Aber Bydo mit Sahne!
R-Type Dimensions 3
Das Jahr 1993 war nicht nur für den Autoren dieser Zeilen ein sehr wichtiges Jahr. Das World Wide Web wurde erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und stellte somit die Wiege des heute bekannten Internets samt all der Hasskommentare verzweifelter wie neidischen Feiglinge, Pornos aber auch nützlicher Tools und kreativer Ergüsse wie die Wiederauferstehung unserer geliebten Publikation „Die Video Games“ dar. Daneben gabs noch Jurassic Park im Kino, meine Schwester heiratete einen verdammt coolen trinkfesten Hoschi und ich starb das erste Mal fast an einem angeborenen Herzfehler.
Frisch aus dem Krankenhaus, deckte sich Lil´Marky dann gleich mal mit Modulen ein; schließlich ging es nach überstandener OP erst mal in den Krankenstand.
Eines der Module war das japanische SNES-Modul des Shmups “R-Type: The Third Lightning”.
Die Spieler hatten dank Titeln wie “Axelay” und “Super Aleste” das SNES trotz der anfänglichen Unkenrufe und Ruckelorgien mancher Starttitel zum Trotz wieder auf dem Schirm aber gerade “R-Type” spielte man halt auf der PC-Engine. Ein Mantel des Vergessens hatte sich über Super-Ruckel-Type gelegt.
Doch Irem ließen diese Schmach nicht auf sich sitzen und wollten auch den bunten, farbenverwöhnten SNES-Hippies zeigen, dass sie auf dem SNES grimmige, brachiale, vor Effekten und Bombast berstende Actionfeuerwerke inszenieren konnten.
Und scheiße ja, sie konnten es! Allein schon die Startsequenz mit mehreren wählbaren Force-Satelliten, die dank Mode 7-Chip in einen saucoolen Warpsprung endet, ließ den jungen Marky kurz mit offenem Mund vor dem 1081er Monitor sitzen.
Dann folgte eine ebenso nervenaufreibende wie fulminant inszenierte Ballerschlacht, die sogar den reichen Neo Geo -Schnöseln mit ihren “Last Resorts” und “Viewpoints” ein anerkennendes Augenbrauenhochziehen abrang.
1994 erschien das Spiel dann offiziell in Europa und das Modul samt Manual und Verpackung dürfte sich heute ungefähr im Preissegment einer Niere, der gütig lächelnden Oma oder eines chinesischen Kleinwagens bewegen.
Doch wieder wurden in der Casa “R-Type 3” Fuckfinger gezückt und dank Inin und Tozai wird nun diese Shmup-Perle auch dem schnöden Pöbel wieder zugänglich gemacht.
Aber dank den Code-Zauberern von Kritzelkratz3000, die bereits schon liebevoll und kompetent die “X-Out”-Neuauflage bestens in unsere Endzeit portiert haben, ist auch “R-Type Dimensions 3” mehr als nur ein liebloses Remaster. Wie schon bereits beim Vorgänger “R-Type Dimensions” (“R-Type” & “R-Type 2”) kann mittels Knopfdruck stufenlos umgeschaltet werden und somit bekommt ihr entweder den Klassiker oder eine aufgemotzte Faltenstraffung dank HD-Polygonen.
Diverse Filter sind natürlich auch dabei und da wir alle nicht jünger werden gibt es noch den “Ich bin eigentlich zu alt für diesen Scheiß“-Modus, bei dem ihr unendliche Leben habt, aber dafür auf euren digitalen Schwanzvergleich wie Trophäen und Erfolge verzichten müsst.
Die Story ist übrigens heute wie damals schnell erzählt und hat in etwa den kognitiven Anspruch einer Folge “Forsthaus Rampensau“: Das Bydo-Imperium ist immer noch stinkig auf die Menschheit und schickt mittels Dimensionsportalen allerlei Getier und biomechanische Kampfmaschinen, die zeigen sollen, wer die intergalaktischen Hosen anhat und warum das SNES mehr ist, als quitschbunte Hüpfspiele samt blechernen Digi-Sounds.
Und so fliegt ihr auch im Jahre 2026 mit dem schnittigen R-9 Raumjäger von links nach rechts und ballert auf alles, was sich auch nur einen Bildschirmpixel bewegt. Alles außer eurer Force Unit will euch töten und alles was sich nicht bewegt, dank scharfer Kanten, Säure oder Laserfallen übrigens auch. Die zu Beginn des Spiels anwählbaren Force-Einheiten sowie während der Stages aufsammelbaren Extrawaffen bringen einen wortwörtlichen Schuss Taktik mit ins Spiel und somit ist es an euch, das perfekte Waffenset für die entsprechende Spieltaktik zu wählen.
Die Stages bieten dank unterschiedlicher Themen wie Raumstationen und Alienhöhlen allerhand fürs Auge und auch die Gegner kommen ebenso kreativ wie furchterregend daher. Hier müssen wir natürlich auch über die serientypischen Endgegner reden, die euch auch in der Neuauflage zum Schwitzen bringen werden.
In dem damaligen Test zu “R-Type 3: The Third Lightning” war sich die ursprüngliche Redaktion der damaligen Video Games sicher, dass es sich bei dem Spiel um einen Hit handelte. Dieser Meinung kann sich auch der erwachsene (zumindest auf dem Papier) Mark anschließen denn auch “R-Type Dimensions 3” ist ein Hit und sollte von allen gespielt werden, die sich auch nur ansatzweise über Ballerspiele freuen können und die nach dem gelungenen “R-Type Delta”-Remaster ein weiteres liebevoll restauriertes Stück Spielgeschichte erleben möchten.
-mw
“R-Type Dimensions 3” fetzt und das ist gut so. Das perfekt ausbalancierte Ballerspiel scheucht euch durch nervenaufreibende Stages und ich kann Publisher Inin nur danken, dass dieses Meisterwerk nun auch einer neuen Generation von Spielern zugänglich machen.
Ich kam auf Anhieb beim ersten Antesten der Neuauflage in den dritten Level und scheiterte natürlich an dem Spinnenboss, der mich als pickeliger Mini Me schon damals Nerven gekostet hatte.
Doch trotz des hohen Schwierigkeitsgrades ist das Spiel auch heute noch eine spannende Erfahrung. Wer die sehr langen Stages samt ihren perfekt platzierten Feinden gut auswendig lernt, liest und seinen Force-Unit samt der drei sammelbaren Extrawaffen passend einsetzt, wird immer ein bisschen weiter kommen, heute wie damals.
“R-Type Dimensions 3” ist nie unfair und macht von der ersten Lasersalve sofort wieder Spaß. Dank lokalem Ko-Op und Extras wie dem Advanced Modus für die ganz Harten bleibt die Motivation erhalten.
Der neue Grafikmodus ist nun weit mehr als ein Gimmick, sieht nun noch besser aus als bei der Compilation von “R-Type Dimensions” von 2009 und lässt dank toller Ausleuchtung und aufwendig restaurierter Optik sowie neu arrangiertem Soundtrack selbst neue Shmups alt aussehen.
Sicher, ein paar mehr Extras wie Interviews oder Making-Ofs hätten es dann doch sein dürfen aber allein schon der entlastende Infinity-Modus ist für viele Spieler auch sinnvolle Zugabe.
“R-Type Dimensions 3” ist ein tolles Ballerspiel und sollte in keiner Shmup-Sammlung fehlen. Das Spiel ist wunderschön aufgehübscht, erbarmungslos und für die Zielgruppe unserer Publikation eine ebenso stilvolle wie wichtige Aktivität für die kognitives Prävention.
