Nerdspielplatz par excellence
Crimson Desert
Sind riesige Open-Worlds noch rentabel? Das wird immer wieder diskutiert. Und zwar spätestens, seit klar ist, dass einige Firmen ständig ihre Copy-and-Paste-Formel anwenden, um Spielzeit unnötig zu strecken. Und das gleichzeitig, ohne das Spielerlebnis mit genügend Substanz zu untermauern. Studio Pearl Abyss setzt zu dem Thema hier ein klares Statement. Ob das am Ende reicht, kläre ich hier für euch.
Wer ist Pearl Abyss – sollte man die kennen? Der südkoreanische Entwickler ist bisher für sein recht erfolgreiches MMORPG "Black Desert" bekannt. Eine abwechslungsreiche Welt, ausgefeilte Klassen-Designs und rasante Kämpfe sind hier die Kernkompetenzen. Mit diesen Stärken im Gepäck möchte das Studio nun beweisen, dass sie auch im Premium-Singleplayer-Sektor mitmischen können. Während "Black Desert" komplett auf Mikrotransaktionen setzt, um sich zu finanzieren, wird bei "Crimson Desert" genau das Gegenteil getan. Eine 'einmal kaufen und gut ist'-Politik. Alle zukünftigen Inhalte sollen komplett kostenlos sein. Bisher hält sich Pearl Abyss an ihr Versprechen und patcht die Spielerschaft Woche um Woche seit Release immer glücklicher. Ob das in Zukunft auch so bleibt, werden wir sehen. Bisher gibt es allerdings kaum Anlass, das anzuzweifeln. Sowas ist in der heutigen Gaming-Industrie wirklich selten geworden.
Was auch selten ist, dass ich gleich mit meinen Kritikpunkten beginne. Normalerweise setze ich sowas eher zum Schluss eines Tests. Im Fall von “Crimson Desert” habe ich nur drei Kriterien , die ich vorab aus dem Weg schaffen möchte, um danach zu erklären, was hier für ein gigantisches Ding auf euch wartet.
Das Abenteuer startet sehr hektisch und erklärt seine Motivation zunächst kaum. Im ersten Moment verteidigt ihr euch gegen mehrere Angreifer aus dem Dunkeln, im nächsten steht ihr in einer Parallelwelt, klappert einen Rätsel-Parkour ab und werdet anschließend von einer Art Gandalf zugequatscht, dass ihr jetzt die Welt retten müsst – und Hauptcharakter Kliff ist kein bisschen darüber verwundert. So weit, so Klischee. Das allein ist kein Problem. Sondern dass die Erzählstruktur oft konfus und zusammenhangslos erscheint. Die Charaktere im Spiel reagieren manchmal unbeteiligt oder merkwürdig auf Geschehnisse in der Story. Dadurch wirken wichtige Ereignisse hin und wieder wie aus der Luft gegriffen. Als nächstes haben wir den Einstieg des Spiels. Hier warten erst mal eine Tonne an Aufgaben auf Kliff. Dadurch werden zwar wichtige Mechaniken erklärt, aber es dauert viele Stunden, bis ihr durch die Hauptgeschichte wieder Action erleben dürft. Nicht jeder hat den Atem und die Zeit für sowas. Punkt drei ist die schiere Flut an Informationen, welche Pearl Abyss hier dem Spieler aufbürdet. Nach und nach ergeben die vielen Möglichkeiten im Spiel Sinn. Anfangs seid ihr viel am Lesen und wisst aufgrund der zig Namen und Infos gar nicht, was davon wirklich wichtig ist. Hier wäre eine klare Linie ein besserer Weg gewesen, um seine Kundschaft an "Crimson Desert" heranzuführen. Lasst ihr euch aber auf die Einstiegshürde ein, erwartet euch hier eine unglaubliche Reise, wie es sie in der Qualität selten gibt.
