Remonstered
Godzilla: Destroy All Monsters Melee Remastered
24 Jahre nach der Erstveröffentlichung will Japans bekanntestes Gummimonster es noch einmal wissen und bittet zum Remastered-Rematch. Ein Gast-Review von Gaststar Kai Schmidt
Zu den Dingen, die mich in meiner Kindheit prägten, gehörten nicht nur „brutale“ Actionfiguren wie die Masters of the Universe oder „kriegsverherrlichendes“ Spielzeug wie G.I. Joe, sondern auch die klassischen Godzilla-Filme der japanischen Toho-Studios. Mitte der 1980er liefen die von der Programmansagerin als „japanische Gruselfilme“ angekündigten Streifen gelegentlich mal im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (wir hatten damals nichts anderes) und waren am Tag darauf DAS Gesprächsthema auf dem Pausenhof der Grundschule.
Unsere kindlichen Gemüter blendeten die langweiligen Szenen mit den menschlichen Hauptfiguren natürlich aus und reduzierten die Filme auf die Hauptattraktion: die Monsterkämpfe. Es gab einfach nichts besseres als Stuntmen in Kaiju-Kostümen, die sich gegenseitig wie in einem Wrestling-Match die Vorderzähne verbiegen und dabei liebevoll gebastelte Modellstädte in Schutt und Asche legen.
Warum ich das erzähle? "Godzilla: Destroy All Monsters Melee Remastered" ist die Spiel gewordene Form genau dieser selektiven Erinnerung eines Grundschülers an einen Godzilla-Film. Vergesst die langweiligen Menschen, hier zählen nur Monster, Geprügel und zertrümmerte Hochhäuser, während das Militär aus allen Rohren ballert und UFOs über dem Schlachtfeld schweben.
Die Kaiju treten in dem ehemals als GameCube-Exklusivtitel konzipierten Spiel im klassischen Zweikampf gegeneinander an und hauen sich sämtliche aus den Filmen bekannten Attacken sowie ganze Häuserblöcke um die Ohren. Die weitläufigen Arenen (beziehungsweise internationalen Großstädte) sind frei begehbar und von Energiebarrieren umzäunt. Die wurden der Story zufolge von Aliens errichtet, die in einer Hommage an die Toho-Klassiker „Befehl aus dem Dunkel“ und „Frankenstein und die Monster aus dem All“ die Monster per Gedankenkontrolle steuern.
Zwölf Ungetüme stehen zur Auswahl, von denen ihr den Großteil jedoch erst freischalten müsst. Das geschieht über das „G-Force Forschungsprogramm“, das euch Aufgaben zuteilt. Grundsätzlich geht es darum, über gewonnene Kämpfe Punkte zu verdienen. Allerdings stehen der Monsterfreischaltung auch Hürden wie „Schalte zuerst X Arenen frei“ voran. Generell lassen sich die Aufgaben aber schnell erledigen, sodass euch nach einigen Stunden Punktesammelei der komplette Monsterkader mit Heisei Godzilla, Millennium Godzilla, Anguirus, Gigan, King Ghidorah, Mecha King Ghidorah, dem klassischen Mechagodzilla, Heisei Mechagodzilla („Kiryu“), Rodan, Destoroyah, Megalon und Orga zur Auswahl steht.
Die Kämpfe sind, wie angesichts der Größe der Biester zu erwarten, keine superschnellen "Street Fighter"-Matches voller Kombos, Reversals und dem ganzen Kram. Godzilla und seine Freunde gehen die Sache bedeutend undynamischer an, und ihr solltet euch trotz mehrerer zur Verfügung stehender Angriffstasten auf taktisch eher im unteren Bereich angesiedelte Kloppereien einstellen. Gegner verdreschen, bis er am Boden liegt und dann mit einem geworfenen Hohhaus nachlegen. Oder alternativ Abstand zum Gegner schaffen und ihn dann mit mehreren nacheinander geworfenen Häusern sowie vielleicht einem brutzelnden Energiestrahl eindecken.
Unter zerstörten Gebäuden finden sich hin und wieder Bonus-Items, etwa für Gesundheitsauffrischung, und die UFOs beamen ebenfalls munter sammelbare Objekte aufs Schlachtfeld. Etwa um Mothra herbeizurufen, die dann einmal über die Arena fliegt und Bomben abwirft. Wer aufpasst, kann sich auch einen MASER-Panzer schnappen und auf den Gegner werfen, um ihn kurzzeitig einzufrieren.
Das ist alles nicht sonderlich spannend. Und wer nur im Singleplayer spielt, verpasst die Hauptattraktion des Spiels. Im Nahkampfmodus (beziehungsweise im Englischen dem titelgebenden Melee-Modus) dürfen auf der Couch oder online bis zu vier Kaiju gleichzeitig antreten. Logisch, dass die ohnehin schon chaotischen Kämpfe hier noch chaotischer werden. Doch das ist bei "Godzilla: Destroy All Monsters Melee Remastered" unerwarteterweise der Schlüssel zum Erfolg. Mit drei menschlichen Kontrahenten (die natürlich idealerweise Godzilla-affin sein sollten) wird die undynamische Spielmechanik zur Nebensache und es geht nur noch darum, unter großem Gejohle möglichst viel Schaden anzurichten. Ziemlich genau so, wie wir damals im Sandkasten des Pausenhofs die Filme nachstellten.
Technisch sieht man dem Spiel trotz moderner Unreal-Technik sein Alter an. Die Monstermodelle wurden zwar im Vergleich zu den 24 Jahre alten Originalversionen ordentlich aufgehübscht, doch die Umgebungen mit ihren blockigen, karg texturierten Gebäuden und simplen Fahrzeugmodellen wirken deutlich aus der Zeit gefallen. Das zeigt sich vor allem im Fotomodus, wenn ihr versuchen solltet, über Zooms und nahe Kameraperspektiven beeindruckende Standbilder der Monsterschlachten einzufangen.
Ein weiterer Stolperstein ist die etwas eigenwillige Kamera, die ab und an monstermäßige Probleme hat, das Geschehen übersichtlich einzufangen. So verschwinden beispielsweise auf Monster Island die Kontrahenten im Bildrand, wenn ihr euch zu sehr an die Arenabegrenzung herankämpft. Und immer wieder wirkt das Geschehen auch zwischen Wolkenkratzern durch die nicht justierbare Kamera sehr konfus. Genau wie die Filmvorbilder aus den 60er- und 70er-Jahren kann das Spiel nicht verbergen, dass es sich um einen B-Titel handelt. Und das solltet ihr trotz des niedrigen Verkaufspreises im Hinterkopf behalten, um nicht enttäuscht zu werden.
-ks
Kann mir jemand nachvollziehbar erklären, warum man im Titel nicht den naheliegenden Zusatz „Remonstered“ verwendet hat? Wenn es eine „low hanging fruit“ gibt, dann diese! Es ist generell schade, dass man in das Remaster nicht mehr Arbeit investiert hat, um daraus mit etwas mehr Feinschliff das Spiel zu machen, das es hätte sein können. Am ärgerlichsten finde ich dabei gar nicht mal die angestaubte Optik oder den äußerst billig animierten und synchronisierten Außerirdischen, der sich zu Beginn und Ende des Story-Modus kurz meldet. Viel schwerwiegender ist das komplette Fehlen der Originalmelodien aus den Filmen. Man denke nur an Godzillas ikonisches Thema oder den Militärmarsch. Wie viel cooler wäre es bereits gewesen, sich zu diesen Hintergrundmelodien durch die Städte zu kloppen? Die verwendete Musik lehnt sich zwar stark an Akira Ifukubes untrennbar mit Godzilla verbundene Kompositionen an, erreicht aber nie deren Qualität. Ich bin als quasi lebenslanger Godzilla-Fan zwar voreingenommen, doch ich erkenne ein mittelmäßiges Spiel wenn ich es vor mir habe. "Godzilla: Destroy All Monsters Melee" hat sich seit 2002 nicht grundlegend verbessert – und das kann ich mit Sicherheit sagen, da ich damals schon das Vergnügen hatte, das Original zu testen. Die Monster-Zweikämpfe sind zwar anfangs ganz lustig, aber dem Spiel geht die Luft so schnell aus wie einem Stuntman im stickigen Godzilla-Gummikostüm ohne Ventilationsöffnungen. Was dem Titel jedoch eine Daseinsberechtigung gibt, sind die herrlich chaotischen Viererkämpfe, bei denen zwar keiner so richtig weiß, was er gerade tut, aber irgendwie genau deshalb so viel Spaß aufkommt. Wer genügend Gleichgesinnte im Bekanntenkreis hat, darf allein deshalb mit dem Kauf des Budget-Titels liebäugeln.
-ks
Genre: Monster Fighting Game
Developer: Pipeworks Studios
Publisher: Atari
Schwierigkeitsgrad: 4-7
UPE: 29,99 €
Spielzeit: Ca. 10 Stunden
USK: 12
Muster von: Atari
Grafik:
Spaß:
