Tarnished to Go!
Elden Ring - Tarnished Edition
Für Nintendo-Kunden waren Soulslikes in den letzten Jahren eher Mangelware. Lediglich “Dark Souls Remastered“ oder verschiedene Indie-Projekte wie “Hellpoint“ haben es bisher auf die Switch geschafft. Die Durststrecke hat nun ein Ende. “Elden Ring Tarnished Edition“ für die Switch 2 ist, nach langem Warten, endlich erschienen. Dabei hat es anfangs gar nicht gut für FromSoftwares Runen-Jagd ausgesehen. Als 2025 die ersten spielbaren Demos für die Switch 2 zu sehen waren, fiel die holprige Performance auf dem Hybriden eher negativ auf. Nach einer langen Optimierungsphase ist “Elden Ring“ jetzt bei uns in der Redaktion eingetroffen. Lasst uns zusammen herausfinden, ob sich das lange Warten gelohnt hat.
Was soll man über “Elden Ring“ schreiben, was in den letzten Jahren seit dem Release nicht schon darüber gesagt worden ist? Es gibt kaum ein Spiel, welches mehr in seine Bestandteile zerlegt wurde, als Miyazakis Trip durch die Zwischenlande und darüber hinaus. Ah, ich weiß! Zum Beispiel, dass ihr mit der “Tarnished Edition“ das komplette Paket, bestehend aus Hauptspiel, plus DLCs nun als valide, tragbare Version bekommt. Natürlich lässt sich “Elden Ring“ schon länger auf dem Steam Deck spielen und andere, potente Handheld-PCs sind dazu auch in der Lage. Aber das ist manchmal mit lästigen Einstellungen und Getüftel verbunden, um auf diesen Geräten ein balanciertes Spielerlebnis zu erreichen. Auf der Switch 2: Einfach downloaden und gut ist.
Da Switch-Besitzer bisher nie in den Genuss von “Elden Ring“ gekommen sind, gehe ich kurz auf die Story ein. Als Befleckter (Tarnished), reist ihr in die Zwischenlande. Dieses große Reich wird von Unheil heimgesucht. Der Elden Ring wurde zerstört und mit ihm die Ordnung im gesamten Königreich. Der Herrscher ist gemeuchelt worden und die Königin ist verschwunden. Ein verheerender Krieg bricht aus. Nun kämpfen die Sprösslinge des Adelshauses um die Bruchstücke der Elden-Rune, damit ein neuer Herrscher gekrönt werden kann. Aus diesem Konflikt geht jedoch kein Sieger hervor und die Zwischenlande versinken im totalen Chaos. Nun ist es eure Aufgabe, die Bruchstücke des Elden Rings vom halbgöttlichen Nachwuchs des Königshauses zu ergattern, um Elden Lord zu werden und die Ordnung wiederherzustellen … Gar kein Druck, wie? Habt ihr das Intro gesehen, war es das auch schon mit der vorgekauten Story. Setzt ihr nach dem Tutorial euren ersten Schritt in das riesige Spielgebiet, dürft ihr euch in typischer FromSoftware-Manier jeden Fetzen Handlung kryptisch zusammen suchen. Ob man das nun mag, oder nicht. Es ist seit “Demon’s Souls“ auf der Playstation 3 ein Markenzeichen des Genres.
Auch der grundlegende Spielablauf bleibt hier dem Souls-Genre natürlich treu. Besiegt Feinde und Bosse. Ergattert dafür Runen und verbessert so euren Befleckten. Sterbt ihr und habt Runen in der Tasche, dann müsst ihr an den Ort der Schmach zurückkehren, um diese wieder aufzusammeln. Solltet ihr auf dem Weg dorthin nochmals das Zeitliche segnen, ist die Währung futsch. FromSoftware wäre nicht FromSoftware, wenn die Welt nicht zig Gegner auffährt, die nichts lieber tun, als Befleckte zum Frühstück zu verspeisen. Die Spiele aus Hidetaka Miyazakis Feder haben den Ruf, besonders fordernd zu sein. Und das sind sie zu einem gewissen Grad auch. Dennoch versucht Mr. Miyazaki trotz des hohen Schwierigkeitsgrades immer auch Fairness in seine Werke einzubauen. Das ist nicht immer offensichtlich und es verlangt definitiv eine gewisse Bereitschaft, sich darauf einzulassen. Aber wenn es einmal Klick gemacht hat, dann kann man gar nicht genug davon bekommen. Zumindest ging es mir vor vielen Jahren so, als ich die Souls-Formel lieben gelernt habe. “Elden Ring“ ist in diesem Punkt sogar noch deutlich besser, als viele seiner Genre-Kollegen. Während ihr in anderen Vertretern dieser Art gerne mal an einen Punkt geratet, wo eine bestimmte Sache unbedingt geschafft werden muss, um weiterzukommen, erlaubt “Elden Ring“ seinen Spielern, sich auf Situationen vernünftig vorzubereiten. Ihr schafft einen Boss nicht? Kein Problem. Dann geht erst einmal die Welt erkunden und seht was ihr finden könnt, um euch das Leben in den Zwischenlanden zu erleichtern. Waffen, Rüstungen, Zaubersprüche, mehr Runen und allerlei andere Hilfsmittel warten auf euch, die jedem eine ganz individuelle Herangehensweise an Hindernisse erlauben. Kämpft ihr als Magier, Samurai oder nur mit Unterhose und blanken Fäusten? “Elden Ring“ funktioniert auf diese Weise sowohl für Genre-Veteranen und Einsteiger zugleich. Wer die Herausforderung sucht, geht mit seinem festen Set durch die Welt und zeigt dem Gesockse in den Zwischenlanden, wer hier wirklich der Boss ist. Wem das aber zu schwierig ist, kann auf die vielen Waffen und Ausrüstungen zurückgreifen, die in der Spielwelt zu finden sind, um sich an jede Situation clever anzupassen. Wer die Gegner studiert und die Schwächen herausfindet, kann mit dem richtigen Werkzeug zur richtigen Zeit beträchtlichen Schaden anrichten. Die Vielfalt an Lösungsmöglichkeiten erlaubt es euch, euren ganz eigenen Stil für das Spiel zu finden. So etwas kann man gar nicht hoch genug loben. Auch wenn das Spiel im ersten Moment wie eine Dampfwalze auf ungeübte Spieler hereinbricht, ist diese mit etwas Köpfchen, Geschick oder beidem ganz schnell in den Griff zu bekommen.