Was hat der umfangreiche Fantasy-Trip denn zu bieten? Oh. Mann – wo fange ich da bloß an? Das Offensichtlichste ist die wundervolle Optik und Atmosphäre des Kontinents Pywel. Fünf Königreiche mit unterschiedlichster Flora und Fauna gibt es auf dem riesigen Kontinent zu bereisen. Die Entwickler sind geradezu verschwenderisch mit den Details der Spielwelt umgegangen. Selten habe ich eine so lebhafte und glaubwürdige Natur im virtuellen Raum erlebt – "Red Dead Redemption 2" wäre ein gutes Beispiel. Nicht nur huschen überall Insekten und Tiere aus den Büschen, wenn man ihnen zu nahe kommt, nein, auch Bäume und Felsen ergeben geographisch absolut Sinn in ihrer Anordnung. Dazwischen sind Orte und Dörfer perfekt platziert, so dass ein glaubwürdiges Öko- und Infrastruktursystem erzeugt wird. Dazu kommt die wunderbare Lichtstimmung. Selbst auf den Konsolen sorgen Raytracing und vielerlei andere visuelle Tricks dafür, dass die Immersion zum Schneiden dicht ist. Das hervorragende Sound-Design muss an dieser Stelle auch erwähnt werden. Mit Kopfhörern oder einer Surround-Anlage könnte man wirklich glauben, in der Natur oder in einem Dorf zu stehen – Qualität auf hohem Niveau. Hier zeigt Pearl Abyss viel Liebe zu ihrer Vision, und als Spieler macht es dadurch Spaß, die mystischen Ländereien auf lange Sicht zu erforschen.
Was wartet unter dem audiovisuellen Zucker auf euch? Jetzt kommt das eigentliche Bonbon. Im Laufe der Quests stehen drei spielbare Fantasy-Recken in eurem Kader. Jeder davon bringt sein komplett eigenes Move- und Fähigkeiten-Set mit. Während Held Kliff auf Schwerter, Schilde und Elementangriffe setzt, verteidigt sich die Kämpferin Damiane mit Rapieren, Pistolen und Magie. Hühne Oongka schwingt mit seinen orkischen Kräften Hämmer oder Zweihänder und wirkt schon fast wie eine Naturgewalt auf dem Bildschirm. Je mehr Fähigkeiten ihr im Spiel erhaltet, desto wilder wird die Reise und ihr fegt mit gottgleichen Attacken durch die Feindeshorden. Dabei könnt ihr euch frei entscheiden, welche Attribute ihr selbst durch bestimmte Ressourcen freischaltet, oder im Spiel von NPCs lernen wollt. Relativ zeitnah im Spiel bekommt Kliff den Abyss-Haken. Dieser magische Greifarm kann verbessert werden und ist dadurch auf verschiedenste Weise nutzbar – auch zum Kämpfen. Das Kampfsystem ist komplett auf Spektakel ausgelegt. Geschmeidig tänzelt Ihr durch die feindlichen Truppen und rasiert mit Bildgewalt alles, was nur nach aufmüpfigem Banditen-Gesocks oder Abyss-Monster aussieht. Werft und watscht im Kampf Feinde wie Bud Spencer durch die Gegend, schwingt mit dem Abyss-Greifer Superhelden-gleich auf dem Schlachtfeld herum oder nutzt die Umgebung als Werkzeug für euren Sieg. Ihr könnt es euch aussuchen, oder macht alles gleichzeitig. Wo Ihr drauf haut, wächst kein Gras mehr. Da sind euch kaum Grenzen gesetzt. Der erwähnte Greifarm ist nicht nur im Kampf nützlich, sondern auch sehr wichtig, um mit der Welt und den vielen Rätseln darin zu interagieren.
Die Rätsel in den verschiedenen Königreichen sind sehr kreativ und verlangen wirkliches 'Um die Ecke'-Denken. Es steht auch kein nerviger Sidekick daneben, der euch die Lösung schon nach fünf Sekunden petzt. Hier wird nur Hirnschmalz belohnt, oder ein Blick ins Internet vermutlich auch. Mit mehr Spielerfahrung erscheinen die Rätsel aber immer logischer und ihr fühlt euch nach dem Lösen wie ein kleines Genie – hat mich sehr motiviert.
