Der Super Mario Galaxy Film
Der Mario-Film spaltet die Gemüter – aber nicht die Redaktion. Lest hier unsere gesammelten Eindrücke
It’s a meeee, Kinofilm! Super Mario ist zum zweiten – okay, dritten Mal im Kino und spaltet wieder mal die Gemüter. Fans lieben den Film, Kritiker hassen ihn. Natürlich hat sich auch die “Video Games”-Crew ins farbige Getümmel gestürzt.
Dreamworks und Nintendo haben sich hier erneut zusammengetan, um den kleinen, klopsigen Klempner in ein digital animiertes Abenteuer zu schicken. Diesmal trifft er Prinzessin Rosalina aus “Super Mario Galaxy” und fliegt in den Weltraum, um sie vor Baby Bowsers Superfestung zu retten. Heimlicher Star ist Yoshi, der Sammler auf die panische Jagd nach seinem limitierten Popcorn-Eimer schickt.
Martin meint dazu: Als klassischer Film versagt “Galaxy” total, da muss ich den Kritikern Recht geben. Charakterentwicklung, klassische Heldenreise, “Save the Kitten”, der Film pfeift auf all diese traditionellen Zutaten und für die Story schämt sich jeder Bierdeckel.
Begeistert bin ich dennoch, denn der Film schafft etwas ganz anderes: nämlich das Gefühl Videospiel auf die große Leinwand zu transportieren. Ob Prinzessin Peach an Wänden und Decken läuft oder Fox McCloud ins Lasergefecht aufbricht, der Film bietet pures Synapsenfeuer und kreative Ideen im Sekundentakt, herrlich! Dabei wird viel mit Kinetik und Bewegung gearbeitet, wobei das Geschehen jederzeit nachvollziehbar bleibt – zumindest für Telespieler. Ich habe den Farbenrausch einfach nur genossen. Die Szenen, in denen der Film doch mal wieder Film sein wollte und Bowser seine Vater-Sohn-Beziehung tiefenpsychologisch auszubauen versuchte, haben mich sogar gestört und aus dem Flow gerissen.
Dabei mochte ich den Vorgänger nicht besonders und ich weiß jetzt auch warum. Hier spielt noch viel zu viel in der echten Welt. Das Finale gegen Bowser findet sogar in Brooklyn statt – niemand will Brooklyn sehen! Dennoch war der erste Film nötig, um Marios Videospielwelt zu etablieren und den Transfer glaubhaft zu machen, gerade für den einen Zuschauer, der Super Mario noch nicht kannte. Ergebnis war leider ein halbgares Welten-Mischmasch, das sich nicht zwischen Brooklyn und Pilzkönigreich entscheiden konnte. Dank dieser Vorarbeit kann “Galaxy” nun aber komplett eskalieren und mir das volle Spektakel liefern.
-mn
Dustin denkt: “Der Super Mario Galaxy Film“ ist ein interessantes Phänomen: Ich stimme Martin vollkommen zu, dass er als klassische Fortsetzung deutliche Schwächen aufweist und als Film an sich nicht viel Neues oder Innovatives bietet – aber trotzdem schafft er es, als Liebesbrief an die Mario-Reihe zu überzeugen und nach dem Abspann dieses Gefühl von Fröhlichkeit und einer lohnenden Erfahrung in mir zu wecken.
Die Handlung und die Motive der Charaktere sind wirklich sehr simpel gehalten, sodass man sich stellenweise fragt, ob man irgendeinen wichtigen Schlüsselpunkt in der Story übersehen hat. Aber trotzdem entsteht keine Langeweile oder Leere: Der Film schafft es, mit lebendigen Performances, einer guten Prise Humor und teilweise sehr schrulligen Dialogen gute Laune zu verbreiten und einen aufzusaugen.
Auch auf ästhetischer Ebene überzeugt der Film vollkommen: Die bunte Welt zieht einen rein, und man fühlt sich – gerade auch wegen der vielen Insider-Gags (mein persönlicher Liebling: der kleine Dig gegen Slippy Toad) – als Zuschauer direkt wie zu Hause. Und seien wir mal ehrlich: Welche Videospiel-Adaption für die große Leinwand kann das wirklich von sich behaupten?
Am Ende muss man sich fragen: Was erwartet man von einem Film, der auf einer Franchise basiert, die seit über 40 Jahren – bis auf einige Ausnahmen – fast immer denselben Storybeat benutzt? Wäre es hier nicht sogar unauthentisch, auf Teufel komm raus eine bahnbrechende Geschichte aus dem Narrativ herauszukitzeln, nur weil Super Mario es erfolgreich auf das Medium Film geschafft hat? Wenn wir mal weiterdenken, ist doch genau dieser Ansatz das Problem, das wir bei so vielen Videospiel-Adaptionen haben: Diese Arroganz zu glauben, dass das Source-Material für das Medium Film allein nicht ausreichen würde.
