Porsche, Viren und Pistolen
Resident Evil Requiem
„Get down!“
Mit diesem Ausruf zeigte ein junger Rookie-Cop 1998 bei seinem ersten Einsatz auf der Playstation Herz und rettete Claire Redfield aus einer brenzligen Situation.
Das erste "Resident Evil" hatte eingeschlagen wie eine Bombe und wir alle wollten natürlich wissen, wie es mit dem S.T.A.R.S.-Team und Umbrella weitergeht. Es war die Zeit der ersten PlayStation, der CD-Wechseltricks oder dem auf die Platine gebratenem Chip, der die viel eher erscheinenden US- und Japanimporte spielbar flexte.
Nun schreiben wir das Jahr 2026 und viel ist mittlerweile passiert. Wechseltricks gibt es nicht mehr; Konsolen sind gekommen und gegangen, die guten und bunten 90er sind vorbei und heute retten mittlerweile auch die Claire Redfields die Leons und haben coole Oneliner drauf. Und doch steht die "Resident Evil"-Serie nach wie vor wie ein Felsen in dem Meer der Softwaretitel. Leon S. Kennedy ist längst kein Rookie mehr und mittlerweile ein absolute Fanliebling der Spieleserie.
Mit Teil 4 richtete Capcom das Franchise neu aus und machte aus dem toughen Agenten Kennedy eine Ein-Mann-Armee; lange vor John Wick und all den anderen Sugar-Daddy-Actionhelden.
"Resident Evil Requiem" führt die offizielle Geschichte, die 1996 auf der ersten PlayStation begann, weiter und führt uns mit einem ebenso lässigen wie zugegeben wirklich heißen Ü-50 Leon wieder zurück nach Racoon City. Doch anders als in den letzten beiden Hauptteilen der Serie, ist Leon nicht der einzige Protagonist des Spiels.
Die junge FBI-Profilerin Grace wird mit einem mysteriösen Fall betraut und schon bald findet sich die anfänglich minimal unbeholfene Agentin in einem Alptraum aus Zombies, Mutanten und undurchsichtigen Charakteren wieder.
Der spielerische Ansatz ist dieses Mal so, dass ihr in den Kapiteln der jeweiligen Charaktere auch dementsprechendes Gameplay bekommt. Die Kapitel von Grace sind atmosphärisch dicht und orientieren sich wirklich an der Survival-Horror-Thematik. Grace ist zwar als Profilerin waffenkundig und kann mit der Knarre umgehen; ihre Kapitel sind aber durchzogen von ständig angespannter Atmosphäre und gelegentlichen Rätseln.
Bei Leon hingegen geht es Gameplay-technisch zurück zu Teil 4 und das heißt in erster Linie jede Menge Action. Der Typ fährt nicht nur gerne schwäbische Autos, sondern ist dank dem erlebten Horror der vorherigen Teile nun dermaßen abgebrüht, dass selbst gestandene 80er-Jahre-Actionhelden anerkennend die Augenbrauen hochziehen.
Vom Spiel empfohlen sind übrigens die jeweiligen Perspektiven. So spielt Ihr die Grace-Kapitel aus der Ego-Perspektive, während Ihr Leon in der Third-Person-Ansicht übers breite Kreuz schaut. Doch könnt ihr bei Bedarf im Optionsmenü jederzeit die Ansichten bei beiden Protagonisten ändern.
Die Story dreht sich um das Vermächtnis von Umbrella und bringt neue Charaktere sowie die üblichen Verstrickungen rund um Viren, Mutationen und Verschwörungen mit sich.
Die Geschichte hält bei der Stange und das Spiel hat genau die richtige Länge. Für Serienveteranen gibt es wirklich tolle Momente, die nicht nur reiner Fanservice sind. Wenn Leon nach langer Zeit wieder ins zerstörte Raccoon City Police Department zurückkehrt da muss man willkürlich schlucken- man denkt tatsächlich kurz zurück ins Jahr ´98; fühlt sich ebenso grün, unerfahren und doch optimistisch wie der damalige Leon und steht nun Jahrzehnte später in der stummen, anklagenden Ruine voller Tod und den Geistern der Vergangenheit.