Wirkliche Erfahrungspunkte hat "Crimson Desert" nicht. Ihr sammelt Abyss-Artefakte, die ihr in die einzelnen Skill-Trees des Trios einsetzt, um Charakter-Progression zu erreichen. Erinnert ein wenig an "The Witcher 3". Dort habt ihr auch einzelne Skill-Punkte vergeben, damit Gerald stärker wird. Im Hintergrund zählt wohl dennoch eine Art EXP mit, denn entdeckte Orte oder besiegte Feinde lassen euch ebenso Artefakte ergattern, wie durch Quests, Rätsel und Erkundung. Überall in Pywel sind Ruinen, Banditenlager, Höhlen etc. zu finden, welche mit Loot, Ressourcen und den erwähnten Artefakten bestückt sind. Craften könnt ihr natürlich auch: Waffen, Rüstungen, Tränke und Möbel für euer Haus – alles, was das Abenteurerherz begehrt. Die nötigen Mittel dafür sind in der kompletten Welt verstreut und müssen von euch hackend, jagend und schürfend ergattert werden. Diverse Händler bieten zwar auch Rohstoffe an, meist aber nur in kleinen Stückzahlen, so dass sich ein Ausflug mit Beil und Spitzhacke immer wie eine lohnende Aufgabe anfühlt.
Die Quests in den diversen Gebieten sind durchaus spannend gestaltet. Es gibt die typischen Basis-Befreiungsaufgaben, Rätsel-basierte Erkundungen und sogar gewaltige Schlachten, in denen ihr strategische Ziele erreichen müsst, um den weiteren Fortschritt zu triggern – gefällt mir! Ansonsten dürft ihr euch mit unzähligen Fraktions-Quests und NPC-Aufgaben beschäftigen. Alle davon bieten nützliche Belohnungen, um die Weiterreise von Kliff und seinen Freunden zu erleichtern. Nicht alles davon ist literarisches Gold. Dennoch finden sich immer wieder viele kleine Geschichten im Spiel, die Pywel nicht mechanisch, sondern zu einem lebendigen Ort machen.
Jede einzelne Mechanik von "Crimson Desert" in diesem Text unterbringen zu wollen, wäre schierer Wahnsinn. Neben den ganzen Interaktionsmöglichkeiten der Polygon-Welt, kommen noch die vielen Arten der Fortbewegung dazu. Wollt ihr reiten? Kein Problem! Was darfs sein – Pferd, Elch, Bär, Drache, Mech? Wenn euch das nicht juckt, dann schwingt mit dem Abyss-Haken wie Spiderman durch die Wälder und gleitet dabei noch mit Kliffs Zaubermantel durch die Lüfte. Ach ja, natürlich kann das kämpfende Trio auch fast überall hochklettern. Wenn die Fortbewegung in einem Open-World-Spiel Spaß macht, dann ist das schon die halbe Miete. Dazu kommt die immense Vielfalt, die Pearl Abyss hier auf seine Spieler loslässt. Hier ist der Kunde König und das merkt man in jeder Minute. All diese vielen Systeme greifen hier gut ineinander und vermitteln in Summe ein Gefühl von Freiheit, wie es kaum ein anderes Spiel hin bekommt. Einige der geskripteten Momenten lassen sich zwar nicht beeinflussen, aber der Großteil von Pywels Herausforderungen kann ganz nach eigenen Vorstellungen erledigt werden. Für jeden Fantasy-Nerd ein absoluter Traumspielplatz. Um alles in diesem Mammut-Spiel zu entdecken, könnt Ihr schon mal mehrere hundert Stunden einplanen. Davon hat mich bisher aber kaum etwas gelangweilt, weil die Spielwelt und das Design dahinter den Bildschirmgast vor der Mattscheibe ernst nehmen.
"Crimson Desert" habe ich auf meiner Xbox Series X gespielt. Zum Launch war der technische Zustand nicht wirklich überzeugend. Mittlerweile wurden massenhaft Updates geliefert, die den Ausflug ins Fantasieland inzwischen zu einem klasse Erlebnis machen. Neben einer Vielzahl an grafischen und technischen Verbesserungen, liefert das südkoreanische Team neue Inhalte am laufenden Band. Neue Reit- und Haustiere, Verbesserung der UI, neuer Loot- und Rüstungs-Sets und sogar zusätzliche Nebenquests haben es seit dem Release ins Spiel geschafft – und das, wie eingangs erwähnt, komplett kostenfrei. Ein Multiplayer-Modus soll ebenfalls noch nachgeliefert werden. Dieser wird komplett optional und beeinträchtigt später auch nicht euer Erlebnis, wenn ihr da keinen Bock drauf habt.
