Zug abbekommen
Denshattack!
Was haben “Densha de Go!” und “Jet Set Radio” gemeinsam? Eigentlich nichts, aber jetzt haben sie ein gemeinsames Kind: “Denshattack!”
Erinnert ihr euch noch an die Dreamcast-Zeit? Gefühlt war alles bunt, poppig, aufgedreht und so ganz anders als die Götterdämmerung, die finanziell bei SEGA herrschte. Spiele wie “Jet Set Radio” und “Space Channel 5” waren bunt, laut und versprühten eine mitreißende Fröhlichkeit. Videospiele machten selten wieder so viel Spaß — oder erinnert ihr euch an einen Titel aus der folgenden Piss-Filter-Ära, der euch vergleichbar im Kopf geblieben ist?
“Denshattack!” — nur echt mit Ausrufezeichen — trifft jetzt genau diesen Ton. Bunte Farben, große Flächen, dicke schwarze Outlines, alles ist irgendwie celshadig. Ebenso flippig ist die Musik, die jedoch nie stört oder zu viel ist. Und dieser Stil trifft genau den richtigen Ton für das, was das Spiel tut.
Tut tuuuut — haha, sorry, blödeste Überleitung ever. Ihr habt es euch schon denken können, es geht hier um Eisenbahnen. Wir sind im Japan einer fernen Zukunft. Umweltkatastrophen haben die Menschen in Kuppelstädte gezwungen, die durch Bahnlinien miteinander verbunden sind. Wir spielen die junge Emi, die mit ihrem Waggon Ramen ausliefert. Emi hat nicht nur fiese Theo-Weigel-Augenbrauen, sie kann auch ganz wunderbar mit ihrem Bahnwaggon umgehen. Das macht sie zur perfekten Kandidatin für die Denshattack-Szene. Hier wird gesprungen, gegrindet und durch die Kurven gedriftet, dass Tony Hawk neidisch werden könnte, nur halt mit Bahnwagen.
Dabei wird ein unglaubliches Spektakel abgebrannt. Emi springt Kilometerhoch, surft auf einer Lava-Welle, reitet ein außer Kontrolle geratenes Riesenrad. Dieses Spektakel allein würde schon genügen, um “Denshattack!” zu einem außergewöhnlichen Spiel zu machen. Das wahre Highlight ist hier aber die Steuerung, Diese ist so dermaßen griffig und auf den Punkt genau, dass es eine Freude ist, Bahnwaggons durch Hindernis-Kurse zu wuchten. Bei Sprüngen und Grinds verzeihen die Kontrollen sogar kleinere Timing-Fehler.
Natürlich gibt es ein Tricksystem und eine Superleiste, die damit befüllt wird. Ist die Anzeige voll, kann Emi auf einer Art himmlischem Schienenstrang surfen, der an ein ähnliches Feature in “F-Zero 99” erinnert. Hauptsächlich ist es Emis Aufgabe, einfach nur das Ende des Kurses zu erreichen. Dabei helfen großzügig (ja, ja!) verteilte Checkpoints und unendliche Versuche, die natürlich am Ranglisten-Platz knabbern. Abwechslung bringen Rennen und Trick-Events. Weniger gefallen hat mir eine Variante, in der ein kleines Sandbox-Areal frei bereist werden kann, um dort verschiedene Ziele zu erfüllen. Grundsätzlich ist das eine gute Idee, ich hätte mir aber eine bessere Wegführung gewünscht. Zum Glück kommen diese nur selten vor.
-mn
Es gibt sie tatsächlich noch, die wirklich mal neuen, frischen Ideen. “Denshattack!” liefert so viel Energie, Elan und Fröhlichkeit, dass man darüber fast die Katastrophen in der Videospielwelt vergessen könnte. Das Spiel ist sich bewusst, was es ist und was es nicht ist und bringt seine Stärken konsequent auf die Straße bzw. Schiene. Da zücke ich nur allzu gern mein Super-Gesicht. Kleinere Abzüge in der B-Note, wie die nervigen Sandbox-Level und generell etwas zu lange Kurse, kann ich da verzeihen.
-mn
Genre: Dreamcastiger Wahnsinn
Developer: Undercoders
Publisher: Fireshine Games
Schwierigkeitsgrad: 6
UPE: 19,99 €
Spielzeit: Bis der BER fertig ist
USK: 12
Muster von: Fireshine Games
Grafik:
Spaß:
