Pilze braten und Symptome raten

ICARUS: Console Edition

Survival-Games sind eine Welt für sich, das habe ich beim Spielen von “Icarus” wieder einmal gemerkt.

Ich verfolge ja gespannt die Diskussion um das Soulsborne-Genre und den Wunsch vieler Spieler nach einem einstellbaren Schwierigkeitsgrad, um die Wunder von Anor Londo auch ohne große Eigenleistung erleben zu können. Meine Meinung dazu: Die Forderung alleine zeigt bereits, dass Videospiele noch einen langen Weg zu gehen haben, um als Kunstform ernst genommen zu werden. Dies auszuformulieren ist aber Aufgabe für einen eigenen Artikel.

Ich brauche aber diesen Gedankenschnipsel, um zum nächsten Thema überzuleiten. Interessant an der Diskussion ist nämlich, wo sie nicht geführt wird. Einerseits bei meinen geliebten Bullethell-Titeln. Eine Nische, die wohl einfach zu klein ist, um außerhalb der Freak-Bubble zu funktionieren. Andererseits bei Survival-Spielen, wie “Icarus” eines ist. Ob das am optionalen Sandbox-Modus ohne Hunger und Durst liegt? Ich denke nicht, denn auch der wird nicht diskutiert.

… was sagt Ihr? Ich soll das pseudointellektuelle Geschwurbel sein lassen und endlich über das Spiel sprechen? Meinetwegen. Schade, ich war gerade warm gelaufen.

Wir sind in einer fernen Weltraum-Zukunft. Das Terraforming des namensgebenden Planeten Icarus ist spektakulär gescheitert. Stürme, Waldbrände und sonstige Naturkatastrophen sind an der Tagesordnung. Trotzdem werdet Ihr in einer spektakulären Landesequenz irgendwo im Nirgendwo abgesetzt.

In dem Moment, in dem Ihr die Landekapsel verlasst, beginnt der Überlebenskampf. Euer tapferer Kolonist hat, neben der Lebensenergie, noch weitere Leisten für Hunger, Durst, Müdigkeit und allerlei andere Zipperlein. Wer einfach so aus dem Bach säuft, handelt sich üble Parasiten ein, die den Körper eine Zeit lang schwächen und selbst Sauerstoff ist hier knapp. Als erste Amtshandlung sollte also aus einem Ast, einem Stein und einem Ende Pflanzenfasern eine primitive Axt gedengelt werden. Glücklicherweise liegen die entsprechenden Zutaten reichlich in der Gegend herum.

Mit der Axt in der Hand geht es weiter. Ihr könnt jetzt Bäume fällen und Euch eine einfache Hütte zimmern. Ein Filter hält das Wasser sauber und spezielle blaue Steine lassen sich in Atemluft umwandeln. Stück für Stück baut Ihr Euch ein Häuschen, dann eine Villa und schließlich ein Imperium. Mit immer ausgefeilteren Waffen und Rüstungen könnt Ihr Jagd auf die hiesigen Spitzenprädatoren machen. Mammuts, riesige Krabben und Skorpione, ja sogar “Dune”-Sandwürmer gibt es hier.

So gut wie jede Aktion gibt Erfahrungspunkte, über die Ihr neue Bau-Rezepte freischaltet. Die Feuerstelle macht gefundene Pilze und erlegtes Getier genießbar, der Schlafsack wärmt in der Nacht und überschüssige Materialien kommen in die frisch montierte Lagerkiste. Wer ein Radio baut, kann sich vom HQ mit speziellen Sammel-Missionen betrauen lassen – hey Moment mal, haben die Drecksäcke uns nicht gerade erst hier hergeschossen, unbewaffnet und ohne Sauerstoff?

Egal, nicht zu lange drüber nachdenken. Dafür lässt “Icarus” kaum Zeit. In regelmäßigen Abständen kommt es zu Naturkatastrophen, die per Texttafel angekündigt werden. Regensturm, Hagelsturm, Gewittersturm, das Wetter hier ist echt mies. Baut Euch ein stabiles Häuschen und achtet darauf, dass es euch nicht abbrennt – das ist uns nämlich in einer Koop-Runde passiert, als wir unbedacht ein Lagerfeuer in der Holzhütte aufgestellt haben. Immerhin ließen sich so wunderbar die Spielphysik testen und ein paar dramatische Schnappschüsse schießen. Bis zu vier Spieler können zusammen eine Welt bewohnen, auf dem PC sind es acht.

In PC-Kreisen ist “Icarus” wohl eine ziemlich große Nummer und wurde lange verfeinert. Dieses Tuning sieht man dem Spiel auch auf der PS5 an. Ich finde immer genug Materialien. Look, Abhängigkeiten und Nahrungsketten sind durchdacht und nachvollziehbar. Leider ist die Anpassung an die Konsole nicht ganz so gelungen. Unsere Testversion wurde noch von allerlei Bugs geplagt. Baumstämme sprangen wild umher oder clippten seltsam in den Boden. Schriften und Symbole sind für TV-Verhältnisse viel zu klein und kaum lesbar. Ich musste mitunter die Handylupe bemühen, weil meine Augen zu schlecht waren – hey, irgendwann kommt Ihr auch in mein Alter!

-mn


GUT

 Wenn Ihr auf Survival steht, gute Augen und einen starken Magen habt sowie Geduld und Lernwilligkeit mitbringt, dann wird “Icarus” Euch den Schlaf, die Freizeit und die letzten Dioptrien rauben. Wer die Wahl und einen potenten Rechenknecht hat, sollte aber lieber zur PC-Version greifen.

-mn

System: PS5 auch auf Xbox Series
Genre: Überleben, Bauen und Verdauen
Developer: RocketWerkz
Publisher: RocketWerkz
Schwierigkeitsgrad: 1-9 (Einstellbar, inkl. Sandbox-Modus)
UPE: 39,99 € (Standard Edition), 149,99 € (Ultimate Edition mit zahlreichen Erweiterungen) (digital only)
Spielzeit: unendlich
USK: 16
Muster von:

Grafik:
73%
Sound:
84%
Motivation:
82%

Spiel-
Spaß:
78%
Werbung nervt!

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