-tl
"Crimson Desert" möchte vor allem eins von euch, dass ihr es in Ruhe spielt und genießt. Die holprige Story und der lange Einstieg sind für mich kaum ein Grund das Spiel schlecht zu bewerten. Auch, dass hier viele gute Ideen verbaut wurden, die in den letzten Jahren vereinzelt in anderen Spielen enthalten waren, kann ich nicht kritisieren – Konkurrenz belebt das Geschäft. Was hier insgesamt geboten wird, ist der beste Deal seit langem. Während westliche Studios immer mehr auf Spielstreckung und Micropayment setzten, hat Pearl Abyss hier definitiv mehr auf Spaß und Inhalt Wert gelegt. Damit setzen sie ein klares Statement – es geht auch anders! Aus meiner Sicht, definitiv begrüßenswert. Die enorm vielen Mechaniken der virtuellen Ritterwelt können zunächst einschüchtern. Hat man sich damit aber auseinandergesetzt, ist "Crimson Desert" der absolute Traumspielplatz für jeden Fantasy-Fan. Obendrein überzeugen Grafik und Sound auf enrom hohem Niveau. In der Käuferschaft scheint der Wüstentrip gut anzukommen und beweist dadurch, dass sich mehr Aufwand in offenen Spielwelten immer noch auszahlen kann.
-tl
Ok, das könnte jetzt ein bisschen schräg werden. Denn möglicherweise erwartet ihr hier jetzt ein weiteres epochales 5 Seiten-Statement, das euch so ziemlich jeden Kniff dieses Spiels näherbringt und euch sagt, ob ihr “Crimson Desert” kaufen sollt oder nicht. Aber hey, sind wir doch mal ehrlich: Ihr habt genauso wenig wie ich Lust und Zeit auf ewig lange Ausführungen und wahrscheinlich reitet ihr längst selbst durch das Abenteuer-Spektakel oder schaut anderen beim Spielen zu, was zwar minimal langweilig und öde ist, aber bei den jüngeren Gamern unter euch nun mal der heiße Scheiss ist. Ich respektiere hiermit euren Wunsch und versuche es kurz zu halten.
Also:
Kauft es euch das Spiel.
Passt? Dann lesen wir uns bald wieder; bis denne.
Was denn, immer noch da?
Nein, ehrlich … es ist wirklich so gut … Also kauft euch Crimson Desert!!
Okay, dann halt doch ein kleines bisschen ausführlicher.
Solltet ihr nur annähernd Spiele wie “Skyrim”, “The Witcher 3”! und ja - die letzten beiden großen “The Legend of Zelda”-Spiele mögen, dann seid ihr bei “Crimson Desert” genau richtig. Sicher, die Story und Charakterentwicklung passt gefühlt auf ein Zettelchen des Blocks der Bedienung eurer Lieblings-Spelunke. Aber das tat sie auch schon bei ”Skyrim” und das wird munter seit 15 Jahren auf so ziemlich jedes Gerät, welches mit Strom und/ oder Batterien läuft, portiert.
Noch zu erwähnen wäre da auf jeden Fall die wirklich schöne Grafik. Sicher, in Städten, Dörfern und anderen belebten Situationen dürfte man als Epileptiker Gefahr laufen, schäumend vor dem Flachfernseher zu zucken; Menschen und Tiere gehen geregelten Abläufen nach, es herrscht reges Treiben und es schwirrt mehr Zeugs durch die Luft als in einem Ridley-Scott-Film. Aber in ruhigen Momenten werdet ihr verweilen und vielleicht auch mal mit der Share-Taste ein Bildchen knipsen. Schönere Panoramen und Landschaften habe ich lange nicht mehr in einem Telespiel bewundern dürfen.
Ansonsten…naja…alles wie gehabt, nur schöner, größer und manchmal auch umständlicher. Das Kämpfen ist mal eine einzige Bolzerei; mal müsst ihr gerade bei den Bossen taktisch vorgehen und egal, gegen wen ihr die Klinge zieht, der virtuelle Kameramann scheint sich eine ordentliche Prise Feenstaub reingeballert zu haben.
Erwähnte ich schon, dass das Spiel groß ist? Wenn Kliffy relativ zum Start des Spiels von den “Breath of the Wild”-inspirierten Himmels-Konstrukten springt, werden euch die Augen übergehen und ihr könnt euch schon mal überlegen, wie ihr eurer Frau/ eurem Mann beibringt, dass ihr die nächsten Wochen später ins Bett kommt oder warum ihr im geplanten Urlaub auf mieses Wetter hofft, damit ihr vor der Konsole gammeln könnt.
Bleibt noch zu sagen, dass sich die Entwickler wirklich vorbildlich mit Reaktionen und dem üblichen Gekreische aus dem Internet auseinandergesetzt haben und das Spiel regelmäßig so patchen, dass nicht nur grobe Design-Schnitzer, sondern auch der übliche Schmu behoben wurde.
Ob die Jungs- und Mädels in irgendwelchen südkoreanischen Kellern bei Ramen und Brot an Workstations gezurrt sind, ist nochmals ne andere Geschichte, aber Pearl Abyss zeigt anderen AAA-Entwicklern, wie man das Internet und die Spielerschaft gnädig stimmt. Noch was? Achja…man kann, wie das in solchen Mammut-Zocks üblich ist, sich dermaßen in Nebentätigkeiten verlieren. Angeln? Klar doch. Unmengen von Katzen und Hunden hätscheln und möglicherweise eine Armee von Fellnasen aufstellen? Auf jeden Fall! Für die lüsternen Gesellen unter euch, die mal wieder fernab von Hentai-Manga-Ischen mit Hasenohren ihre virtuellen Triebe nachgehen wollen, muss ich an dieser Stelle enttäuschen. Kliff ist zwar optisch ein Schnittchen, aber auch halt ein stoischer Haudegen; so wenig er redet, so wenig ist unter seinem Waffenrock los.
Ja, es gibt Büsche. Jede Menge Büsche —das wars dann aber auch schon, ihr Perverslinge. Wartet dann lieber auf das neue “Fable” oder schaut euch mal im Nintendo eShop um. Für mich persönlich heißt es jetzt erstmal Pause bei dem Spiel, denn ich mag es wirklich sehr, aber ich will mich auch richtig schön darin verlieren und warte dann lieber auf die nächsten freien Tage; zudem wollen für die Video Games auch noch andere Spiele getestet werden. Am Ende des Tages habt ihr mit “Crimson Desert” einen audiovisuellen Bombast-Open-World-Kracher, der euch wirklich lange beschäftigen wird und der sich dank der achtsamen Entwickler mittlerweile sehr viel geschmeidiger und besser spielt, als zum Release.
“Crimson Desert” stellt vorerst die Speerspitze an Fantasy-Open-World-Games dar und CD Projekt RED muss ich mit ihrem “The Witcher 4” schon ordentlich ins Zeug legen, wenn sie dieses Brett vom Thron stoßen wollen. Die Welt ist nicht nur riesig, sondern lebt, atmet und fesselt euch zu jeder Sekunde an den Controller. Seit “The Witcher 3” und “Tears of the Kingdom” bin ich nicht mehr so in eine Fantasy-Welt gesaugt worden und muss sagen, obwohl sich das Spiel großzügig bei anderen Genre-Vertretern bedient, bringt “Crimson Desert” genug Kreativität mit, um euch dennoch zu überraschen.
Oder wann seid ihr in einem Spiel auf einem Pferd jemals gedriftet?
