Detektiv conan - the movie - film 29: Der gefallene Engel des Highways


Mit Vollgas auf Verbrecherjagd

Zwischen den gamescom-Berichten, neuesten Reviews und Dankeschön E-Mails an Developer und PR-Firmen für die tolle gamescom, hatte Thorsten tatsächlich noch ein wenig Zeit gefunden, sich den neuesten Detektiv Conan-Film anzuschauen.

Nach inzwischen fast drei Jahrzehnten Anime-Serie und 29 Kinofilmen könnte man meinen, Conan Edogawa hätte langsam jede denkbare Variante eines Mordfalls erlebt. Doch „Detektiv Conan Film 29: Der gefallene Engel des Highways“ beweist, dass sich aus dem kleinen Detektiv noch immer erstaunlich viel herausholen lässt. Diesmal braucht Conan allerdings besonders festes Schuhwerk – denn um mit den Motorrädern dieses Films mitzuhalten, reicht selbst sein Turbo-Skateboard kaum aus.

Dabei beginnt alles mit einem eigentlich recht harmlosen Ausflug. Conan und seine Freunde sind auf dem Weg zu einem Motorrad-Festival in Kanagawa, als ein schwarzes Motorrad auftaucht und mit halsbrecherischer Geschwindigkeit über die Straße rast. Dicht dahinter befindet sich Verkehrspolizistin Chihaya Hagiwara, die nicht umsonst den Spitznamen „Göttin des Windes“ trägt.

Die Verfolgungsjagd endet jedoch zugunsten des mysteriösen Fahrers. Wenig später lernen Conan und seine Begleiter auf dem Festival „Angel“ kennen, ein hochmodernes Polizeimotorrad. Dumm nur, dass das schwarze Gegenstück verdächtig ähnliche Eigenschaften besitzt. Die Polizei tauft die Maschine folgerichtig „Luzifer“ – und schon steckt Conan mitten in einem Fall, der sehr viel größer ist als ein einzelner Verkehrsrowdy.

Conan gibt Gas

„Der gefallene Engel des Highways“ macht bereits in seinen ersten Minuten klar, wohin die Reise geht: Dieser Conan-Film hat richtig Lust auf Geschwindigkeit.

Die Motorradsequenzen sind hervorragend inszeniert und vermitteln ein schönes Gefühl für Tempo. Kameraperspektiven wechseln schnell, die Maschinen rasen durch den Verkehr und manches Manöver bewegt sich erwartungsgemäß eher im Bereich Anime-Physik als Straßenverkehrsordnung. Aber genau das macht Spaß. Ein Conan-Kinofilm darf schließlich ruhig etwas größer und spektakulärer auftreten als eine reguläre Episode.

Trotzdem wird daraus kein reiner Actionfilm. Zwischen den Verfolgungsjagden darf Conan kombinieren, Hinweise sammeln und Zusammenhänge herstellen. Gerade diese Mischung funktioniert für mich sehr gut. Der Film hält sein Tempo hoch, ohne dabei das eigentliche Markenzeichen der Reihe zu vergessen: Hinter dem Spektakel steckt ein Rätsel, dessen einzelne Bestandteile sich erst nach und nach zusammensetzen.

Besonders angenehm ist dabei, dass die Handlung nicht ständig versucht, mit immer neuen Wendungen noch einen draufzusetzen. Es gibt genügend Fragen, falsche Fährten und Verdächtige, um miträtseln zu können, ohne dass man irgendwann eine Excel-Tabelle für sämtliche Motive und Alibis benötigt.

Die Göttin des Windes

Fast noch wichtiger als Conan selbst ist diesmal Chihaya Hagiwara. Und das tut dem Film ausgesprochen gut.

Die Verkehrspolizistin ist nicht nur eine verdammt gute Motorradfahrerin, sondern bekommt durch die Erinnerungen an ihren verstorbenen Bruder Kenji Hagiwara und dessen Kollegen Jinpei Matsuda auch eine emotionale Ebene. Dadurch hat die Geschichte neben all dem Benzin, quietschenden Reifen und technischen Spielereien einen überraschend persönlichen Kern.

Gerade diese ruhigeren Momente bilden einen gelungenen Gegenpol zu den Actionsequenzen. Der Film nimmt sich genug Zeit, Chihaya nicht nur als coole Polizistin auf einem Motorrad zu präsentieren. Ihre Vergangenheit beeinflusst ihre Entscheidungen und macht den Fall für sie zu mehr als einem gewöhnlichen Polizeieinsatz.

Das gefällt mir besonders, weil die Conan-Filme immer dann am stärksten sind, wenn nicht ausschließlich der titelgebende Meisterdetektiv im Mittelpunkt steht. Das inzwischen riesige Figurenensemble bietet genügend interessante Charaktere, um einzelnen von ihnen die große Bühne zu überlassen. Chihaya nutzt diese Gelegenheit hervorragend.

Ein bisschen Wahnsinn gehört dazu

Natürlich bleibt „Der gefallene Engel des Highways“ ein Detektiv-Conan-Kinofilm. Wer bei manchen Actionsequenzen beginnt, Geschwindigkeiten, Fliehkräfte oder Überlebenswahrscheinlichkeiten auszurechnen, hat vermutlich irgendwann weniger Spaß als der Rest des Kinosaals.

Aber mal ehrlich: Wir reden hier über einen Oberschüler, der seit 30 Jahren im Körper eines Grundschülers steckt und Verbrecher unter anderem mit einem Fußball ausschaltet ... Captain Tsubasa wäre stolz.

Also bitte einmal zum mitschreiben: Realismus war nie die wichtigste Zutat dieses Rezepts.

Viel wichtiger ist, ob der Film innerhalb seiner eigenen Welt funktioniert – und das tut er. Gerade im letzten Drittel zieht die Inszenierung noch einmal kräftig an und verbindet die verschiedenen Handlungsstränge zu einem entsprechend spektakulären Finale. Dass dabei ordentlich auf die Tube gedrückt wird, passt hervorragend zum Motorradthema.

Optisch kann sich das ebenfalls sehen lassen. Vor allem die schnellen Sequenzen wirken dynamisch und abwechslungsreich, während die vertrauten Charakterdesigns dafür sorgen, dass sich der Film jederzeit unverkennbar nach Conan anfühlt.

Auch auf Deutsch eine gute Figur

Ich habe den Film mit deutscher Synchronisation gesehen und hatte damit keinerlei Probleme. Im Gegenteil: Gerade bei einem Film, der während seiner Actionsequenzen visuell einiges auffährt, ist es durchaus angenehm, den Blick nicht regelmäßig zu den Untertiteln wandern lassen zu müssen.

Die deutsche Fassung transportiert sowohl die humorvollen Momente als auch die ernsteren Passagen überzeugend. Wer Conan ohnehin seit Jahren auf Deutsch verfolgt, kann daher bedenkenlos zur synchronisierten Version greifen.

Muss man 1.000 Folgen Conan gesehen haben?

Nein – aber ein bisschen Vorwissen schadet definitiv nicht.

Die grundlegende Geschichte von Conan ist schnell erklärt und auch der eigentliche Fall funktioniert für sich allein. Gleichzeitig lebt der Film an einigen Stellen von Beziehungen und Ereignissen aus der umfangreichen Conan-Welt. Langjährige Fans werden deshalb aus manchen Szenen deutlich mehr herausholen als komplette Neueinsteiger.

Das ist nach 29 Filmen allerdings kaum ein Vorwurf. Im Gegenteil: Ich finde es schön, dass die Reihe ihre eigene Vergangenheit ernst nimmt und Nebenfiguren nicht einfach vergisst, sobald ihr ursprünglicher Auftritt vorbei ist.

Thorstens Fazit

„Detektiv Conan Film 29: Der gefallene Engel des Highways“ hat mir richtig gut gefallen. Der Film verbindet einen interessanten Fall mit überraschend viel und vor allem gut inszenierter Action. Das Motorradthema bringt frischen Wind in die bekannte Formel und Chihaya Hagiwara erweist sich als hervorragende zentrale Figur.

Besonders die Mischung stimmt: Conan darf ermitteln und kombinieren, Fans bekommen bekannte Gesichter und Verbindungen zur Vergangenheit serviert, gleichzeitig sorgen Angel und Luzifer dafür, dass es regelmäßig mit Vollgas über den Asphalt geht.

Natürlich dreht der Film zum Finale hin den Anime-Regler wieder ein gutes Stück über die Realität hinaus. Doch genau dafür lieben wir Conan doch auch ein bisschen, oder? Wenn ein kleiner Detektiv Verbrecher jagt, darf die Physik ruhig gelegentlich Feierabend machen.

Ein temporeicher, unterhaltsamer und überraschend emotionaler 29. Kinoeinsatz für Conan – und für Fans der Reihe eine klare Empfehlung.

SUPER

Transparenzhinweis

Crunchyroll hat uns für diese Review vorab einen kostenlosen Screener von „Detektiv Conan Film 29: Der gefallene Engel des Highways“ zur Verfügung gestellt. Eine Verpflichtung zur Berichterstattung oder Einflussnahme auf Inhalt und Wertung des Artikels bestand nicht.

-ts


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