Hinweis: Die Screenshots wurden von Microsoft zur Verfügung gestellt. Es wurden mittels K.I. Forza Logos entfernt. Inwiefern die Screenshots von Microsoft nachbearbeitet wurden, konnten wir nicht verifizieren.

Big in Japan!

Forza Horizon 6

"Forza Horizon 6" fährt nach Japan – und bleibt sich fast zu treu. Ein Gast-Review von Gaststar Nedžad Hurabašić

Als "Forza Horizon" vor 14 Jahren als Ableger von "Forza Motorsport" erschien, war es schlicht nicht mehr als das: ein lauter, bunter Gegenentwurf zur Rennstrecken-Disziplin der Hauptreihe. Anstatt sich auf den etablierten Pisten dieser Welt Blech an Blech (oder eben Karbon an Karbon) Duelle zu liefern, übertrugen die Entwickler ihr Prinzip auf eine neue Horizon-Formel: raus in die weite Welt, ungezügelter, ungebundener – Open-World-Festival statt Rennstreckenfokus, Skill Chains statt Boxenstopp, Showcase-Events ersetzen das Qualifying für Rennen. Kurz gesagt: weniger reine Simulation, mehr Arcade-Racing.

Mehr als ein Jahrzehnt ist also vergangen, seit wir in Colorado den Staub mit rasanten Manövern abseits des Asphalts aufwirbelten. Seitdem hat euch die Reihe an ein knappes halbes Dutzend unterschiedlicher Locations verschlagen: Auf die USA folgten Südfrankreich & Norditalien (2014), Australien (2016), Großbritannien (2018) und Mexiko (2021), die alle ihre spielerischen Eigenheiten boten. Während der erste Teil die Grundidee etablierte – ein Autofestival auf öffentlichen Straßen als Rahmen – baute Playground Games aus dem Forza-Kosmos von Turn 10 heraus eine unverkennbare Formel zu einem immer größer werdenden Motorsport-Sandkasten aus: mehr Freiheit, mehr Social Driving, mehr offene Landschaft. Schließlich kamen Features wie Drivatare, eine zusammenhängende Online-Welt, Wettersysteme und nicht zuletzt saisonale Unterschiede dazu. Wechselnde Jahreszeiten beeinflussten seitdem Strecken, Fahrverhalten, Abkürzungen und Events.

Auf nach Japan! Es sollte niemanden überraschen, dass mit "Forza Horizon 6" dieses Prinzip weiterverfolgt und sogar ausgebaut wird. Diesmal verschlägt es Rennspiel-Enthusiasten ins Land der aufgehenden Sonne, im Mittelpunkt steht dabei die traditionelle japanische Autokultur mit ihren Touge Battles, Car Meets, Tokyo City, Bergpässen und natürlich ein starker JDM-Fokus – also Modellen und Varianten aus der japanischen Autokultur von Honda, Nissan, Toyota, Subaru & Co.

Wer für einen Moment die neue Umgebung ausblendet, fühlt sich als Veteran der Reihe gleich wie zu Hause, denn spielerisch hat sich auch beachtliche fünf Jahre nach der letzten Episode kaum etwas verändert. Zum einen liegt das daran, dass ihr immer noch wie die Verrückten mit Vollgas über Asphalt, durch Wälder und Unterholz donnert, dabei Zäune durchbrecht, den Gegenverkehr (Achtung, Linksverkehr in Japan!) aufmischt, waghalsige Sprünge über hunderte Meter hinlegt oder euch in spektakulär inszenierten Spezial-Events Duelle mit riesigen Mechs oder Sportfliegern liefert. Dass nichts schiefgeht und die Motivation hoch bleibt, liegt auch an der oftmals umstrittenen Rückspul-Funktion, mit der man so ziemlich jeden Fehler ungeschehen machen kann, auch wenn sie teils etwas zickig agiert.