Die anfänglichen Makel wurden vorbildlich von den Entwicklern ausgemerzt und während ich diese Zeilen schreibe, beschleicht mich der leicht ungute Gedanke, dass irgendwo gerade in Südkorea bleiche, ausgehungerte Menschen vor fahlen Screens sitzen, um an weiteren Verbesserungen zu arbeiten. Doch werden diese Bemühungen hoffentlich belohnt; nicht nur für mich ist Crimson Desert schon jetzt ein Anwärter auf das Spiel des Jahres und obwohl am Horizont ein gewisses Gangster-Epos lauert, wird es seine hoffentlich erhaltenen Auszeichnungen einheimsen. Wenn ihr bis zum Herbst nur ein Open-World-Spiel braucht, dann reitet mit den Graumähnen!
-mw
Puh, da sind die beiden aber eskaliert mit ihren Lobpreisungen und GOTY-Schnellschüssen! Und ja, “Crimson Desert” ist ein verdammt, verdammt gutes Spiel. Kritik muss man hier wahrlich mit der Lupe suchen. Nun, dann wollen wir besagte Lupe mal auspacken. Als bekennender Konsolero erkenne ich sofort, dass das Spiel auf einer PC-nahen Entwickler-Umgebung groß geworden ist. Entsprechend kneift und zwickt es auf den Konsolen und das nicht nur technisch. Der Controller ist doppelt und dreifach belegt und nicht alle Kombinationen erscheinen mir sinnvoll. Warum muss ich Händler erst mit L1 anvisieren, wenn ich mit ihnen sprechen will? Bei der Anfangs-Mission wurde ich mit Karacho aus der Burg geworfen und dachte zuerst, ich sei nun im gesamten Dorf in Ungnade gefallen, sodass die örtlichen Händler mich jetzt mit dem Arsch nicht mehr angucken. Also habe ich mein zum Bersten gefülltes Inventar durch Wälder und über Berge zum nächsten Kaff geschleppt — gleiches Bild. Ich hatte nach einer kleinen “Pragmata”-Pause schlicht vergessen, dass es die L1-Mechanik gibt.
Okay, das geht auf meine Kappe. Für meine Vergesslichkeit können die Entwickler nichts. Wohl aber für die penetrante Kleinteiligkeit. Held Kliff fängt einzelne Fruchtfliegen (!) für seine Alchemie-Versuche. Diese und anderes einsammelbares Viehzeug ist so winzig, dass sie nur anhand eines ebenfalls winzigen Cursors erkennbar sind. Ich habe mich schon dabei erwischt, dass ich beim Überqueren einer Wiese permanent auf die Sammel-Taste gehämmert habe und dabei “Resident Evil”-Flashbacks hatte — ihr wisst schon, die alten Teile mit den gerenderten Kulissen, wo man Items höchstens ahnen konnte.
Blumenwiesen sind eh ein Geduldsspiel in “Crimson Desert”. Wer sich einen bunten Strauß pflücken möchte, der muss eine eeeewiglange Sammel-Animation ertragen. Auch wünsche ich mir, das Gemüse würde sich farblich stärker abheben. Ich weiß ich bin gerade maximal pingelig, aber genau diese Dinge sind es, die ein “Elden Ring” zu einem herausragendem Spiel machen, während ein “The Witcher 3” nur ganz gut ist.
Generell bin ich aber happy mit dem Spiel und froh, dass sich im ubisoftig-eingefahrenen Open-World-Genre endlich mal was tut. Immerhin ist es schon wieder neun Jahre her, dass “Breath of the Wild” die Fenster tüchtig aufgerissen und durchgelüftet hat. Getan hat sich seither allerdings herzlich wenig. “Genshin Impact” und “Immortals Fenyx Rising” haben lediglich den Look kopiert. Einzig “Elden Ring” und Zeldas eigener Nachfolger “Tears of the Kingdom” haben tatsächlich etwas bewegen können. “Crimson Desert” findet sich nun auch in dieser illustren Riege ein und hat sich seinen Videogames-Classic-Award redlich verdient — trotz der lahmen Sammel-Animation.
-mn
Genre: Open-World-Action-Adventure
Developer: Pearl Abyss
Publisher: Pearl Abyss
Schwierigkeitsgrad: einstellbar
UPE: 69,99 €
Spielzeit: mehrere hundert Stunden
USK: 18
Muster von: selbst gekauft
Grafik:
Spaß:
