfüllen und die Erde zeigen möchte.

Diese Unterhaltungen und Interaktionen der Beiden finden verstärkt im Ruheraum statt; ja, wie beim hauseigenen “Resident Evil” bietet Capcom seinem Helden-Duo auch auf dem Mond einen Rückzugsort an, wo Gespräche geführt, der Anzug aufgerüstet und Waffen aus dem 3D-Drucker erworben werden können.

Heute ein neues AAA-Franchise zu positionieren verdient ja schon aus Prinzip einen freundlichen Schulterklopfer. Doch Capcom wagt mit “Pragmata” noch mehr, verzichtet auf Gore und Gewalt und ist sogar noch so “dreist“ die altbackene Shooter-Mechanik mit einem Minispiel zu garnieren.

Was mich bei den ersten Videos eher abgeschreckt hat, funktioniert beim Spielen optimal und ist genau die Würze, die dem Gameplay guttut. Sicher, wer es jetzt nicht so mit Multitasking hat, widmet sich vielleicht wieder besser seinem Cozy Game und bestellt ein paar Rübenfelder aber wer denkt, im Action-Adventure-Segment schon alles gesehen respektive gespielt zu haben, wird von Capcoms dynamischen Duo angenehm überrascht werden.

Kritikpunkte gibt es wenige; gerade das Hacking bei den Schießereien kann vor allem bei Bossfights stressig werden und auch manches Türschloss-Rätsel lässt euch eure Hacken ablaufen, aber alles in allem ist “Pragmata” eine runde Sache.

Neben dem Gameplay samt Interaktion mit Diana ist es auch die Grafik, die dieses Spiel besonders macht. Egal ob hochglänzende, sterile SciFi-Interieurs oder nur halbfertig gedruckte Straßenzüge aus New York – “Pragmatas” Artdesign lässt euch immer wieder staunen. Dazu kommt eine herrlich fiese Riege aus Killerrobos und auch das Anzugsdesign verzückt jeden Mecha-Fan.

Der Sound mischt sich unauffällig in das Geschehen und schwillt bei Kämpfen an und untermalt die Action passend. Wie schon bei “Resident Evil” und “Monster Hunter” fährt Capcom auch hier wirklich gute deutsche Synchronsprecher auf und obwohl ich bei piepsigen Manga-Girlies immer Fluchtreflexe bekomme, passt Dianas Stimme zum kindlich naiven Charakter der Rolle.

Ich durfte das Spiel auf der Switch 2 testen und war angetan von dem, was Capcoms RE Engine aus der Konsole herausholt. Sicher, es gibt ja bekanntlich Menschen, die in irgendwelchen Vergleichsvideos ganz laut “Aaaaaah…da sieht man es ja!“ rufen aber ich konnte als halbblinder Boomer-Gamer tatsächlich nur einen Unterschied bei der Gestaltung der Haare ausmachen. Die Strähnen von Diana sehen dann auf der PS5 doch nochmal eine Runde schöner aus.

Doch abgesehen von virtuellen Frisuren habt ihr auch auf der Switch tolle Glanzeffekte, eine stimmige Framerate und den ganzen anderen Scheiß, der vielen Gamern heute so verdammt wichtig ist.

Für mich zählt das allgemeine Bild, die Story und das Gameplay und hier holt mich “Pragmata” voll ab. Das Spiel nimmt euch mit auf ein manchmal wildes, oft auch ruhiges und auch gegen Ende sehr emotionales Abenteuer. Ich ziehe meinen Hut vor Capcom, mit diesem Spiel im schwarzen All der Fortsetzungen und Remakes einen neuen, hellen Stern gesetzt zu haben.

-mw


SUPER

 Capcom hat einfach einen Lauf. Nach dem mehr als gelungenen “Resident Evil Requiem” liefert die japanische Edelschmiede mit “Pragmata” gleich seinen nächsten Hit, der unterschiedlicher nicht sein könnte. Könnt ihr auf schleimige Monster und Gore mal verzichten und lasst euch auf den Hochglanz-SciFi-Thriller ein, erwartet euch eine ebenso fesselndes wie motivierendes Abenteuer mit viel Action und noch mehr Herz. “Pragmata” sieht toll aus, klingt gut und bringt mit dem Hacking-Feature einen frischen Wind in Third Person-Ballereien, der tatsächlich nicht nur Sinn, sondern auch Spaß macht. Natürlich kommen schon jetzt Internet-Wichtigtuer um die Ecken, die Dianas Gestaltung bedenklich finden und der gestandene männliche Gamer natürlich jetzt auch eine kleine Diana in Mamis Kellerwohnung haben möchte. Doch wir kennen unsere Leser, die angesichts solch haarsträubender Äußerungen verächtlich mit der Zunge schnalzen und sich mit Pragmata ein erfrischend anderes 3rd-Person-Abenteuer auf die Konsole oder den PC laden.

Dieses Jahr hat bereits einige gute Spiele hervorgebracht und gerade Capcom festigt einmal mehr den Ruf der Edelschmiede, die schon sehr bald mit “Onimusha” einen weiteren Hit liefern könnte.

Also, gebt Hugh und Diana eine Chance und schafft eure Hintern auf den Mar … ähm, Mond.

-mw

System: Switch 2 auch auf PS5, Xbox Series X
Genre: Action-Adventure
Developer: Capcom
Publisher: Capcom
Schwierigkeitsgrad: 4
UPE: 59,99 €
Spielzeit: Ca. 20 Stunden
USK: 12
Muster von: Capcom

Grafik:
83%
Sound:
75%
Motivation:
87%

Spiel-
Spaß:
89%
Werbung nervt!

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