Was die Entwickler nach wie vor hervorragend hinbekommen, ist das tadellose Fahrgefühl der 550 Wagen, bei denen stets der Eindruck aufkommt, dass sie doch sehr unterschiedlich auf eure Eingaben reagieren: Die einen sind bockig wie das Kind an der Supermarktkasse, andere Driften quasi bereits beim Angucken des Gaspedals querstehend über die Pisten, und dann gibt es noch die Fahrzeuge, die man mit ruhiger Hand und viel Zureden von ihrem Glück überzeugen muss: "Bitte, bitte - jetzt links abbiegen, ja?!" Obendrein verändern sich all diese Wesenszüge abhängig vom Untergrund, dem Wetter und dem Tuning, denn natürlich dürft ihr die extravaganten Boliden, schwerfälligen SUVs, rasanten Rallye-Geschosse, Oderwasauchimmer-Wagen nach Herzenslust an eure Vorlieben anpassen. Das alles fährt sich so geschmeidig, wie man es eben haben will, abseits der Open World, in den verschiedenen Renn-Disziplinen des Horizon Festivals oder "Discover Japan"-Reihe könnt ihr die Schwierigkeit so einstellen, dass selbst Kleinkinder easy als Erste ins Ziel kommen – oder ihr weinend und zeternd abgeschlagen am Ende des Feld eure Runden dreht.

Die Sammelwut kehrt zurück: Die zweite Säule des angesprochenen "Kenn ich doch!"-Gefühls rührt daher, dass die Entwickler euch – wie gehabt – mit Content überfluten. Die Map ist von Beginn an übersät mit Renn-Events aller Art. Als gäbe es in der offenen Welt nicht schon genügend zu erkunden, sammelt ihr bei diesen Events Erfahrungspunkte, um auf der Karriereleiter des Festivals aufzusteigen und ... noch mehr Rennevents freizuschalten: Driften, 1v1 Battles ("Touge"), Blitzer-Aufgaben, Weitsprung, Scheunenfunde, Rundkurse, Verfolgungsrennen - you name it! Selbstredend, dass ihr nebenbei neue Autos erbeutet, am Glücksrad dreht, Skillpunkte auf eure Lieblingskarossen verteilt, Schatzautos sucht oder euch online Herausforderungen annehmt. Dieser Überfluss an Modi kann auf der einen Seite schon erschlagend wirken – andererseits ist so aber auch gewährleistet, dass für jeden Geschmack etwas angeboten wird. Ihr habt null Bock auf Drift-Events (so wie ich)? Kein Problem! Sucht euch einfach eine der unzähligen anderen Rennveranstaltungen und ihr werdet genauso euren Spaß haben und Erfahrungspunkte, Stempel, Abzeichen und – natürlich – Autos sammeln.

So weit, so bekannt, denkt ihr? Stimmt! Viele dieser Features und Inhalte sind nicht wirklich neu oder höchstens ein bisschen aufgepeppt – anders ist das bei eurem Anwesen und den Garagen: Hier gibt es jetzt eine Vielzahl von Individualisierungsmöglichkeiten, wer also nicht genügend Zeit mit dem Tuning seiner Karossen verballert, kann an dieser Stelle zukünftig noch mehr im Spiel versenken und sich für gemeinsames Bauen im EventLab entscheiden. Ach ja, apropos Kollaboration: Koop-Gameplay gibt es in "Forza Horizon 6" zwar schon, aber nur mit Online-Spielpartnern – einen Splitscreen-Modus sucht man leider vergeblich.

Entdecke das Autoland Japan! Was "Forza Horizon 6" neben einigen neuen Events (u. a. Essenslieferung in Tokio, lol!) und der logischerweise an das Gastgeberland angepassten Grafik von seinen Vorgängern abhebt, ist quasi die zweite erzählerische Säule des Games: Als Alternative zu kleinen Story-Happen zum Festival wird euch die spezielle Autokultur Japans mit "Discover Japan" nähergebracht. Dabei geht es meist gar nicht so sehr ums schlichte Rasen. Vielmehr erkundet ihr mit einem Guide und wechselnden fahrbahren Untersätzen die blühenden Landschaften, bekommt von Land und Leuten erzählt und erfahrt jede Menge über japanische Autohersteller und eine fernöstliche Nation der Autonarren. Eine weitere Ebene sind beispielsweise Ausflüge für das weltberühmte Moto Auto Magazin, in denen ihr euch als Fotograf bzw. Stuntfahrer beweist und coole Shots mit heißen Karren liefern sollt. Auch hier steht das Genießen der Umgebung und der Wagen deutlich stärker im Vordergrund statt Skills beweisen zu müssen. Eine, wie ich finde, sehr gelungene Art und ein guter spielerischer Kontrast, euch die japanische Autokultur näherzubringen – Rasen und Chaos gibt es in den anderen Events und der Open World schließlich mehr als genug.

Und was hat sich in Sachen Grafik und Sound getan? Um ehrlich zu sein, hat es hier offenbar keine großen Veränderungen gegeben, aber das ist ja gemessen an der nachgewiesenen Qualität in der Vergangenheit "meckern auf hohem Niveau". Das Spiel sieht mit all seinen auf Hochglanz polierten und detailgetreuen Karosserien, den Wettereffekten, Sonneneinstrahlungen- und Reflexionen einfach klasse aus, das Geschwindigkeitsgefühl passt wunderbar und abseits von zwei Abstürzen auf der Xbox (in ca. 30 Stunden) gab es an der technischen Seite nichts auszusetzen. Auch die Jahreszeiten spielen wieder eine Rolle und verändern Japan nicht nur optisch, sondern teils spürbar auf der Straße – gerade wenn trockener Asphalt, nasse Kurven oder verschneite Höhenlagen den Charakter einer Strecke deutlich transformieren. Der astreine Sound reiht sich da nahtlos ein: Schaltgeräusche, laute Getriebe, das Klappern und Scheppern aufsetzender Karosserieteile, ohrenbetäubendes Beschleunigen oder Bremsen – hier zeigt das Spiel für einen Arcade-Racer mit Simulationsgerüst keine nennenswerten Schwächen.

-nh


GUT

 Am Ende bleibt natürlich unbeschadet aller zweifellos vorhandenen Qualität die Frage, wie stark die offensichtlichen Abnutzungserscheinungen der Serie an "Forza Horizon 6" nagen. Spielerisch hat sich am reinen Racing tatsächlich kaum etwas verändert, hier stagniert man trotz des einzigartigen Schauplatzes, trotz 550 oft wunderschönen Karos-sen, trotz einer interessant inszenierten "Discover Japan" Sidestory. Macht es Spaß, mit Highspeed am Mount Fuji vorbei durch die Open World zu rasen, die Veranstaltungen zu absolvieren und mit Vollgas keine Rücksicht auf Verluste zu nehmen? Aber ja! Allerdings setzt relativ fix auch eine gewisse Event-Müdigkeit ein – schließlich hat man das alles schon in den Vorgängern so oder so ähnlich zig Mal gesehen und erlebt. Wer als Ra-cing-Fan in den letzten 14 Jahren unter einem Stein gelebt hat und die "Horizon"-Serie nicht kennt, kommt an "Forza Horizon 6" kaum vorbei. Für Veteranen könnte es unterm Strich dennoch zu wenig sein, um über längere Zeit frische Begeisterung zu entfachen.

-nh

System: Xbox Series
Genre: Rennspiel
Developer: Playground Games
Publisher: Microsoft
Schwierigkeitsgrad: je nach Einstellung sehr leicht oder sehr schwer
UPE: 69,99 €
Spielzeit: Ca. 20 bis 30 Stunden
USK: 6
Muster von: Microsoft

Grafik:
83%
Sound:
82%
Präsentation:
78%

Spiel-
Spaß:
78%

Nedžad "Ned" Hurabašić lebt in Berlin und ist seit mehr als 20 Jahren in der Gaming-Branche unterwegs. Erst als Kind der 80er, geprägt von Arcade-Automaten, Homecomputern und der Popkultur dieser Zeit, später als Journalist, Autor und kritischer Beobachter einer Industrie, die sich seitdem mehrfach neu erfunden hat. Geschrieben hat er unter anderem für Computer Bild Spiele, GameStar, GamePro, Maniac, Eurogamer, PC Games, GIGA, Gamereactor, t-online, CHIP und BILD. Neben Games arbeitete er auch als Sport- und Musikjournalist, was seinen Blick auf Spielkultur, Inszenierung und die Geschichten hinter den großen Momenten bis heute prägt. Seine Themen reichen von Blockbustern bis zu kleinen Überraschungen, von Rennspielen bis Rollenspielen, von Technik bis Spielgefühl. Was ihn bis heute antreibt: herauszufinden, warum manche Spiele sofort zünden, andere trotz großer Ideen scheitern – und weshalb Gaming längst mehr ist als bloßer Zeitvertreib.

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