-mw
Freude, schöner Götterfunken und so! Auch ich bin verliebt in das neue alte “R-Type”, ist es doch die Serie, mit der damals bei mir alles angefangen hat. Als ich als kleiner Stöpsel mit meinen Eltern den Game Boy kaufen ging, durfte ich mir neben dem beiliegenden “Tetris” ein weiteres Modul aussuchen. Die Wahl fiel auf “Motocross Maniacs”. Noch auf dem Weg zur Kasse revidierte ich jedoch meine Entscheidung und tauschte die Nähmaschinen-Bolzerei gegen “R-Type”, eine der besten Zock-Entscheidungen meines Lebens bis heute. “Super” am SNES folgte und zusammen begründeten beide meine bis heute andauernde Leidenschaft für Shmups, die Force Unit und düstere Alien-Welten.
“Third Lightning” stellt in allen Bereichen einen Höhepunkt dar. Es ist deutlich zu merken, dass Irem hier nicht mehr für die Arcade entwickelte. Das Spiel ist voll und ganz auf die Möglichkeiten des SNES zugeschnitten, ohne seine arcadigen Wurzeln zu vernachlässigen. Bereits in der ersten Stage zoomt und rotiert der Mode 7, dass es eine wahre Freude ist. Das Pad liegt griffig in der Hand und die Buttons sind sinnig belegt, inklusive Dauerfeuer und Auflade-Laser. Wiederholtes Spielen ist Programm und ihr könnt nicht nur verschiedene Forces und Bewaffnungen ausprobieren, ihr sollt es auch.
Das Leveldesign ist ein Gedicht! Die zweite Stage bringt euch in einen so richtig schön ekligen Säuremagen. Die von der Decke tropfende, ätzende Suppe ist nicht nur tödlich für euer Schiff, sie frisst sich auch durch die Levelbauten und macht einige Wege so erst gangbar. Für mich der vielleicht beste “R-Type”-Level überhaupt und immer wieder eine Herausforderung.
Widersprechen muss ich Kollege Wamsler darin, dass es hier kaum Story gibt. Okay, die eigentliche Handlung passt auf eine Briefmarke, aber der Subtext! Die Bydo atmen zusehends Verfall und Auflösung. Ihre biomechanischen Fabriken wirken nicht mehr neu und chromblitzend, stattdessen nagen Rost und Schimmel an den Korridoren. Ist dies hier ihr letztes Aufbäumen? Ist die Eroberung der Erde vielleicht ihre letzte Hoffnung? Die zweite Stage spricht da Bände. Hier tretet ihr im wahrsten Wortsinn gegen einen Strom aus Sperma an. Ein Effekt, der damals für den Westen zu heftig war und mit Glubschaugen nachgestellt wurde. Im Remake habt ihr selbstverständlich die Wahl. Auch die Phantom-Zelle, die für euch verschiedene Gegner inklusive Dopkeratops imitiert, hat ihre Geheimnisse. Wer will, kann also gaaaaaanz tief eintauchen in Symbolik und Mystik.
All diese Aspekte machen das dritte “R-Type” zu einem spielerischen wie grafischen und atmosphärischen Highlight. Im Rahmen des 3D-Treatments wurden alle drei Bereiche behutsam, aber konsequent auf das nächste Level gehoben. Wenn dies nun noch mit “Motocross Maniacs” geschehen würde, könnte ich meine Kindheit getrost abschließen. (Und ja, ich weiß dass es einen GBA-Teil gibt. Der zählt aber nicht, der ist grauenhaft!)
-mn
Genre: Horizontal-SHMUP
Developer: KRITZELKRATZ 3000
Publisher: ININ, Tozai Games
Schwierigkeitsgrad: Für Neulinge schwer, für Kenner genau richtig
UPE: 49,99 € auch physisch zu haben
Spielzeit: Ca. 30 Minuten pro Playthrough
USK: 12
Muster von: PR Hound
Grafik:
Spaß:
