Martin und Thorsten am ersten Tag der gamescom 2026

gamescom 2026

Von Birmingham bis Fabletown: Drei besondere Begegnungen auf der gamescom

Die gamescom B-Seite - Teil 1

Wir könnten euch die genau gleichen Berichte präsentieren wie jedes andere Games-Media Outlet da draußen. Aber das wollen wir nicht. Wir wollen euch eine andere Seiten der gamescom zeigen. Quasi eine B-Seite.

-az

Zwischen großen Messeständen und langen Warteschlangen sind es oft die persönlichen Gespräche, die von einer gamescom besonders lange in Erinnerung bleiben. In diesem Jahr führten drei Termine Redakteur Thorsten in völlig unterschiedliche Bereiche der Spielewelt: zu den mittelalterlichen Untoten von God Save Birmingham, in die riesige Datenbank von MobyGames und schließlich zurück in die düsteren Straßen von Fabletown.

God Save Birmingham wächst weiter

Thorstens Besuch bei Ocean Drive Studio entwickelt sich für ihn langsam zu einer kleinen gamescom-Tradition. Bereits zum dritten Mal in Folge konnte ich er ansehen, wie sich God Save Birmingham weiterentwickelt. In diesem Jahr sprach Thorsten mit Game Designer Sangbu Kim, der seit zwei Jahren an dem Survival-Spiel arbeitet.

God Save Birmingham versetzt uns in das englische Birmingham des 14. Jahrhunderts. Dummerweise haben die Toten dort beschlossen, ihre vorgesehene Ruhezeit vorzeitig zu beenden. Wir müssen Vorräte sammeln, Gegenstände herstellen und uns mit allem verteidigen, was sich in der physikbasierten Spielwelt irgendwie als Waffe verwenden lässt.

Die wichtigste Veränderung gegenüber dem vergangenen Jahr ist die Größe des spielbaren Gebiets. Ocean Drive Studio hat die Playzone verdoppelt. Dadurch wirkte die Präsentation nicht nur umfangreicher, sondern vermittelte auch deutlich stärker das Gefühl eines zusammenhängenden Spiels. Während in den vergangenen Jahren vor allem einzelne Mechaniken und Ideen im Mittelpunkt standen, war diesmal wesentlich besser zu erkennen, wie sich Erkundung, Überleben und Charakterentwicklung später miteinander verbinden sollen.

Die größere Umgebung sorgt dafür, dass sich das Spiel bereits stärker nach Fortschritt anfühlt. Neue Orte wollen entdeckt, Versorgungsmöglichkeiten gefunden und Gefahren eingeschätzt werden. Birmingham wird zunehmend zu einer Stadt, in der man sich orientieren und eigene Entscheidungen treffen muss – und nicht mehr nur zu einer Kulisse für mittelalterliche Zombiebegegnungen.

Die Vorgeschichte verändert den Einstieg

Eine interessante Neuerung betrifft den Ausgangspunkt des eigenen Charakters. Dieser soll künftig von dessen persönlichem Hintergrund abhängig sein. Eine Figur beginnt beispielsweise im eigenen Haus, während eine andere ihre Reise in einer Kirche startet.

Damit erhält die Wahl des Hintergrunds eine unmittelbar sichtbare Bedeutung. Sie verändert nicht nur den Startpunkt, sondern soll der eigenen Figur zusätzliche erzählerische Ebenen verleihen. Ergänzend plant Ocean Drive Studio unterschiedliche Klassen, durch die sich der Charakter auf bestimmte Fähigkeiten und Spielweisen spezialisieren lässt.

Gerade die Kombination aus Herkunft, Startort und Klasse könnte den Wiederspielwert deutlich erhöhen. Je nach gewähltem Charakter beginnt der Überlebenskampf unter anderen Voraussetzungen und möglicherweise auch in einem ganz anderen Teil der Stadt.

Auch ein Koop-Modus ist vorgesehen. Konkrete Einzelheiten zur Umsetzung wurden noch nicht genannt, doch das gemeinsame Überleben dürfte hervorragend zum Konzept passen. Schließlich lässt sich eine mittelalterliche Zombiehorde wesentlich entspannter bekämpfen, wenn neben einem noch jemand steht, den man im Notfall heldenhaft vorschicken kann.

60 Menschen und ein gemeinsames Ziel

Rund 60 Personen arbeiten weiterhin an God Save Birmingham. Das gesamte Team konzentriert sich vollständig auf dieses eine Projekt und entwickelt derzeit keine weiteren Spiele parallel. Angesichts der wachsenden Spielwelt, der Charakterklassen und des geplanten Koop-Modus dürfte es trotzdem niemandem langweilig werden.

Obwohl Ocean Drive Studio seine Wurzeln in Südkorea hat, erreicht God Save Birmingham nach Aussage von Sangbu Kim bislang ein eher westliches als asiatisches Publikum. Das mittelalterliche England in Verbindung mit Zombies und anspruchsvollen Survival-Mechaniken scheint besonders bei europäischen und nordamerikanischen Spielern auf Interesse zu stoßen.

Der Start in den Early Access ist für die erste Hälfte des Jahres 2027 geplant. Bis dahin hofft das Studio weiterhin auf Unterstützung durch die Community. Wer sich dazu berufen fühlt, kann God Save Birmingham bei Steam auf die Wunschliste setzen, dem Discord-Kanal beitreten, an Betatests teilnehmen und anschließend konstruktives Feedback hinterlassen.

Nach Thorstens inzwischen dritten Treffen mit Ocean Drive Studio ist die Entwicklung deutlich zu erkennen. God Save Birmingham wird von Jahr zu Jahr umfangreicher und greifbarer. Aus einer ungewöhnlichen Idee entsteht langsam eine echte Spielwelt – auch wenn deren Einwohner inzwischen ein wenig bissiger geworden sind.

Das Gedächtnis der Videospielwelt

Von den Untoten Birminghams führte Thorstens Weg anschließend ins Moby Café. Dort sprach er mit Paul Walker-Emig über MobyGames, eine Datenbank, die sich selbst gewissermaßen als IMDb der Videospielbranche versteht.

Seit rund 25 Jahren sammelt MobyGames Informationen über Spiele und die Menschen, die an ihnen gearbeitet haben. Inzwischen umfasst die Datenbank ungefähr 300.000 Spiele sowie rund 1,4 Millionen Einträge zu Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Branche.

Dabei wird nicht einfach nur festgehalten, wann ein Spiel erschienen ist. MobyGames dokumentiert Entwickler, Publisher, Plattformen, Mitwirkende und verschiedene internationale Veröffentlichungen. Zahlreiche Spieletitel sind in mehreren Sprachen verzeichnet. Häufig finden sich außerdem unterschiedliche Coverversionen aus verschiedenen Ländern.

Gerade diese regionalen Unterschiede machen die Datenbank auch für langjährige Spieler und Sammler interessant. Ein Titel kann in Japan schließlich völlig anders heißen und aussehen als in Europa oder Nordamerika. MobyGames bringt diese verschiedenen Fassungen zusammen und hilft dabei, ihre Verbindung untereinander nachvollziehbar zu machen.

Für Entwickler bietet die Plattform ebenfalls eine Möglichkeit, sich und ihre Arbeit innerhalb des Marktes sichtbar zu machen. Wer an einem Spiel beteiligt war, kann über die entsprechenden Einträge mit einem Projekt und dessen Credits in Verbindung gebracht werden. Dadurch entsteht nicht nur ein Archiv der Spiele, sondern zugleich ein gewaltiges digitales Verzeichnis der Menschen hinter ihnen.

Atari kündigte die geplante Übernahme von MobyGames bereits 2021 an. Vollständig abgeschlossen wurde der Kauf im März 2022. Unter dem Dach des traditionsreichen Unternehmens soll die Datenbank weiterhin das bewahren, was in einer schnelllebigen Branche leicht verloren gehen könnte.

Digitale Shops schließen, Spiele verschwinden und Studios werden aufgelöst. Selbst bei erfolgreichen Produktionen geraten die Namen vieler Beteiligter schnell in Vergessenheit. MobyGames wirkt diesem Verlust entgegen und sorgt dafür, dass die Geschichte der Videospiele nicht nur aus den bekanntesten Titeln und prominentesten Entwicklern besteht.

Rückkehr in die düsteren Straßen von Fabletown

Zum Abschluss seines gamescom-Tages sprach Thorsten mit Matt Saia, Vice President of Creative Development bei Telltale, über The Wolf Among Us Remastered. Seit rund zwei Jahren wird die Neuauflage des ursprünglich 2013 erschienenen Adventures überarbeitet.

Das Spiel basiert auf der Comicreihe Fables und versetzt uns in eine geheime Gemeinschaft von Märchenfiguren mitten in New York. Im Mittelpunkt steht Bigby Wolf, der ehemalige böse Wolf, der inzwischen als Sheriff von Fabletown für Ordnung sorgen soll. Natürlich funktioniert das ungefähr so gut, wie man es bei einem Viertel voller Märchenfiguren mit reichlich persönlichen Problemen erwarten würde.

Rund 30 Personen arbeiten an der überarbeiteten Fassung, wobei ein großer Teil des Teams aus Artists besteht. Entsprechend liegt ein Schwerpunkt auf der visuellen Modernisierung der düsteren Spielwelt. Die markante Comicästhetik soll erhalten bleiben, gleichzeitig aber deutlich überarbeitet und an heutige technische Möglichkeiten angepasst werden.

Die Neuauflage beschränkt sich jedoch nicht auf eine höhere Auflösung und schönere Texturen. Zwei neue Charaktere werden in das Spiel integriert und bringen zusätzliche Dialoge mit. Darüber hinaus entsteht weiterer neuer Inhalt, der die bekannte Geschichte ergänzt.

Besonders interessant ist eine Änderung für Spieler, die verschiedene Entscheidungen ausprobieren möchten. In der ursprünglichen Fassung konnten bestimmte Szenen durch zuvor getroffene Entscheidungen verschlossen bleiben. Das Remaster soll es ermöglichen, auch solche Abschnitte zu spielen, ohne dafür zwingend noch einmal den kompletten bisherigen Verlauf wiederholen zu müssen.

Damit können Fans leichter erkunden, welche Folgen andere Entscheidungen gehabt hätten. Gerade bei einem Telltale-Spiel, dessen Handlung stark von Dialogen und Entscheidungen geprägt wird, ist das eine sinnvolle Ergänzung.

Fabletown in Schwarz-Weiß

Als besonderes Extra enthält The Wolf Among Us Remastered einen Schwarz-Weiß-Modus. Dieser verstärkt den ohnehin vorhandenen Noir-Charakter des Adventures und lässt Fabletown noch stärker wie einen klassischen Kriminalfilm wirken.

Das ist mehr als eine kleine grafische Spielerei. Die Geschichte rund um Bigby Wolf lebt von dunklen Gassen, zwielichtigen Gestalten und der bedrückenden Atmosphäre eines Detektivromans. Der Verzicht auf Farbe dürfte diesen Stil auf eine ganz eigene Weise hervorheben.

The Wolf Among Us Remastered soll am 29. Oktober 2026 erscheinen. Für Kenner bietet die Neuauflage eine Gelegenheit, Fabletown mit zusätzlichen Inhalten und neuen Möglichkeiten erneut zu besuchen. Neue Spieler können hingegen einen der bekanntesten Telltale-Titel erstmals in einer modernisierten Fassung erleben.

So endete Thorstens Rundgang mit drei völlig unterschiedlichen Blicken auf die Spielebranche: Ocean Drive Studio baut an der Zukunft eines ambitionierten Survival-Spiels, MobyGames bewahrt die Vergangenheit des Mediums und Telltale holt einen modernen Klassiker zurück in die Gegenwart. Mehr gamescom an einem Tag geht eigentlich kaum.

-ts


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