Was nun buchstäblich in eurem Griff landet, ist eben dieses riesige Abenteuer für die Hosentasche. Sowohl im Dock, als auch im Handheld-Modus macht die “Tarnished Edition“ auf der Switch 2 eine gute Figur. Gerade wenn ihr die Runen-Hatz auf dem kleinen Bildschirm genießt, wirkt das Geschehen sehr flüssig und sauber. Im Dock-Mode läuft “Elden Ring“ ebenfalls recht gut. Aber bei Regen in den Zwischenlanden habe ich hier und da leider kleine Ruckler erkennen können. Die fallen während des Spiels aber nicht ins Gewicht. Selbst bei hektischen Boss-Kämpfen bleibt die Übersicht trotzdem erhalten, und eure Eingaben werden korrekt erkannt. Habt ihr einen TV mit VRR-Technik, dann sind diese Mini-Stotterer, seit Nintendos VRR-Update für die Docking-Station, kein Thema mehr. Dennoch hoffe ich, dass FromSoftware hier nochmal etwas nachbessert. Auch, dass die Framerate nicht gelockt ist und zwischen 30 und 45 Bildern pro Sekunde hin und her pendelt, könnte in meinen Augen eleganter gelöst werden, um auch für Bildschirme ohne VRR ein saubereres Bild zu erzeugen.
Optisch und akustisch macht “Elden Ring“ auf Nintendos zweiten Hybriden einen guten Job. Klar, im Vergleich zu höher motorisierten Gerätschaften hat die “Tarnished Edition“ schon Federn lassen müssen. Ihr habt etwas weniger Gras in der Umgebung. Auch Bäume und Büsche sind reduzierter. Texturen sind nicht ganz so hoch aufgelöst, Glanz- und Lichteffekte sind auch leicht gedimmt worden. Aber das ist alles mit so viel Sorgfalt passiert, dass ich wirklich den Eindruck bekomme: Das hier ist immer noch ein sehr schönes Erlebnis und es wird versucht, das Beste aus der Switch 2 zu kitzeln. Die Sound-Untermalung ist ebenfalls klasse umgesetzt. Wenn die stillen Melodien der einzelnen Biome plötzlich von den epischen Boss-Fanfaren durchpeitscht werden, hat das auch auf Nintendos tragbarem Spaßbringer den grandiosen Impact, den man auch von anderen Systemen kennt. Geräusche und Stimmen sind klar und wuchtig. Es scheppert genau so, wie es in den Zwischlanden sein muss.
Natürlich dürft ihr euch auf der Switch 2 auch online durch die Zwischenlande kämpfen. Entweder ihr stellt euch gemeinsam den Bossen oder versucht im PvP eure Fähigkeiten zu beweisen. Aber nichts davon ist Pflicht. Die Online-Verbindung geht in Ordnung. Es gibt diese typischen Server-Ruckler auch hier in der Nintendo-Version von “Elden Ring“. Aber das ist ein Problem, welches über alle Plattformen hinweg immer wieder auftaucht. Auf meiner Xbox Series X hatte ich dasselbe Phänomen, wenn ich die Spielsitzung auf online gestellt habe. Wer nicht zwingend auf die Web-Funktionen Wert legt und lieber alleine spielt, der kann durch das Spielen im Offline-Modus diese kleinen Ruckler komplett umgehen. Mache ich persönlich auch gerne so. Ich mag die Ruhe.
Seid ihr erst mal in den Zwischenlanden angekommen, ist Ruhe wahrscheinlich, aber erst einmal kein Thema mehr. Der Umfang der “Tarnished Edition“ umfasst, wie anfangs erwähnt, das Hauptspiel und den DLC “Shadow Of The Erdtree“. Um den DLC zu erreichen, müsst ihr einige Bedingungen im Spiel erfüllen und die richtige Stelle in der Welt finden, um die Schattenlande betreten zu können. Allein im Hauptspiel könnt ihr gut und gerne mehrere hundert Stunden investieren. Mit dem DLC kommen nochmal circa 30 bis 70 Stunden dazu. Obendrein hat FromSoftware mit Erscheinen der “Tarnished Edition“ noch ein paar Bonus-Waffen ins Spiel gepackt. Der Mini-DLC umfasst neue Ausrüstung und zwei neue Klassen und ist auch für Spieler anderer Systeme kostenpflichtig erhältlich. Und da haben wir meinen größten Kritikpunkt an dem ganzen Spektakel für unterwegs. Knapp 80 Euro für die digitale oder Key-Card-Version ist ein stolzer Preis. Natürlich erwarten euch hier viele, viele Stunden Spielspaß. Aber trotzdem handelt es sich immer noch um ein über vier Jahre altes Spiel mit seinen auch nicht mehr taufrischen Zusatzinhalten. Ob der zusätzlich geschaffene Mini-DLC hier als weiterer Kaufanreiz für euch funktioniert, müsst ihr natürlich selbst entscheiden.
-tl
Meine Güte, was für eine Erleichterung. Die Umsetzung auf die Switch 2 ist kein Reinfall geworden. Nach Monaten des Zweifelns hat uns Fromsoftware bewiesen, dass ihr Epos wunderbar für unterwegs funktionieren kann. Euch erwartet hier das volle Paket “Elden Ring Tarnished Edition“ mit allen bekannten Funktionen und Inhalten. Technisch macht der Titel sowohl im Dock als auch im Handheld-Modus einen zuverlässigen Job. Vor allem auf dem kleinen Screen wirken die Zwischenlande nochmal eine ganze Stufe sauberer als im TV-Modus. Kleine Ruckler hier und da fallen zwar auf, stören aber zum Glück nicht das Spielgeschehen auf dem Fernseher. Spieler mit VRR-TV haben hier einen Benefit und genießen ein leicht flüssigeres Geschehen. Trotzdem wäre es schön, wenn FromSoftware hier noch einmal etwas die Feile ansetzt, um allen das Gleiche zu bieten. Alles in Allem könnte das Gesamtpaket eine wirklich gelungene Sache für den Kunden sein, wenn da nicht der stolze Verkaufspreis wäre. Die technisch schwächere Version eines älteren Spiels, mit nicht ganz so alten Zusatzinhalten zum Vollpreis zu verkaufen, ist kein Schnäppchen. Der neue Mini-DLC mit zusätzlichen Waffen und den beiden neuen Klassen ist zwar eine nette Dreingabe, aber ob der für euch den Kauf attraktiver macht, ist natürlich eure Wahl. Unterm Strich bleibt aber eine gute Portierung von “Elden Ring“, mit ordentlich Inhalt, die auch auf Nintendos Hybriden zu stundenlangen Runen-Jagden einlädt.
-tl
Habt ihr auch das Gefühl, euch in die WiiU-Zeit zurückversetzt zu fühlen? Titel, die auf den “großen” Konsolen seit Jahren durchgekaut waren, wurden hier zweitverwertet. Oft gab es noch ein exklusives Alibi-Feature, was den Neupreis rechtfertigen sollte, während die Originale für PlayStation und Xbox schon längst in der Grabbel lagen. Genauso fühlt es sich heute an, nur ohne die Alibi-Features.
Im Gegenteil, mir fehlt sogar etwas. Für mich gehört zu jedem Souldborne-Titel zwingend ein Archievement-System. FromSoftware versteht es meisterhaft, die digitalen Sammlerstücke in die Struktur ihrer Spiele einzuarbeiten. Sie dienen als Checkliste und Meilensteine, um das Spiel komplett zu erleben, auch über das bloße Durchzocken hinaus.
Dennoch ist “Elden Ring” immer noch eines der besten Spiele der letzten Jahre. Ich weiß immer noch, wie mein erster Ritt durch Limgrave mich damals umgehauen hat und dieser Ritter ist immer noch mein Erzfeind. Schade finde ich allerdings, dass “Elden Ring” keinen nachhaltigen Einfluss auf die allgemeine Open-World-Wetterlage hatte, genau wie “Dragin's Dogma” und “The Legend of Zelda: Breath of the Wild” Jahre zuvor. In so gut wie allen anderen aktuellen Produktionen regiert weiter stur die Ubisoft-Formel.
-mn
Genre: Breath of the Soulsborne
Developer: Fromsoftware
Publisher: Bandai Namco
Schwierigkeitsgrad: Moderat bis schwer
UPE: 79,99€ digital und Key-Card
Spielzeit: 100+ Stunden
USK: 16
Muster von: Bandai Namco
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