Anime-Grind und Silvester auf Knopfdruck

Granblue Fantasy: Relink - Endless Ragnarok

Mit “Granblue Fantasy Relink Endless Ragnarok“ in Folge “Granblue ER“ genannt, bringt Cygames die von Fans lange erhoffte Erweiterung für das Action-Rollenspiel aus dem Jahr 2024 mit. Ob die neuen Inhalte das Warten auch wert gewesen sind, klären wir hier gemeinsam.

Zunächst aber, was ist “Granblue Fantasy“ überhaupt? Die Marke existiert schon seit 2014 in Japan und hat ihre Bekanntheit dort als Smartphone-Rollenspiel begonnen. Der Mix aus sympathischen Charakteren, vielen Klassen und rundenbasierten Kämpfen in einer Welt voller schwebenden Himmelsinseln hat den Nerv von vielen Spielern getroffen. Der Erfolg des Mobile-Spiels hat im Laufe der Zeit für viele weitere Adaptionen geführt. Mittlerweile gibt es Mangas, Animes und die verschiedensten Videospiel-Varianten der Fantasy-Welt. Persönlich kenne ich Captain Gran und seine Truppe von den beiden Fight-Games aus dem Hause Arc System Works. Die Franchise hat seit ihrem Erscheinen viele Fans gewonnen und eine feste Community um sich geschart.

Nachdem “Granblue Fantasy Relink“ in der Vergangenheit nur für PlayStation und PC erschienen ist, feiert die Marke nun ihr Debüt auf der Nintendo Switch 2. Deshalb werde ich zunächst auf das Hauptspiel eingehen, bevor wir uns auf die Neuerungen stürzen, um nochmal ins Gedächtnis zu rufen, was uns vor gut zwei Jahren von Cygames präsentiert worden ist.

Die Geschichte von Captain Gran und seiner Luftschiff-Crew startet quasi mitten im Geschehen. Schnell wird uns Spielern klar, dass sich die einzelnen Charaktere schon gut kennen und viele Abenteuer zusammen erlebt haben. Das führt anfangs vor allem dazu, dass ihr viele Namen und Gesichter ohne große Erklärungen serviert bekommt. In diversen Untermenüs oder am Quest-Schalter könnt ihr zwar es mehr Infos zu euren Mitstreitern bekommen. Wenn ihr straff die Haupthandlung verfolgt, dann nimmt sich das Spiel auch kaum Zeit für Erklärungen der Nebenstränge und peitscht nur die Geschichte dieses Abenteuers stetig voran. Die Story von “Granblue Fantasy Relink“ ist nicht wirklich tiefgründig. Mitstreiterin Lyria, welche mystische Kräfte besitzt und mit sich dem Captain ihre Lebenskraft teilt, wird entführt und ihr müsst sie retten. Punkt. Dazwischen jagt ihr ein paar MacGuffins und lauscht den seichten Gesprächen der Besatzung, um das Gefühl von Dramatik zu bekommen. Die Himmelsfahrer-Crew wirkt dabei sehr sympathisch und hat diesen typisch kitschigen ‘wir schaffen das‘-Vibe, den viele Animes heutzutage mitbringen. Auch wenn das komplett stumpfe Unterhaltung ist, mag ich die Positivität, die permanent von den kämpfenden Sülzbacken ausgeht.

Früh im Spiel stoßt ihr auf die Quest-Schalter. Mein Rat, ignoriert die erst einmal komplett und konzentriert euch darauf, die Handlung zu beenden. Die ganzen Nebenmissionen und -Quests sind nicht nötig, um die Geschichte voranzutreiben. Ihr bekommt genug Erfahrungspunkte und Ressourcen, um das Spiel zu beenden. Im Laufe der Story schaltet ihr immer mehr Aufgaben frei, die ihr dann mit höher gelevelten Kämpfern im Endgame besser angehen könnt.

Aufwerten könnt ihr in diesem Spiel eine Menge. Es gibt insgesamt 28 Charaktere, die ihr spielen dürft. Dabei verkörpert jede Figur seine eigene Klasse mit komplett eigenen Move-Sets und Skills. Mit von der Partie sind Nahkämpfer, Magier und Fernkämpfer aller Art, damit wird wirklich fast jeder Action-Spielstil abgedeckt, den man sich vorstellen kann. Um an die Recken zu gelangen, schaltet ihr mit erbeuteten “Crew-Mitgliedskarten“ bei “Sieros Agentur Für Alles“ frei. Der quirlige Händler ist auch zum Tauschen von Materialien ein wichtiger Anlaufpunkt. Die vielen Krieger eures Luftschiffs jagen somit nach Zutaten, Skill-Punkten und viel Gold, um neue Waffen zu schmieden und immer stärker zu werden. Der Ablauf der Quest-Schalter-Missionen erinnert sehr stark an das Prinzip von “Monster Hunter“. Das Ganze geht aber nicht so in die Tiefe, was Charakter-Builds angeht. Hier steht eher Action und Abwechslung im Vordergrund des heftigen Grinds. Wahlweise dürft ihr die ganzen Missionen auch im Multiplayer mit bis zu vier Spielern angehen. Leider waren die Server für die Switch 2-Version in meinem Testzeitraum noch nicht verfügbar. Deshalb kann ich zu der Stabilität dieses Modus noch nichts berichten.

Um an den ganzen Loot-Kram zu kommen, müsst ihr vor allem eines tun, und zwar kämpfen… viiiel kämpfen. Das Kampfsystem ist von Platinum Games mitentwickelt worden und zeigt hier die größte Stärke des Spiels. 28 verschiedene Kampfstile und sechs Elementklassen warten darauf, von euch gemeistert zu werden. Während auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ein hohes Level reicht, um die meisten Gegner zu legen, ist es auf schwer dringend nötig, sich mit den Mechaniken, Stärken und Schwächen der Feinde auseinanderzusetzen. Sonst macht ihr da keinen Stich. Gefällt mir sehr. Generell fühlt sich das Kampfsystem sehr wuchtig und schnell an und ist komplett auf 9000 gedreht. Wenn die verschiedenen Fähigkeiten des Teams ineinander greifen ist vor lauter Effekten manchmal kaum etwas zu erkennen. Quasi Silvester auf Knopfdruck. Zu dem Gewusel auf dem Bildschirm ertönt irgendwelches Gequatsche der Crew. Ihr werdet permanent mit akustischen Angriffen auf euer Trommelfell gefordert, da so ziemlich jede Aktion im Spiel vertont worden ist. Eine Kakophonie des Grauens für das ungeübte Ohr. Wer die “Xenoblade Chronicles“-Reihe gespielt hat, weiß genau wovon ich spreche. Mir gefällt das hyperaktive Bildschirmgeflacker mit der andauernden Beschallung sehr. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich einen “Xeno“-Schaden erlitten habe und dies nicht für jeden Rollenspiel-Fan zutreffen wird.

Nun zu den anfangs erwähnten Neuerungen. Um an die neuen Inhalte von “Granblue ER“ zu gelangen, müsst ihr das “erste“ Ende erreichen. Danach spielt ihr bestimmte Missionen im “alten“ Endgame, um die weitere Handlung zu triggern. Dann erreicht ihr die neue Story der Erweiterung. Die alte und neue Handlung sind gut miteinander verknüpft, so dass nicht groß auffällt, dass hier ein Cut von gut zwei Jahren geherrscht hat. Um Spoiler zu vermeiden, gehe ich nicht groß auf die frische Geschichte ein. Aber im Prinzip ändert sich nicht viel an der Tiefe der Story, ist aber auf seine Weise unterhaltsam.

Neben neuer Lore, habe es aber viele andere Inhalte in die Neuauflage geschafft. Fangen wir mit den ‘Summons‘ an. Besiegte Feinde können nun auf dem Schlachtfeld beschworen werden, die ihr dann auch selbst steuern dürft. Das erweitert das ohnehin schon actiongeladene Gameplay um einen weiteren Faktor. Um das nochmals zu toppen, stehen euch nach Erfüllung gewisser Bedingungen im Spiel sogenannte ’Primal Bursts’ zur Verfügung. Hier ruft ihr noch größere Brocken in den Ring, die zwar nicht gesteuert werden können, aber dafür Schaden jenseits von Gut und Böse austeilen. Für die Hartgesottenen unter euch warten die Chaos-Quests. Diese Herausforderungen sind das Equivalent zu den G-Rank-Missionen in “Monster Hunter“. Ihr braucht top Werte, Ausrüstung und ein gutes Verständnis der Mechaniken in “Granblue ER“, damit ihr diese Quests meistern könnt. Was, das war euch noch immer nicht genug? Dann freut euch auf den Conflux. Ab einem bestimmten Teil der “Endless Ragnarok“-Erweiterung schaltet ihr den Zugang zum neuen Rogue-Lite-Modus frei. Hier gelten nochmals eigene Regeln. Seid ihr im Conflux unterwegs, dürft ihr sämtliche Charaktere mit einem weiteren Skill-Tree stärken. Die dort gewonnen Fähigkeiten sind aber nur diesem Modus vorbehalten, um noch mehr Grind-Wahnsinn in das Spiel zu packen. Die Mechanik erinnert mich ein wenig an den Season-Altar in “Diablo 3“. Hier könnt ihr euren Char auch nur für die Season-Reise zusätzlich stärken und die Boni haben auf das Hauptspiel keinen Einfluss.

Einfluss auf die Präsentation und die Technik des Spiels, nimmt leider die Hardware der Switch 2. Die Geschichte ist toll inszeniert und zeigt die Qualität, die in das Spiel geflossen ist. Nur Nintendos Hybrid kann die Action nicht flüssig auf dem Bildschirm halten. Auf der SW2 müssen wir uns mit 30 Bildern pro Sekunde begnügen, die in dem Effektfeuerwerk nicht gehalten werden. Auch die Texturen und die generelle Optik sind hier etwas reduzierter als auf den stärkeren Systemen. Der Artstyle des Titels fängt das insgesamt aber gut auf. Im Handheld fällt das sowieso kaum auf, doch im Dock-Modus greift hin und wieder diese “Switchiness‘ in der Bilddarstellung, wenn die dynamische Auflösung in den 480p-Bereich skaliert, um die Bildrate zu halten. Das kommt zum Glück nicht ganz so häufig vor, fällt aber dennoch unangenehm beim Spielen auf. Grundsätzlich versucht “Granblue ER“ die 30 Frames zu halten und schafft das meistens auch. Auch wenn es hier und da mal zuckelt, nimmt das wenig Einfluss auf die sonst solide Spielerfahrung. Allerdings hoffe ich, dass Cygames hier noch mit entsprechenden Patches nachbessern wird. Der Soundtrack von “Granblue ER“ ist sehr stimmungsvoll. Wenn ihr das Gekreische der Kämpfer etwas leiser stellt, könnt ihr auch etwas davon hören, LOL. Teilweise sind echt epische Fanfaren und treibende Hymnen dabei, welche die Action auf dem Screen gut untermalen. So typisches Epic-Anime-Gedudel, pass gut ins Bild.

Ach ja, Crossplay ist nun auch verfügbar. Somit dürft ihr zukünftig über eure Plattform hinaus mit anderen in den Grind-Irrsinn starten. Die Switch-2-Version hat noch einen lokalen Mehrspieler-Modus spendiert bekommen, in dem ihr vier Switch-Systeme im selben Raum miteinander ohne Internet verbinden könnt. Das hat “Diablo 3“ auf der Switch auch so gemacht, finde ich großartig. So bleibt der Multiplayer-Spaß erhalten, auch wenn eines Tages die Server abgeschaltet werden. Das sollten mehr moderne Mehrspieler-Titel so machen. Daumen hoch.

-tl


GUT

 Das Switch-2-Debüt von “Granblue Fantasy Relink Endless Ragnarok“ ist solide geglückt. Das Hauptspiel plus die große Erweiterung überzeugen mit viel Inhalt, actiongeladenen Kämpfen und einer charmanten Präsentation. Lediglich die leicht holprige Technik trübt den Launch der Grind-Orgie etwas. Vereinzelte Framerate-Einbrüche und hin und wieder verwaschene Optik durch die dynamische Auflösung des Titels, sollten vom Entwickler Cygames durch bessere Optimierung noch behoben werden. Insgesamt ist die Spielerfahrung aber gut und es macht Spaß die vielen Klassen zu entdecken und aufzuleveln. Die flache Handlung ist zwar nur das Gerüst für das Gameplay. Hier haben die Schöpfer dieser Welt, meiner Meinung nach, es schon verpasst, Neulinge besser an die Welt von “Granblue Fantasy“ heranzuführen. Anfangs hageln Namen und Begriffe auf euch ein, die nur Sinn ergeben, wenn man sich vorher schon mit der Franchise auseinandergesetzt hat. Ignoriert ihr die kleinen Mängel und seid nur für die Action hier, dann erwartet euch viel Spaß… vermutlich auch im (aktuell für mich) noch nicht testbaren Multiplayer-Modus.

-tl

System: Switch 2 auch auf PS5
Genre: Hack’n Slash
Developer: Cygames
Publisher: Cygames
Schwierigkeitsgrad: Einstellbar
UPE: 59,99€ auch physisch
Spielzeit: Hauptspiel ca. 40 Stunden, Endgame über 100 Stunden
USK: 12
Muster von: Vertigo 6 DACH

Grafik:
75%
Sound:
72%
Motivation:
85%

Spiel-
Spaß:
74%
Werbung nervt!

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