Wirklich gut gefallen hat mir nach dem Vampir- und Werwolf-Klamauk des letzten Teils wieder die Rückkehr zur etwas bodenständigeren "Resident Evil"-Thematiken.
So beginnt das Spiel wie ein David-Fincher-Film und Ihr begutachtet im atmosphärisch verregneten Wrenwood einen Tatort, ehe die Hölle losbricht.
Und Scheiße ja – wenn das Spiel hochdreht, dann so richtig! Gerade Leon ist der ultraharte Knochen und hat seit Teil 4 und 6 nochmals kräftig trainiert. Wenn der abgebrühte Pumper loslegt, dürften Jugendschützer reihenweise Schnappatmung bekommen während Gorehounds ein angenehmes Zucken im Höschen verspüren dürften.
Gefallen haben mir auch die Zombies, denen Capcom nun schon beinahe Persönlichkeiten eingepflanzt hat. So erinnern sich viele der Untoten zumindest bruchstückhaft an ihre Zeit vor der Maden-Phase und versuchen, ihrem Tagwerk nachzugehen, was zu wirklich gespenstisch-gruseligen Szenen führt.
Ich spiele ja ausschließlich mit Headset und gerade dank der wirklich fabelhaften Grafik in Verbindung mit dem Sound bin ich tatsächlich mehrmals derb zusammengezuckt. Denkt nicht, dass wenn Ihr ein Leon-Kapitel spielt, Ihr gefeit vor fiesen Jumpscares seid, oh nein, auch als Leon bin ich das eine oder andere Mal erstaunlich schrill schreiend aus'm Sessel gesprungen.
Und weil das Spiel ein audiovisuelles Brett ist, möchte ich noch auf die Technik eingehen. Gespielt habe ich das Game auf einer PS5 Pro und muss sagen, dass es neben "Ghost of Yotei" das grafisch beeindruckende Spiel derzeit auf der Konsole darstellt.
Egal ob der Beginn in Wrenwood im Regen, schaurige Herrenhäuser (yep, auch dabei!), schummrige Labore oder der offene Abschnitt im zerbombten Racoon City – Ihr werdet staunen ob der detailreichen und atmosphärischen Set-Pieces. Auch die Charaktere sind geradezu verschwenderisch gestaltet und animiert. Wenn Leon mit einem lässigen Sidekick einen Zombie ins Mobiliar drückt oder er seine Kommando-Axt zückt, dann zieht man selbst vor dem Screen scharf die Luft ein.
Der Sound geht mit der extrem aufwendigen Grafik eine ebenso unheimliche wie perfekte Allianz ein und ist ebenso hochwertig gestaltet wie die fulminante Optik des Spiels.
Unheimliche Klangteppiche in ruhigen Passagen wechseln mit treibenden Tracks und passen jederzeit zum Spiel. Dazu gesellt sich ein wirklich gelungener Cast an Sprechern und ja – auch die deutsche Version ist Capcom-typisch mit wirklich guten Synchronsprechern besetzt.
Leon und Grace wird dank unruhigem Atmen, Keuchen und Stöhnen selbst in relativ normalen Situationen Leben eingehaucht und ab und an gibt es von den Protagonisten auch mal passende Kommentare zu bestimmten Spielmomenten. Sicher, Leon haut halt selbst in Angesichts der derbsten Bossmutationen einen Oneliner raus aber der Kerl hat halt nun mal schon gefühlt alles erlebt. Man nimmt ihm diesen sarkastischen Badass zu jeder Zeit ab, zumal er gegen Ende des Spiels tatsächlich auch mal "schauspielerisch“ auf der emotionalen Ebene agieren darf.
Grace ist weit weg vom hilflosen Präsidenten-Girlie Ashley aus Teil 4. Sie wirkt nie nervig, sondern zeigt eine anfänglich verschlossene und vorsichtige junge Frau, die an ihre Grenzen getrieben wird und an den Situationen wächst und entsprechend meist glaubhaft reagiert.
-mw
Capcom liefert mit "Resident Evil Requiem" eine herausragende Fortsetzung ab, die für mich nach Teil 1, "Code: Veronica" und Teil 4 mitunter nun als einer der besten Teile des Franchise gilt. Hier stimmt wirklich alles; die Grafik ist geradezu verschwenderisch genial und wird Euch in Verbindung mit der Soundkulisse absolut wegblasen. Der Spagat zwischen derben Horror und knochenbrechender Action-Szenen ist absolut pointiert; eben zittert Ihr Euch noch mit Grace und wenig Munition druch die Dunkelheit und im nächsten Moment zerlegt Ihr mit Leon eine Spezialeinheit nach John-Wick-Manier.
Während Teil 8 mich aufgrund der Thematik nicht so gepackt hat, bin ich dank Leon, Umbrella und Racoon City wieder voll in dem "Resident Evil", in dem ich mich wohlfühle. Sicher, vom nächsten Teil erwarte ich mir wieder einen charismatischeren Oberfiesling aber ansonsten hatte ich durchwegs Spaß an dem Spiel.
"Resident Evil Requiem" ist ein Must-Have für Serien- und Horrorfans und stellt ein weiteres Highlight im Spielekatalog von Capcom dieses Jahr dar.
-mw
"Resident Evil“ ist seit dem ersten Teil von 1996 ein stätiger Begleiter in meiner Gaming-Bubble.Ich habe im Laufe der Jahre so ziemlich jeden Teil gespielt – bis auf ein paar wenige Ausnahmen. Entsprechend gespannt war ich darauf, wie “Requiem“ ausfällt und wie sich Leon im Alter so schlägt.
Mir hat der Wechsel zwischen Survival-Horror (Grace) und Splatter-Action (Leon) ausgesprochen gut gefallen. Die einzelnen Abschnitte sind überraschend lang ausgefallen, sodass man schön in die einzelnen Charaktere eintauchen und ausgiebig auf Erkundungstour gehen kann. Beide Spielstile haben für mich gut funktioniert, wobei ich Graces Ego-Sicht als immersiver empfunden habe. zum Glück kann man die Perspektive jederzeit wechseln.
Leider wurde ein liebgewonnenes Feature etwas mau umgesetzt. Zwar kann man an weiterhin an einer Serientypischen Kiste Gegenstände lagern, Waffen aufwerten oder neue kaufen sowie überschüssigen Ballast verkaufen. Doch vorbei sind die Zeiten von "What are you buyin, Stranger?“. Stattdessen wird Euch eine Seelenlose Kiste mit Bildschirm vor dem Latz geknallt – fand ich ehrlich gesagt etwas unsexy. Ansonsten fühlt es sich fast wie zwei Spiele in einem an. Es wird wie gewohnt gerätselt, Informationen gesammelt und natürlich Untote dezimiert. Optisch lässt die RE-Engine einmal mehr die Muskeln spielen: Sie beindruckt mich jedes Mal aufs Neue und benötigt auf der Konsole erfreulicherweise deutlich weniger Speicherplatz als viele andere Blockbuster. Mein persönliches Highlight war – wie vermutlich für viele – die Rückkehr nach Raccoon City. Ich liebe es einfach, in alte Szenarien zurückzukehren; Nostalgie pur. Abschließend bleibt mir nur zu sagen das ich das Spiel – abgesehen von ein paar Kleinigkeiten – sehr genossen habe. Das Gameplay ist angenehm geschmeidig, die Story gut geschrieben und die Atmosphäre trifft genau in Schwarze.
-db
Genre: Survival-Horror
Developer: Capcom
Publisher: Capcom
Schwierigkeitsgrad: Mittel
UPE: 79,90 €
Spielzeit: Ca. 15 Stunden
USK: 18
Muster von: Capcom Deutschland
Grafik:
Spaß:
