Filmkritik: Mortal Kombat II (Kinostart: 07. Mai 2026)
Ein Gastartikel von Gaststar Kai Schmidt
Fertigmachen zur zweiten Runde! Die Fortsetzung der Videospielverfilmung will diesmal alles richtig machen.
Das entscheidende Mortal-Kombat-Turnier um das Schicksal der Erde steht an. Neun Mal hat Imperator Shao Kahn bereits gewonnen – gelingt ihm der zehnte Sieg in Folge, verleibt er sich das Erdenreich ein. Genau wie er es bereits mit Edenia getan hat, der Heimat von Prinzessin Kitana, die nun zusammen mit Königin Sindel, Leibwächterin Jade, einem wiederbelebten Kung Lao sowie Kahn höchstpersönlich gegen Raidens Erden-Kämpfertruppe um Liu Kang, Sonya Blade, Jax und Cole Young antreten soll. Ein fünfter Teilnehmer fehlt der Truppe nach dem Lagerwechsel des im Vorgängerfilms entleibten Kung Lao allerdings noch. Die Wahl fällt auf den heruntergekommenen und desillusionierten Actionstar Johnny Cage, der sich allerdings nur widerwillig anschließt. Hätte er bloß eindeutig klar gemacht, dass er mit dem Todesturnier nichts zu tun haben will – denn Shao Kahn beabsichtigt so kurz vor dem entscheidenden zehnten Sieg gar nicht, fair zu kämpfen, sondern schaltet in den versteckten God-Mode.
„Mortal Kombat II“ (Kinostart: 07. Mai 2026) sieht sich als Film genau wie seine Helden in einen schwierigen Kampf verwickelt. Der Vorgängerfilm „Mortal Kombat“ (2021) war seinerzeit zwar ein Achtungserfolg an der COVID-Kinokasse und im Streaming, doch hinterließ er unter den Fans einen gemischten Eindruck. Die einen feierten die Action und den exzessiven Einsatz von Splattereffekten. Etwas, das die erste Verfilmung aus dem Jahr 1995 für eine Jugendfreigabe tunlichst vermied. Die anderen störten sich an der Story um Auserwählte mit einem magischen Drachenmal, die nicht mal zum titelgebenden Turnier antraten, sondern im Grunde bloß mit Raiden dafür trainierten – während Bösewicht Shang Tsung von seinem Thron auf einem „Road Runner“-Klippenüberhang mit anmontierter Tür Pläne schmiedete, die Truppe zu sabotieren. Ja, und dann war da natürlich noch der speziell für diese Verfilmung geschaffene Charakter Cole Young, der als Identifikationsfigur für den Zuschauer gedacht war und als Superkraft einen energieabsorbierenden (Gummi-)Körperpanzer erschaffen kann. Auch er stieß auf wenig Gegenliebe. Kann „Mortal Kombat II“ also diese verlorene Runde verwandeln und im zweiten Anlauf das Match gewinnen beziehungsweise einen besseren Film abliefern?
Round 2, Fight!
Tatsächlich lautet die Antwort „Ja“. Die Fortsetzung ist all das, was der erste Film bereits hätte sein sollen und hat sogar, man lese und staune, ein Turnier zu bieten. Offenbar haben sich die Macher die Kritik von Seiten der Fans wirklich zu Herzen genommen und reinen Tisch gemacht. Magische Geburtsmale? Ohne eine weitere Erwähnung unter den Teppich gekehrt. Ein bestimmtes anderes Problem ereilt ein ähnliches Schicksal. Bescheuerte Story? Ja, immer noch, aber sie orientiert sich diesmal sehr offensichtlich an den (im Grunde ebenso bescheuerten) Spielen. Der Wettkampf steht deutlich im Mittelpunkt der Handlung, obgleich eine in ungeahnte Sphären ausufernde Nebenhandlung damit beschäftigt ist, das magische Amulett des cheatenden Kahn zu zerstören.
„Mortal Kombat II“ ist inhaltlich, machen wir uns nichts vor, glorreicher Trash von beinahe epischen Ausmaßen, der sich zuweilen selbst viel zu ernst nimmt. Aber genau das macht den Film zu einer beinahe perfekten Adaption der nicht minder trashig-prätentiösen Story-Modi aus den Spielen. Fans freuen sich über toll choreografierte Kämpfe, in denen sich die Figuren inmitten bekannter Arenen die Special-Moves um die Ohren hauen, dass es eine Freude ist. Zwei Kampfszenen mit Liu Kang sind dank ordentlich Feuerzauber und Hingucker-Kampfkunst sogar richtig beeindruckend geraten. Und der herrlich zynische Neuzugang Johnny Cage gehört dank seines bestens aufgelegten Darstellers Karl Urban („The Boys“, „Dredd“) zusammen mit dem wiedergekehrten Sprücheklopfer Kano ebenfalls zu den Höhepunkten des Streifens. Schade ist nur, dass man Mileena bereits im ersten Teil sinnlos verheizt hat und daher natürlich nicht die in den Spielen prominente Klon-/Schwestern-Dynamik mit Kitana behandeln kann. Auch ein Unterboss wie der ebenfalls verheizte Goro hätte Shao Kahns Bedrohlichkeit nochmal aufwerten können. Aber die Handlung ist ohnehin schon vollgepackt genug.
Flawless Victory!
Aber kann „Mortal Kombat II“ dem nur für Erwachsene freigegebenen Vorgänger auch in Sachen Gore das Wasser reichen? Der Film trägt schließlich eine blaue FSK-Plakette ab 16 Jahren. Das ist für ein „Mortal Kombat II“ etwas überraschend, schaffte es das gleichnamige Videospiel doch seinerzeit dank Blitzindizierung noch, dass die komplette Kiosk-Auflage der „Video Games“ 09/94 wegen des enthaltenen Tests eingestampft und geändert werden musste. Um es im Gegensatz zum Film kurz und schmerzlos zu machen: Ja. Blut spritzt massig, Körper werden durchlöchert, zersägt und zerteilt, Köpfe werden aufgespießt, zertrümmert und sogar in kleine Fatality-Scheibchen geschnitten. „Ernstzunehmende“ Kritiker sehen sich das Spektakel an, verstehen vermutlich nur Bahnhof und raten ab. Fans dürften hingegen verzückt sein von der knapp zweistündigen Action-Achterbahnfahrt ohne nennenswerten Leerlauf.
-ks
Kai und „Mortal Kombat“ gehören einfach zusammen. Als das erste „Mortal Kombat“ 1993 in der Heimversion erschien, gab der damals 16-Jährige sein mühsam Angespartes aus, um sich die Mega-Drive-Version (mit krassem Blut-Code!) zu kaufen. Sogar die Begründung zur Wehrdienstverweigerung wurde später zwischen einigen Runden „Mortal Kombat II“ verfasst. Kurz nach seinem Einstand als Trainee bei der Zeitschrift „GamePro“ schaffte er das Kunststück, eine „Mortal Kombat“-History zu verfassen, ohne die aufeinanderfolgenden Worte „Mortal“ und „Kombat“ zu verwenden, die damals aus Jugendschutzgründen nur zusammen mit dem Zusatz „Deception“ erlaubt waren. Nach über 20 Jahren „GamePro“, zuletzt als Senior Managing Editor Print, versucht sich Kai nach dem Ende des Magazins als freier Autor – und bleibt dabei sowohl „Mortal Kombat“ als auch (unverhoffterweise) seinem einstigen Lieblings-Videospielemagazin „Video Games“ treu.
Alle Bilder von "Mortal Kombat II" sind © Warner Bros. Pictures
