Shogun statt Shotgun

Shadow Tactics: Blades of the Shogun & Aiko´s Choise DLC

Strategie-Spiele, ein Genre, mit dem ich wohl vertraut bin und doch habe ich solvh eines noch nie wirklich gezockt. In meiner Laufbahn habe ich mir etliche rundenbasierte Strategie Marke “Final Fantasy Tactics” oder “Arc the Lad” (wer das noch kennt) zu Gemüte geführt, aber auch aus dem Echtzeit-Strategie-Segment war einiges dabei, besonders “Command & Conquer” hatte es mir seinerzeit angetan. Nun haben wir hier “Shadow Tactics”, welches im Grunde auch Echtzeit ist, aber den Fokus auf einzelne spezialisierte Charaktere legt. Dieses Prinzip kenne ich nur aus der bekannten “Commandos”-Serie, woher offensichtlich auch die Inspiration stammt. Auch wenn das Hauptspiel beinahe zehn Jahre auf dem Buckel hat, so hatte ich noch keine Gelegenheit, es mir mal näher anzuschauen. Doch das sollte sich nun, mit der Switch 2-Version samt der eigenständigen Story-Erweiterung “Aiko´s Choice" ändern.

Das Setting trifft schon mal ins Schwarze: Für das feudale Japan in der frühen Edo-Zeit bin ich immer zu haben. Ihr seid im Auftrag des Shoguns unterwegs, um einen mysteriösen Kriegsherrn namens Kage-Sama aufzuspüren und zur Strecke zu bringen. In seinem Dienst steht hauptsächlich der Samurai Mugen, der im weiteren Spielverlauf noch vier weitere Mitstreiter um sich schart. Da hätten wir den Ninja Hayato, einen guten Allrounder, der mit seinem Wurfstern auch auf Distanz, lautlos Gegner ausschalten kann. Kurze Zeit später gesellt sich Yuki dazu, eine junge Diebin, die nützliche Fallen legen und Feinde mit ihrer Flöte anlocken kann. Als nächstes wird der totgeglaubte Takuma befreit. Der Scharfschütze in der Gruppe hat einen abgerichteten Waschbär namens Tanuki, mit dem er Feinde ablenken kann. Zu guter Letzt gibt sich Aiko die Ehre, eine Kunoichi (weibliche Ninja) und Meisterin der Verkleidung. Mugen selbst ist eher wuchtiger Natur und kann mit seiner Spezialattacke mehrere Feinde gleichzeitig ausschalten.

Zu Beginn eines jeden Levels bekommt ihr eine kurze Einleitung und ein paar Konversationen, damit ihr auf dem aktuellen Stand der Dinge seid. Dann geht's auch schon los. Das Ganze läuft meist folgendermaßen ab: Ihr schaut euch die Map an und plant grob, wie ihr vorgehen möchtet. Dann huscht ihr von Deckung zu Deckung und versucht die gegnerischen Truppen mit euren limitierten Möglichkeiten möglichst lautlos zu beseitigen und ihre Leichen zu verstecken, damit diese nicht entdeckt werden. Anfangs noch mit zwei Charakteren unterwegs, lernt ihr deren Skills und die Umgebung kennen. Ah, im hohen Gras kann man sich verstecken, die Feinde haben Sichtfelder und wenn ich entdeckt werde, tauchen alarmierte Soldaten auf wie Ameisen — soweit, so “Metal Gear“. Der große Spaß entfaltet sich mit den mitgeführten Gadgets: Lockt ihr den Feind in eine Falle, oder wartet ihr, bis er am Gebüsch vorbeiläuft und schnappt ihn euch dann? Einen besonderen taktischen Twist bringt der Schattenmodus mit sich: Hier könnt ihr die Züge mehrerer eurer Charaktere gleichzeitig planen und diese dann im richtigen Moment auf Knopfdruck starten. Mit dem richtigen Timing löst ihr ein faszinierendes Team-Manöver aus, ohne Aufsehen zu erregen. Die Missionen können in drei Schwierigkeitsstufen angegangen werden, was sich hauptsächlich auf die Aufmerksamkeit der Feinde und eure Lebenspunkte auswirkt.

Optisch präsentiert sich „Shadow Tactics“ aus der isometrischen Sicht. Die Kamera lässt sich aber auch komplett drehen und auch ein Stück weit rein- und rauszoomen. Dadurch behaltet ihr immer einen guten Überblick und erspäht auch mal versteckte Wege. Der Artstyle orientiert sich an klassischen asiatischen Malereien, samt Tusche-Effekten bei speziellen Manövern. Die Missionen finden in unterschiedlichen Umgebungen statt. Vom kleinen Dorf über Bergfestungen bis hin zur großen Schlossanlage des Shoguns, wird einiges an Abwechslung geboten. Mit zunehmendem Spielfortschritt werden auch die Gebiete zunehmend größer, was mit mehr Möglichkeiten zum Meucheln einhergeht.

Die musikalische Gestaltung unterstreicht das Geschehen hervorragend. Statt typischer Fahrstuhlmusik-Loops gibt es hier, passend zum Setting, schöne japanische Akustik in ruhigen Momenten, mit den typischen Flöten- und Shamisen-Klängen. Sobald ihr aber entdeckt werdet, beziehungsweise in Aktion tretet, nimmt der Sound cineastische Züge an und jagt euren Puls nach oben. Aber auch während der Mission kann sich die Musik auch mal dem Geschehen anpassen — sehr nice! Das Spiel bietet außerdem, neben der englischen Synchro, auch noch eine exzellente japanische Sprachausgabe.

Aiko´s Choice DLC:

Wem es nach dem Hauptspiel nach mehr Taktik-Stoff dürstet, der kann in dem eigenständigen DLC mit Aiko noch weitere Missionen absolvieren. Insgesamt drei große und drei kurze Intermezzo-Missionen sind hier enthalten. Entgegen der Namensgebung kehren hier alle fünf Charaktere zurück und ihr könnt euch nochmal richtig austoben. Allerdings solltet ihr das Hauptspiel vorher schon mal gespielt haben, da es ein gewisses Grundverständnis der Mechaniken voraussetzt. Umso verwunderlicher, dass es als eigenständiges Spiel herausgebracht wurde, hätte hier Ingame-Content deutlich mehr Sinn gemacht.

-db


SUPER

 „Shadow Tactics“ hat mich tatsächlich positiv überrascht. Entgegen meiner ursprünglichen Wahrnehmung hatte ich großen Spaß daran, die Levels zu erkunden und neue taktische Möglichkeiten auszuloten. Meist tue ich mich schwer, wenn Spiele im japanischen Setting von einem nicht-japanischen Studio produziert wurden. Oft merkt man einfach, dass ein gewisses Etwas fehlt, was die Kultur ausmacht. Daher großen Respekt an das ehemalige Münchner Studio Mimimi (Ende 2023 geschlossen). Hier wurde auf jedes Detail geachtet und die japanische Synchro unterstreicht das nochmal.

Vor allem die Levels sind sehr detailreich und durchdacht. Gerade in den späteren Abschnitten kann man mehrere Stunden in einem Level allein verbringen. Besonders die Maussteuerung der Switch 2 verdient eine besondere Erwähnung, sobald ihr den JoyCon als Maus benutzt, ändert sich das komplette Interface.

Für alle Minis-Liebhaber sei der Einblick meines Kollegen Thorsten Schreck zur Brettspiel-Adaption des Spiels ans Herz gelegt. Das Kickstarter-Projekt hat zwar etwas auf sich warten lassen, scheint aber eine kompetente Umsetzung geworden zu sein.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt wäre der Preis: 40 € für das Hauptspiel und 20 € für den DLC. Für ein fast 10 Jahre altes Spiel halte ich das für sehr gewagt. Man kann sich zwar im Bundle ein paar Euro sparen, aber im Vergleich zu den anderen Plattformen, wo man es teilweise schon für unter 10 Euro bekommt, ist das schon bitter. Rein spielerisch kann ich es allen Fans taktischer Spiele empfehlen. Matane Tomodachi.

Euer Diego aka Deku Man X

-db

System: Switch 2 auch auf PS4, PS5, Xbox One
Genre: Stealth-Strategie
Developer: Mimimi
Publisher: Daedalic Entertainment
Schwierigkeitsgrad: 7
UPE: 39,99€ + 19,99€ (DLC), 53,99€ (Bundle)
Spielzeit: Ca. 30-50 Stunden, DLC ca. 10 Stunden
USK: 16
Muster von: Ranieri Agency

Grafik:
73%
Sound:
83%
Motivation:
78%

Spiel-
Spaß:
82%
Werbung nervt!

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