Ich sage deutlich: Nein! Da schaue ich mir lieber einen schönen “Feel-Good-Movie“ mit Nostalgie an, der mich in eine Welt entführt, in der man einfach nur Spaß hat, diese einfachen, aber liebevollen Charaktere anzufeuern. Ach, und dieser Film hat endlich Yoshi eingeführt. Schon allein das macht ihn zu einem Kandidaten für Movie of the Year. Yoshi is love! Yoshi is life!
-dh
Thorstens Input: Für mich als bekennenden Kino-Muffel lag der letzte Besuch schon eine ganze Weile zurück – ich meine, es war “Star Wars” oder “Stolz und Vorurteil plus Zombies”. So genau weiß ich das gar nicht mehr. Fest steht: Es ist lange her.
Jetzt allerdings, als Vater eines sechsjährigen Kindes, kam ich um das Thema nicht mehr herum. Also haben wir es uns einfach gemacht, die Tickets (und Essen und Getränke) online bestellt und sind gemeinsam ins Kino gegangen. Wir sind über Popcornreste gestiegen, haben auf leicht klebrigen Sitzen Platz genommen, uns für gefühlt ein kleines Vermögen mit Snacks eingedeckt – und hatten am Ende trotzdem zwei Stunden lang einfach nur Spaß.
“Super Mario Galaxy” ist kein Film für die ganze Familie, aber für Kids und Leute, die sich damit auskennen, ein Freudenfest. 4 Pilze von 5 ;)
-ts
Daniel direkt: Wer schon mit dem ersten Super Mario Bros. von Illumination – inkl. seiner inhaltlichen Schwächen – kein Problem hatte, wird wohl auch an der Fortsetzung Super Mario Galaxy seinen Gefallen finden.
Der Film macht über seine gesamte Länge durchaus Laune, beinhaltet viele Referenzen, klingt gut und ist – vor allem in 3D – wunderschön anzusehen. Alles Teil eines gesamten Rezepts guter, wunderbarer und familiengerechter Unterhaltung – so wie wir es immer von unserem Lieblingsklempner gewohnt sind.
Das Einzige, das ich zu bekritteln habe, ist, dass Bowser als geläuterter Antagonist die zweite Geige hinter seinem Sohn spielt. Ich habe den Film auf Deutsch gesehen, kann mir aber durchaus vorstellen – wenn ich ihn nach dem Blu-Ray-Release auf Englisch schauen werde –, dass das Potential von Jack Blacks Charisma als Synchronsprecher von Bowser dieses Mal nicht annähernd ausgereizt wird wie im ersten Teil.
Ich bin schon jetzt gespannt, wie ein möglicher Nachfolger mich vor allem optisch wieder aus den Socken hauen wird.
-dz
Diegos Fazit: Family Action on the go! Ich war mit meiner neun Jährigen Tochter im neuen “Mario Movie”, da wir auch den ersten bereits gemeinsam im Kino gesehen haben. Ich war gespannt, wie er im Vergleich zum ersten abschneidet, da er mir sehr gut gefallen hat.
Prinzipiell macht er auch genau da weiter, wo der erste aufgehört hat und das mit Vollgas. Unzählige Anspielungen und Hommagen ballern im Sekunden-Takt auf euch ein. Was auch einer meiner wenigen Kritikpunkte wären, dass der Film stellenweise zu hektisch ist. Aber sonst wurden wir gut unterhalten. Besonders gefallen hat mir die Mischung aus “Mario Sunshine” und “Mario Galaxy”, was die Narrative angeht. Sowie die audiovisuelle Abstimmung, ist schon Wahnsinn, wie hoch der Detailgrad mittlerweile bei solchen Animationsfilmen ist.
Ähnlich wie Thorsten, schaue ich mittlerweile lieber auf dem heimischen TV statt im Kino, hab es trotzdem sehr genossen, ansonsten empfinde ich es ähnlich wie Dustin, ein schöner “Feel-Good-Movie”, den man sich immer mal wieder gönnen kann.
Meine Tochter hat mich nach dem Film gefragt, welchen Teil ich denn besser fände, um ehrlich zu sein, kann ich das immer noch nicht beantworten. Der erste fährt mehr die Nostalgie-Schiene, während der zweite mehr Action bietet. Ihre Highlights waren Peachs Geburtstags-Party und Yoshis Auftritt (wer kann dem schon widerstehen).
Ich freue mich auf den Blu-Ray-Release und den dann mal mit der ganzen Familie anzuschauen. Here we goooo.
-db
Alle Bilder von "Der Super Mario Galaxy Film" sind © Nintendo, Illumination, Universal Pictures
