Big City Nights
City Hunter
Da isser wieder!
… ja, genau das habe ich auch gedacht. Ursprünglich wollte ich die Headline "Er ist wieder da!°. Und nein, ich habe es mich nicht-nicht getraut. Es vermittelt einfach den falschen Vibe. Wir wollen eintauchen in die leichtlebigen 80er, nicht in die essigsauren 40er.
Ryo Saeba, der namensgebende City Hunter, ist eine Mischung aus Magnum, den beiden Typen aus "Miama Vice" und eigentlich jedem Privatschnüffler bis auf Josef Matula. Lässig wallt sein Seidenhemd über Ringer-Kreuz und stolz geschwellter Heldenbrust. Außen Macho, innen Softie, kann er keiner Dame in Not widerstehen. Seine Knarre hat 500 Schuss aber seine Faust ist immer geladen. Hachja!
Neben zahlreichen Anime-Adaptionen und einem Realfilm, schaffte es der umtriebige PI auch auf eine 1990 erschienene HuCard. Der gleichnamige PC-Engine-Titel gilt bis heute als Geheimtipp für Action-Enginauten, blieb aber in Japan – bis heute. Der einstige Nischen-Publisher Red Art Games bringt die Retro-Pixelei aufgefrischt auf aktuelle Systeme.
Startet Ihr das Spiel, hat Ryo drei Fälle zu lösen. Böse Wissenschaftler, die Mafia und sogar der Tierschutzverein, sie alle wollen unserem Helden ans Kunstleder – ja echt, auch der Tierschutzverein. Ich denke mir das nicht aus. Das Gameplay erinnert dabei an eine Mischung aus "Rolling Thunder" und "Shinobi". Ryo kann auf Knopfdruck springen, sich ducken und nach links und rechts schießen. Glücklicherweise hat er eine hohe Feuerrate und Munition ist kein Thema. Die Feuerkraft ist auch dringend nötig, denn die feindlichen Tierschützer stürzen sich Rudelweise auf unseren Helden. Dank der fast Contra-würdigen Knarre habt Ihr aber stets ein schönes Gefühl der Überlegenheit.
Dazu hilft auch ein üppiger Lebensbalken. Der ist auch bitter nötig, denn Gesundheits-Pickups gibt es hier nicht. Ryo kann einer der seltenen Krankenschwestern besuchen, die ihm aber nur einmal helfen. Die Levels bestehen aus langen Gängen mit Türen, die in einzelne Büroräume führen. Treppen bringen Euch in weitere Stockwerke, die wiederum Türen haben. Klingt nach "Silent Hill", ist aber nur halb so verwirrend wie es gerade klingt. Trotzdem wäre eine Mini-Karte hilfreich gewesen.
Trotz des mittlerweile biblischen Alters von über 35 Jahren, macht der "City Hunter" immer noch Spaß. Das liegt am flotten Action-Gefühl, der schnellen und präzisen Bewegung unseres Privatschnüfflers und seiner kräftigen Knarre. Problematisch wird es nur, wenn er in eine Gruppe von Gegnern hineinläuft und unvermeidlich Schaden nimmt. Das passiert besonders dann, wenn er Treppen benutzt oder Büroräume verlässt, um dabei in einen genau hier gespawnten Tierschützer zu stolpern.
Hier hilft die praktische Rückspulfunktion der Neuauflage. Mittels Druck auf R2 dreht Ihr die Zeit zurück und streift den frisch erlittenen Schaden einfach ab. Trotzdem wäre es schöner gewesen, wenn die Entwickler der Neuauflage das Gedrängel an der Tür direkt angegangen wären. Das und eine allgemeine Armut an spielerischer Abwechslung sorgen leider dafür, dass ich nur mäßig verliebt in den "City Hunter" bin und keinen Classics-Award zücken mag.
Wirklich liebevoll ist das Drumherum. Üppige Galerien lassen Euch in der originalen Anleitung blättern und auf die HuCard zoomen. In der Soundtrack-Sektion könnt Ihr unveröffentlichten Stücken lauschen. Publisher Red Art Games hat auch physische Versionen im Gepäck, inklusive schicker Sammelbox mit Artbook und Soundtrack-CD.
-mn
Ich will den "City Hunter" mögen – wirklich! Er schießt, er rennt, er hat Schlag bei Frauen – aber letztlich ist sein Job nicht sonderlich abwechslungsreich. Es geht entweder den Korridor rauf oder den Korridor runter. Wirklich schwierig ist sein Verhältnis zu Türen und Treppen und den Menschentrauben, die sich dort bilden. Die unfair platzierten Tierschützer offenbaren das wirkliche Alter des Spiels und die Risse unter dem eigentlich gefälligen Action-Putz. Ich werde dem "City Hunter" immer noch wohlwollend zunicken wenn wir uns auf der Straße begegnen. So regelmäßig in mein Laufwerk wandern wie ein "Contra" oder "Metal Slug" wird er aber nicht. Sorry, tapferer Privatschnüffler!
-mn
Genre: Run 'n Gun
Developer: Sunsoft
Publisher: Red Art Games
Schwierigkeitsgrad: Unfair, mit Rückspuler
UPE: 24,99 €
Spielzeit: Ca. 3 x 30 Minuten
USK: 16
Muster von: PressEngine
Grafik:
Spaß:
