"Der Hund, wie ist sein Name?"
Terminator 2D: No Fate
Hasta la Vista, Freizeit!
Oder soll ich lieber schreiben, Hasta la Vista, Fr. Schierle? Denn das war der Ausruf, den ich zusammen mit einem ehemaligen Schulfreund an einem verregneten Donnerstag im Jahr 1991 ausstieß und anstatt des Wegs zum Nachmittagsunterricht bei Fr. Schierle zum Kino antrat.
Denn es war DER Tag, auf den wir damaligen Teens dank MTV, Guns 'n Roses und spärlichen Zeitschrifteninfos schon wochenlang vorbereitet wurden:
"Terminator 2: Der Tag der Abrechnung" kam in die Kinos.
Der Film hat unsere sechzehnjährigen Ichs natürlich ordentlich weggeblasen und das Erlebnis war selbst das Nachsitzen bei Fr. Schierle eine Woche später wert.
Nun war es natürlich an der Zeit, wie viele Kinohits damals auf Heimcomputer und / oder Konsole nachzuspielen und da kam dann die große Ernüchterung: Bis auf die Arcade-Portierung des Baller-Automaten "T2: Judgement Day" waren sämtliche Spieleumsetzungen eine herbe Enttäuschung.
Wir schreiben das Jahr 2026.
Neben einem längst totgeglaubten Spielemagazin kommt auch der 2D-Terminator zurück und hat, wie die Redaktion der Video Games, nur eine Mission:
Die Menschheit zu retten!
Ok..naja…minimal übertrieben. Schon ok. Die Mission des neuen Terminator-Spiels liegt eher darin, dem Kultfilm und nachweislich besten Actionfilm aller Zeiten die Spieleumsetzung zu bescheren, die er auch wirklich verdient hat.
Mike Tucker und seine Mannen bei Bitmap Bureau schienen genau ähnlich zu denken wie damals ein Groß der Spielerschaft und schneiderten dem Film nun Jahrzehnte später eine Spielumsetzung auf das virtuelle hyperlegierte Kampfchassis, die hält, was der uns einst Film versprochen hat.
Das Spiel folgt dabei dem Film und ergänzt diesen sogar um neue Szenen. So darf man nach dem ersten Level in der radioaktiven Kriegszone von LA dann mit Mama Connor erst mal der Sohnemann und zukünftiger Freiheitskämpfer John vor garstigen Bikern gerettet werden.
Dann geht’s aber zügig laut Film weiter und während Sarah Connor den Biker-Klamauk auf Schusswaffen-Niveau eskalieren lässt, prügelt sich der nackte Pixel-Arnie mit seinen Fäusten in einer Kneipe, nur um letztendlich "einem Mann seinen Ofen wegzunehmen".
Das Spielprinzip der Filmumsetzung dürfte am ehesten Richtung Run´n Gun eingestuft werden und somit präsentiert sich der Action-Titel als klassischer Sidescroller. Ihr rennt nach rechts, schießt auf alles was glühende Augen hat, und springt über Dinge, die Euch töten wollen. Dank schnellem Ablaufs samt Springen und Schießen sowie dem diagonalem Gunplay könnte man fast meinen man sitzt wirklich in den 90ern und Konami hat wieder einen Hit auf Modul herausgebracht.
Abwechslung? Ja, die gibt’s! Mal ballert Ihr Euch durch das Pescadero Hospital, mal liefert Ihr Euch mit dem T-1000 eine LKW-Verfolgungsjagd im Kanal.
Obligatorische Waffen Pick Ups dürfen natürlich nicht fehlen und gerade das Plasmagewehr ist in den Endzeit-Levels ein adäquater Ballerman gegen die Maschinen.
Neben dem ebenso klassischen wi spaßigen Gameplay ist natürlich die Grafik mit ihrer 16-Bit-Pixelart Ästhetik ein Highlight.
Hier konnte unter anderem Pixelzauberer Henk Nieborg gewonnen werden, der mit seiner filigranen Pixelkunst das Spiel bereichert. "No Fate" sieht tatsächlich so aus, als hätte jemand ein Super-Nintendo-Modul in einen Quantencomputer gesteckt. Die Pixel sind so dick, dass man sie fast einzeln zählen kann, aber verdammt – es sieht gut aus! Sarah Connor wirkt so grimmig, wie man nur wirken kann, wenn das eigene Gesicht aus 20 Quadraten besteht. Wer Nostalgie-2D Pixelporn mag, wird hier feuchte Augen bekommen.
Auch die akustische Untermalung fügt sich passend mit brachialem Schussgeräuschen und den ikonischen Musikfetzen (Da-Da-Da-Dadamm, Da-Da-Da-Dadamm!) in das Spiel mit ein.
Dennoch ist nicht alles Chrom was glänzt und ein paar Animationen hätten doch noch gerne einer Überarbeitung benötigt. Gerade Sarah Connors Sprite schlurft im Gegensatz zu den anderen Helden und dem T-1000 dann doch recht steif durch den Action-Knaller.
Ein weiterer Kratzer im T-800-Lack ist der Schwierigkeitsgrad. Selbst ungeübte Joypad-Schnullies und Controller-Weichberts, die sich eben noch durch Barbies Reiterhof geflucht haben, dürften das Spiel bei der ersten Anspielsession beenden und sich fühlen wie der T-1000 auf einer Pazifisten-Kundgebung. Wenn Ihr also nicht gerade zwei linke Daumen habt, seht Ihr den Abspann schneller als Sarah Connor "Skynet“ sagen kann.
Bitmap Bureau versucht mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden (von "Easy Money“ bis "Judgment Day“) und alternativen Enden die kurze Spieldauer zu kaschieren. Aber seien wir ehrlich: Wer das Spiel dreimal durchspielt, nur um ein deprimierendes Ende zu sehen, hat entweder viel zu viel Zeit oder eine sehr spezielle Vorliebe für Schmerzen.
Klar, es gibt mehrere Schwierigkeitsgrade und freischaltbaren Kram aber ein bisschen mehr Muskeln auf dem Endoskelett hätten dem Spiel ganz gutgetan.
-mw
Terminator 2D: No Fate ist wie eine Tasse Espresso: Kurz, stark und haut rein. Es ist ein Liebesbrief an die 90er, der zwar schnell verraucht, aber währenddessen verdammt viel Spaß macht. Für mich hat Bitmap Bureau die Ehre der Spielumsetzungen wieder hergestellt und wenn auch sehr spät einem fulminanten Film eine passende Spieleumsetzung spendiert. Die kurze Spielzeit nagt an der sonst meist tadellosen Präsentation und dem Gameplay und somit schlagen vor allem ausgehungerte Widerstandskämpfer zum Vollpreis zu. Alle anderen warten auf den Sale und ballern das Ding an einem verregneten Sonntagmittag durch.
-mw
Genre: Action
Developer: Bitmap Bureau
Publisher: Reef Entertainment
Schwierigkeitsgrad: Leicht
UPE: 29,99 €
Spielzeit: Ca. 60 Minuten
USK: 16
Muster von: Bitmap Bureau
Grafik:
Spaß:
