Wenn es nach Sentinel geht: Brille statt Monitor
gamescom 2026
Abwechslungsreiche Hardware auf der gamescom
Die gamescom B-Seite - Teil 3
Gaming-Hardware muss nicht immer nur bedeuten, die nächste Grafikkarte mit noch mehr Leistung in einen möglichst bunt beleuchteten Rechner zu stecken. Auf der gamescom 2026 begegneten Thorsten auch einige Produkte, die mit ungewöhnlichen Ideen auffielen. Bei IQUNIX, Clevetura und Pendulum PR reichte die Bandbreite von erstaunlich massiven Tastaturen über eine clevere Kombination aus Keyboard und Touchpad bis zur kompletten virtuellen Leinwand direkt vor den Augen.
IQUNIX: Schwer liegt gut auf dem Tisch
Bei IQUNIX dreht sich vieles um mechanische Tastaturen – und schon beim ersten Anfassen fiel Thorsten etwas auf: Die Dinger haben ordentlich Gewicht.
Das kommt nicht von ungefähr. Aluminium spielt bei IQUNIX eine große Rolle, zahlreiche Modelle setzen auf CNC-gefräste Gehäuse. Das sorgt dafür, dass die Tastatur dort liegen bleibt, wo man sie abgestellt hat. Eine ausgewachsene FOX98 bringt beispielsweise rund 1,7 Kilogramm auf die Waage. Selbst kompaktere Modelle können die Kilogrammgrenze locker überspringen.
Neben der Verarbeitung gefielrn Thorsten vor allem die unterschiedlichen Designs. IQUNIX beschränkt sich keineswegs auf das übliche Schwarz-mit-RGB-Einerlei, sondern experimentiert mit Farben und ausgefallenen Keycaps. Besonders interessant sind dabei Sondereditionen und Kooperationen wie die EV63 Ghost in the Shell Edition. Da wird aus einem schnöden Eingabegerät schnell ein echter Hingucker auf dem Schreibtisch, wenn einem das Design zusagt.
Thorstens kurzer Messekontakt reichte nicht für ein abschließendes Urteil über Tippgefühl und Alltagstauglichkeit. Der erste Eindruck war aber ziemlich eindeutig: IQUNIX baut schwere Tastaturen, die sich nicht nur optisch, sondern gerade auch beim Hochheben nach ziemlich viel Hardware anfühlen.
Clevetura: Wenn die Tastatur plötzlich zum Touchpad wird
Clevetura sah sich Thorsten auf der gamescom etwas genauer an – und das CLVX S hat es ihm durchaus angetan, denn das Besondere daran erschließt sich auf den ersten Blick nämlich gar nicht. Zunächst sieht man einfach eine angenehm kompakte Tastatur.
Dann legt man die Finger auf die Tasten.
Die Oberfläche der Tastatur dient gleichzeitig als Touchpad. Statt ständig zwischen Tastatur und separatem Trackpad oder Maus wechseln zu müssen, lassen sich Zeiger und Gesten direkt über die Tasten steuern. Das klingt zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert nach kurzer Eingewöhnung aber erstaunlich intuitiv.
Besonders spannend fand Thorsten als rasender Reporter natürlich das Konzept für mobile Arbeitsplätze. Wer mit Tablet oder Smartphone unterwegs ist, bekommt Tastatur und Touchpad in einem Gerät und spart sich zusätzliche Peripherie. Auf der gamescom konnte er das CLVX S sogar zusammen mit einer VR-Brille und einem Smartphone ausprobieren. Gerade in dieser Kombination zeigte sich, wie interessant die Idee sein kann: Bildschirm vor den Augen, Smartphone als Rechner und das Clevetura als kompakte Eingabezentrale. Hatte etwas von "Ghost in the Shell" - aber ganz anders als bei IQUNIX.
Es ist eines dieser Geräte, bei denen man sich nach kurzer Zeit fragt, warum eigentlich nicht schon früher jemand Tastatur und Touchpad auf diese Weise miteinander verheiratet hat.
Sentinel XR: Der Bildschirm sitzt auf der Nase
Zum Abschluss wurde es bei Pendulum PR noch einmal futuristisch. Dort konnte Thorsten die Sentinel XR Gaming Glasses von ELO ausprobieren.
Wobei „Brille“ zunächst fast etwas untertrieben klingt. Die Sentinel XR soll einen virtuellen Bildschirm von bis zu 200 Zoll vor den Augen erzeugen und bietet eine Auflösung von 1920 × 1200 Pixeln pro Auge. Je nach Betriebsmodus sind bis zu 120 Hz möglich, dazu kommen 3DoF-Headtracking und direktionaler Surround-Sound.
Thorsten interessierte beim ersten Ausprobieren aber zunächst etwas wesentlich Praktischeres: Wie gut funktioniert so etwas eigentlich, wenn die eigenen Augen nicht mehr ganz fabrikneu sind?
Erfreulich gut. Die Sentinel XR lässt sich mit einer Dioptrienkorrektur von 0 bis -3,5 individuell an die eigene Sehstärke anpassen. Das ist gerade bei einer Gaming-Brille ein wichtiger Punkt, denn eine zusätzliche normale Brille unter einem solchen Gerät tragen zu müssen, ist selten besonders komfortabel. Und Thorsten weiß das als Brillenträger nur zu gut.
Beim kurzen gamescom-Test hinterließ die Sentinel XR zumindest bei Thorsten einen tollen ersten Eindruck. Das Bild wirkte auf ihn überzeugend und mit einem Gewicht von knapp 100 Gramm sitzt hier eben kein ausgewachsenes VR-Headset auf dem Kopf.
Wichtig ist allerdings die Unterscheidung: Die Sentinel XR will kein klassisches VR-Headset ersetzen. Stattdessen bringt sie einen großen virtuellen Bildschirm direkt vor die Augen und lässt sich mit zahlreichen Plattformen vom PC über PlayStation und Xbox bis hin zu Android-Geräten und Nintendo Switch nutzen.
Nach dem kurzen Ausprobieren stand für Thorsten deshalb vor allem eines fest: Er möchten mehr davon sehen. Einen ausführlicheren Test der Sentinel XR hat er bereits ins Auge gefasst. Dann darf die virtuelle 200-Zoll-Leinwand zeigen, wie sie sich nicht nur für ein paar Minuten auf einer Messe, sondern bei längeren Gaming-Sessions schlägt.
Bis dahin bleibt von diesem gamescom-Trio ein ziemlich abwechslungsreicher Eindruck: IQUNIX baut Tastaturen, mit denen man vermutlich auch einen Schreibtisch gegen Wegfliegen sichern könnte, Clevetura versteckt das Touchpad einfach unter unseren Fingern – und ELO schafft den Schreibtischbildschirm im Zweifelsfall gleich ganz ab.
Langweilig wird Gaming-Hardware jedenfalls nicht.
-ts
