Shovel Maus
Mina the Hollower
Yacht Club Games sind zurück! Wer? Yacht Club Games, die Erfinder des Retro-Indies! Ja, genau die. Nach zwölf Jahren stellen die “Shovel Knight”-Macher endlich ihr nächstes großes Werk vor.
Nachdem sie das “Shovel Knight”-Universum mit Dungeon-Crawler- und Puzzle-Ablegern reichlich gemolken haben, wagen die Entwickler hier den Schritt in eine neue Welt, atmosphärisch wie spielerisch. Wenn ihr euer Mina-Abenteuer startet, dann begrüßt euch zunächst der gewohnte Pixel-Look im NES-Stil. Der Ton ist jedoch ungleich düsterer. Chaos und Zerstörung wüten in einer viktorianisch anmutenden Metropole. Ihr seid mittendrin und müsst mit einer komplett neuen Steuerung zurechtkommen. Mina, eure Wühlmaus, kann angreifen, springen und sich in die Erde graben. Springen und Buddeln liegen dabei auf einer Taste. Drückt ihr X (PlayStation), macht Mina zunächst einen kleinen Hopser. Haltet ihr die Taste gedrückt, so wühlt sie sich ins Erdreich und legt einige Meter darin zurück. Da es ansonsten keine Ausweich- Abwehr- oder Parier-Skills gibt, müsst ihr diese Fähigkeit meistern, um gegen die zahlreichen Gegner zu bestehen.
Minas Angriffskraft ist zunächst begrenzt. Soulslike-typisch lässt euch das Spiel anfangs die Wahl zwischen drei in Reichweite, Geschwindigkeit und Durchschlagskraft unterschiedlichen Argumentationsverstärkern. Keine Angst, die restlichen Waffen dürft ihr später noch nachkaufen. Die Souls-Elemente, die sich in “Shovel Knight” noch spärlich zeigten, wurden hier generell deutlich ausgebaut. So gibt es eine Währung für alles inklusive Wertekauf, kryptische Itembeschreibungen und natürlich auf die Fresse frei Haus. Dass “Seelen” beim Bildschirmtod an Ort und Stelle liegen bleiben und beim zweiten Tod endgültig verloren sind, kennen eifrige Schaufelritter bereits.
Und Mina macht keine Gefangenen, gerade zu Anfang. Dank sehr geringer Lebensenergie und durchdachter wie fieser Gegnerformationen gibt es ab Sekunde eins massiv auf die Nuschel. Nahkämpfer lassen sich gern von Geschützen decken, während ihr auf engstem Raum über Plattformen und Abgründe navigieren müsst. Der einzige Vorteil: Profis können gleich loszocken und bekommen eine stramme Herausforderung, wenn sie das Spiel mehrmals angehen. Wer keine Ehre hat und auf PSN-Trophies wie spielinterne Errungenschaften (hier Heldentaten genannt) verzichten kann, der darf allerlei Spielhilfen dazuschalten. Einfach wird es dennoch nicht.
Da Mina, anders als der Schaufelritter, keine zentrale Basis hat, zu der sie nach Missionen zurückkehrt, dienen ihr unterirdische Verstecke als Heimat. Sie ersetzen die zerstörbaren Checkpoints bei “Shovel Knight”. Wer hier untertaucht, der darf nicht nur speichern, sondern auch seine Ausrüstung modifizieren und die Knochenmühle betreiben. Erfahrungspunkte bzw. Souls-Seelen werden hier in Form von Knochen dargestellt. Knochen können aber auch als Items gefunden oder ergrindet werden. Diese Item-Knochen sind dann vor Verlust geschützt und werden in der Mühle wieder zu Erfahrung. Ein cleveres System, das From Software gerne übernehmen darf.
Wer sich dieser Herausforderung stellen mag, der bekommt eines der schönsten Indie-Abenteuer der letzten Jahre. Wie schon bei “Shovel Knight” wirkt es, als hätten die Entwickler 8-Bit-Retro nicht bloß kopiert, sondern verdichtet, auf den Punkt gebracht, die Essenz herausgekocht. Kurzum: Eure Augen und Ohren werden wieder von herrlichster Pixelkunst verwöhnt.
-mn
“Mina the Hollower” ist nicht für jeden und genau das macht mir das Spiel ungemein sympathisch. Yacht Club Games sind hier merklich Risiken eingegangen, haben bewusst Ecken und Kanten riskiert und verzichteten auf den “Ey ditt is’ doch Mega Man!”-Effekt des Vorgängers. Ich hoffe nur, dass dieser Verzicht auf eine erkennbare Vorlage dem Spiel nicht schadet. Ein Bisschen “Zelda” ist drin, ein Bisschen “Castlevania” von oben, aber auch sehr viel eigenes Flair. Herausgekommen ist ein Spiel, das sehr wahrscheinlich jetzt schon mein Indie des Jahres ist.
-mn
Tim bezieht sich auf die Switch 2 Version:
Als vor vielen Jahren Yacht Club Games mit ihrem Debüt-Titel ”Shovel Knight“ an den Start gegangen sind, war klar, dieses Studio muss man im Auge behalten. Seitdem hat das Indie-Team nicht enttäuscht und viele gute bis hervorragende Spiele mit dem blauen Schaufel-Ritter veröffentlicht. Mit “Mina The Hollower“ haben Yacht Club Games nicht nur eine neue Heldin im Gepäck, sondern betreten auch mit den Zehenspitzen das Soulslike-Genre. Der Mix aus Iso-Sicht, Platforming und anspruchsvollen Kämpfen ist fordernd, aber fair und die Steuerung ist für solche Herausforderungen auf sehr hohem Niveau poliert. Im Gegensatz zu meinem feinen Kollegen Martin, finde ich, dass das Soulslike-Prinzip hier nur marginal zur Geltung kommt. Klar, die Kämpfe sind teilweise hart und ihr verliert auch einen kleinen Teil eurer Ressourcen, wenn ihr sterbt. Aber mich erinnert Minas Trip eher an den Schwierigkeitsgrad von Capcom- oder Konami-NES-Titeln. Nicht jedes Spiel, das einen Bildschirm-Tod bestraft, sehe ich zwingend als “Souls”-Titel. Demnach wäre auch schon “Diablo 2” in der gleichen Kategorie zuhause gewesen. Denn auch hier verliert man Ausrüstung und Gold am Ort des virtuellen Ablebens, das dann beides mühevoll zurück ergattert werden muss.
Pixel-Look und der Soundtrack von “Mina The Hollower” sind vom Feinsten. Vor allem die klasse Musik hat es mir enorm angetan. Der “Castlevania”-Vibe, gepaart mit dem sauberen Gameplay, das hat mich direkt gefesselt. Auch der Umfang ist für einen Titel in der Preisklasse wirklich gut. Zu meckern habe ich hier fast nichts. Höchstens, dass der Pixel-Look bei 120 Frames auf meiner Switch 2 etwas seltsam wirkt. Es ist schwer zu beschreiben. Durch die hohe Bildrate wirkt die Pixeldarstellung, welche früher mit 60 FPS dargestellt wurde, etwas zu fluide und sauber, irgendwie nicht ganz richtig. Aber “Mina The Hollower“ spielt sich dadurch einfach nochmal eine Ecke besser und deshalb ist das mehr Anmerkung als Kritik. Ein wenig Frustrationstoleranz müsst ihr definitiv mitbringen, um ans Ende zu gelangen. Aber für jeden Fan von klassischen Spielprinzipien mit moderner Politur, kann ich das Abenteuer mit der peitschenden Nagerin bedenkenlos empfehlen.
-tl
Genre: Action-Adventure trifft es wohl am ehesten
Developer: Yacht Club Games
Publisher: Yacht Club Games
Schwierigkeitsgrad: 8
UPE: ab 19,99 € digital
Spielzeit: ca. 25 Stunden
USK: 12
Muster von: Yacht Club Games
Grafik:
Spaß:
