Connichi 2026: Wo Nerds nach Hause kommen
Cosplay, Anime, Manga, Rollenspiele und jede Menge gute Laune: Die Connichi verwandelte Wiesbaden für drei Tage wieder in einen Treffpunkt für Fans japanischer Popkultur und weit darüber hinaus. Rund 39.000 Besucher und Ausstellende sorgten für volle Hallen und Wege – und für eine Atmosphäre, die selbst erfahrene Convention-Gänger ins Schwärmen brachte.
Manchmal braucht es nur wenige Schritte auf einem Convention-Gelände, um zu wissen, dass man hier richtig ist. Auf der Connichi 2026 waren es für Redakteur Thorsten vielleicht noch ein paar weniger. Schon rund um das Wiesbadener Veranstaltungsgelände bestimmten aufwendig kostümierte Besucher das Bild. Das hervorragende Wetter spielte vor allem den zahlreichen Cosplayern in die Karten, die ihre Kostüme draußen ebenso präsentieren konnten wie in den Hallen.
Drinnen wurde es dafür stellenweise ziemlich kuschelig. Zwischen Händlerständen, Künstlern, Verlagen und zahlreichen Angeboten rund um Anime, Manga, Games und Rollenspiele schoben sich die Besucher durch teilweise enge Gänge. Patricia Kahle, Geschäftsführerin des Requisitenherstellers Naruvien, fasste das Treiben treffend zusammen: „Es ist ein kunterbuntes, offenes Gewusel mit toller, fröhlicher Energie.“ Gleichzeitig erlebte sie viele interessierte und geduldige Kunden – Geduld, die angesichts der gut gefüllten Gänge durchaus hilfreich war.
Nerdtum verbindet
Wie gut unterschiedliche Bereiche der Szene inzwischen miteinander harmonieren, zeigte sich auch beim Stand von Ulisses Spiele. Geschäftsführer Markus Plötz war nach Wiesbaden gekommen, um möglichst vielen Menschen zu zeigen, dass „Rollenspiel das geilste Hobby der Welt ist“ – wobei er Cosplay, Manga und Anime gleichberechtigt danebenstellte.
„Das ist einfach alles Nerdtum“, brachte Plötz die Verbindung der verschiedenen Fangemeinden auf den Punkt.
Noch mehr als das Angebot beeindruckte ihn allerdings die Atmosphäre der Connichi. Obwohl Plötz nach eigener Aussage bereits sehr viele Conventions erlebt hat, zählt er die Veranstaltung zu den besten überhaupt. Besonders das Gefühl „von Fans für Fans“ und die Positivität seien außergewöhnlich.
Sein vielleicht schönstes Bild für die Connichi: „Die Leute kommen hier rein, durch die Tür, und du hast das Gefühl, sie sind gerade nach Hause gekommen.“
Besser lässt sich die Stimmung tatsächlich kaum beschreiben.
Blu-ray statt Streaming
Dass auf einer modernen Anime-Convention nicht alles digital sein muss, zeigte Hardball Films. Das Unternehmen hat sich unter anderem darauf spezialisiert, Anime-Klassiker neu auf Blu-ray zu veröffentlichen. Christian von Hardball Films glaubt trotz Streaming und einer jüngeren Generation, die selbstverständlich mit digitalen Medien aufwächst, weiterhin an physische Veröffentlichungen.
Als Vergleich zieht er ausgerechnet die Schallplatte heran, die nach Jahren des vermeintlichen Niedergangs wieder zahlreiche Liebhaber gefunden hat. „Ich glaube, die Leute wollen noch was Haptisches in der Hand haben“, erklärte er. DVDs dürften seiner Einschätzung nach zunehmend verschwinden, bei Blu-rays sieht er dagegen auch längerfristig einen Markt.
Auf der Connichi war Hardball Films mit seinem Angebot jedenfalls auffällig präsent. Dass physische Medien inzwischen fast schon selbst einen Hauch Retro-Charme besitzen, dürfte bei einer Veranstaltung, auf der Leidenschaft und Sammeln eng zusammengehören, kaum ein Nachteil sein.
Drei Tage gute Stimmung
Auch das klassische Pen-&-Paper-Rollenspiel gehörte zum Programm. Der DreieichCon war gemeinsam mit der Dragon Legion vertreten und bot Besuchern die Gelegenheit, selbst am Spieltisch Platz zu nehmen. Christian de Ahna vom DreieichCon zog nach drei Tagen ein entsprechend positives Fazit: „Super Wetter, super Stimmung, tolle Convention, hat viel Spaß gemacht.“
Damit bringt er ziemlich genau auf den Punkt, was auch nach unserem Besuch hängen bleibt. Die Connichi ist längst mehr als eine reine Anime- und Manga-Veranstaltung. Cosplay trifft hier auf Rollenspiel, Künstler auf Händler, Sammler physischer Medien auf Streaming-Generation – und irgendwie funktioniert dieses bunte Durcheinander erstaunlich gut.
Auch Alea Brockhaus ist wieder mit einem Vortrag dabei. Letztes Jahr ging es noch um die Entstehung Japans, für 2026 hatte sie sich die „Liebe der Yokai“ herausgesucht. Voll sind ihre Vorträge dabei immer.
Natürlich machen sich rund 39.000 Besucher und Ausstellende bemerkbar. Es wird voll, die Wege werden eng und gelegentlich braucht man ein wenig Geduld, um überhaupt von A nach B zu gelangen. Doch selbst das konnte die auffallend freundliche und entspannte Stimmung kaum beeinträchtigen.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke der Connichi: Hier treffen nicht einfach unterschiedliche Hobbys aufeinander, sondern Menschen, die ziemlich genau verstehen, warum jemand für eine Figur, eine Geschichte, ein Spiel oder ein Kostüm brennen kann.
Oder, um noch einmal Markus Plötz zu bemühen: Man kommt durch die Tür – und hat ein bisschen das Gefühl, nach Hause gekommen zu sein.
-ts
