Punk is not Dead!
Romeo is a Dead Man
Goichi Suda oder besser bekannt als Suda 51: Dieser Name stößt bei vielen auf Abneigung und Aversion, sogar der Begriff "Style over Substance“ ist des Öfteren gefallen. Andere wiederum feiern seine Werke als originelle, durchgeknallte, radikal stilisierte und provokante Spiele. Ich gehöre eher zu letzteren. Ich habe seit "Killer7" fast alle seine Werke gezockt und ich liebe die meisten davon. Allen voran wird "No More Heroes“ wohl auf ewig in meinen Top 10 der besten Spiele bleiben. Trotz alledem versuche ich hier so objektiv wie möglich zu bleiben. Macht Euch aber trotzdem bereit auf einen wilden Ritt.
Worum geht es denn? Stellt Euch vor, jemand hat die Geschichte von Romeo und Julia genommen und mit Marvels Multiversum in einen Mixer geworfen, dazu noch ganz viel japanischer Crazyness, Popkultur und eine Prise Core. Dann sollte in etwa so etwas wie "Romeo is a Dead Man“ rauskommen.
Ihr verkörpert Romeo Stargazer, seines Zeichens Polizist, der gleich zu Beginn von einem Monster übel zugerichtet wird. In letzter Sekunde taucht sein Onkel aus der Zukunft auf und rammt ihn erst mal ein seltsames Gerät ins linke beschädigte Auge. Fortan lebt Romeo als sogenannter Dead Man weiter, inklusive nachgewachsenem Arm und sprechendem Aufnäher in Form seines Onkels auf der Jacke, geht ja schon gut los.
Kurzerhand erfährt Romeo, dass ausgerechnet seine geliebte Juliet nun in verschiedenen Zeitlinien und Multiversen als Bösewicht ihr Unwesen treibt. Eure Aufgabe ist es, ihr das Handwerk zu legen und die richtige Version von ihr wiederzufinden.
Dabei arbeitet Ihr als Spezialagent der FBI-Raumzeit-Abteilung, samt intergalaktischem Raumschiff und einer Crew, die schräger nicht sein könnte. Da hätten wir unter anderem Eure Mutter, bei der Ihr verschiedene Curry-Varianten kocht, eine sexy Krankenschwester namens „WorstPink“, bei der Ihr im Dating-Sim-Stil ein Quiz absolvieren könnt oder einem Steuermann der den Kopf einer Katze hat. Das Schiff "Last Night“ dient dabei als Hub im charmanten 16-Bit-Look. Hier sprecht Ihr mit Crew-Mitgliedern, levelt Euch hoch und bereitet Euch auf den nächsten Einsatz vor.
In den Missionen schnetzelt und ballert Ihr Euch durch Zombie-Horden und Dämonenwesen, die stellenweise auch in einem "Silent Hill" gut aufgehoben wären. Romeo landet dabei in verschiedenen Zeitlinien und Orten. Mal in den 1860ern, mal in den 1980ern, mal im Einkaufszentrum, mal im Irrenhaus.
Hierfür stehen Euch jeweils vier Nah- und Fernkampfwaffen zur Verfügung, die Ihr zügig freischaltet. Das bietet Euch sehr schnell die Möglichkeit, die Waffen eurer Wahl zu priorisieren und dementsprechend aufzuleveln. Von Cyber-Katana bis hin zu Hyper-Boxhandschuhen ist alles dabei. Dazu kommen Lock-On, Ausweichrolle und ein verheerender Bloody-Summer-Angriff, den Ihr mit gesammeltem Blut aufladen könnt.
Das Kampfsystem ist eine der größten Stärken des Spiels. Dank der intuitivem Controllerbelegung geht alles wunderbar von der Hand. Die Mischung aus Nah- und Fernkampf fühlt sich angenehm dynamisch an. Manche der Gegner besitzen Schwachpunkte, die Ihr gezielt mit Schusswaffen attackieren müsst. Solltet Ihr einmal ins Gras beißen, halb so wild, denn Ihr dürft per Glücksrad mit verschiedenen Boosts zurückkehren und mit etwas Glück sogar direkt wiederbelebt werden.
Die Gebiete selbst haben zwei Versionen, die reale Welt und eine Art TV-Voxel-Welt, zwischen denen Ihr durch einen pixeligen Fernseher hin- und herwechseln müsst um voranzukommen. Aufgelevelt wird über verschiedene durchgestylte Mini-Menüs, Waffen werden in einem 8-Bit-Shop verbessert, während Eure Charakterwerte in dem motivierenden Arcade-Style-Spiel „Deadgear Canon Ball“ gesteigert werden, dass an eine Mischung aus "Pac-Man" und "Snake" erinnert.
Zusätzlich könnt Ihr auch sogenannte "Bastards“ auf Eure Gegner loslassen. Was sind "Bastards“, fragt Ihr? Das sind Eure ganz eigene Zombie-Truppen. Diese lassen sich bei Eurer Schwester auf dem Schiff züchten und sogar fusionieren. Davon könnt Ihr bis zu vier Stück ausrüsten und im Kampf einsetzen. Die "Bastards“ kommen mit verschiedenen offensiven und defensiven Skills daher, und lassen sich nach einer Cooldown-Phase immer wieder einsetzen.
Kommen wir zu Grafik und technischer Umsetzung. Einerseits strotzt das Spiel vor kreativen Figuren- und Gegnerdesigns. Die Kampfmechanik steht außer Frage, wie bereits erwähnt, und die Menüs sind so durchgeknallt, dass ich oft nur mit einem Grinsen dasitze. Andererseits sind manche Umgebungen trostlos geraten und auch wenn das Geschehen stets schnell vonstattengeht, sind Mini-Ruckler hier und da nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem ist es beeindruckend, wie viele unterschiedliche Stile hier zusammenkommen. Wir haben hier locker Grasshoppers bestaussehendstes Spiel.
Ebenso abwechslungsreich fällt der Soundtrack aus. Von Oldschool-Techno über dreckige Gitarrenriffs bis hin zu entspanntem Romantik-Gedudel ist hier alles dabei. Die englische Synchro macht ebenfalls einen guten Job und passt wunderbar zum schrägen Ton des Spiels.
-db
Wow, Romeo startet gleich mit durchgedrücktem Gaspedal, und desto mehr ich gezockt habe, desto mehr bin ich ihm verfallen. Wie bei jedem Grasshopper-Spiel wusste ich nicht genau was mich hier erwarten würde. Aber allein schon, dass ich den Titel-Screen fünf Minuten lang angestarrt habe und versucht habe es zu umreißen, während ich dem Aufbau des Titelsongs lausche, spricht für sich. Dann das Spiel selbst, ein konstantes Wechselbad der Gefühle und ständig passiert etwas anderes. Während Euer Gehirn noch versucht, das Geschehene zu verarbeiten, passiert schon wieder was völlig anderes.
Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass "Romeo is a Dead Man“ Goichi Sudas Magnum Opus ist, da es das Beste aus seinen Spielen vereint. Hier finden sich viele Versatzstücke aus seinen früheren Werken, Romeo wirkt wie ein aufgebohrter Travis Touchdown, das Ballern erinnert an "Shadows of the Damned“ und die Schwachpunkte bei den Gegnern könnten direkt aus "Killer7“ stammen. Generell trägt das ganze Spiel seine Handschrift und es hagelt Effekte nonstop. Vor allem die abgedrehte Inszenierung hat mich immer wieder vom Hocker gehauen. Das Ganze spielt sich dank intuitiver Steuerung und schnellem Gameplay tadellos.
Natürlich ist nicht alles perfekt und mir ist bewusst, dass "Romeo is a Dead Man“ nichts für jedermann ist, kleinere Ruckler und teils trostlose Umgebungen bleiben nicht aus. Trotzdem liefert Grasshopper hier ein Spiel ab, das in Sachen Stil, Gameplay und Inszenierung ganz weit oben mitspielt und unterm Strich genau die Art von kompromisslosem, kreativem Action-Spiel, die man heute nur noch selten bekommt.
Euer Diego aka Deku Man X
-db
Genre: Action-Adventure
Developer: Grasshopper Manufacture Inc.
Publisher: Grasshopper Manufacture Inc.
Schwierigkeitsgrad: 6
UPE: 49,99 € (rein digital)
Spielzeit: Ca. 15-20 Stunden
USK: 18
Muster von: Renaissance PR
Grafik:
Spaß:
