„ZAS“ oder wie Tim es nennt: Der Gral!
Chikyū Kaihō Gun ZAS
Jeder Sammler von Retro-Videospielen kennt das. Den einen heiligen Gral oder weißen Wal, den man über Jahre hinweg verfolgt und nie bekommt. Entweder ist das Spiel der Begierde viel zu teuer, der Zustand ist schlecht oder es ist schlichtweg kaum verfügbar. Für mich war dieses Spiel über 20 Jahre lang: “Chikyū Kaihō Gun ZAS“ für den guten alten Nintendo Game Boy. Aber warum erzähle ich euch das? Ganz einfach, Modretro hat im Juni 2026 diesen alten Shmup-Klassiker als lizensiertes Repro-Modul zurück auf den Markt gebracht. Ob das alte Pew-Pew-Spiel heute noch was taugt, lasse ich euch hier wissen.
Für den klassischen Game Boy gibt es einige gute Shooties. Die bekanntesten sind natürlich Umsetzungen der damaligen Arcade-Hits wie: „R-Type“ und “Sagaia“ aka „Darius“. Auch Konami schickte seine Gradius-Franchise mit dem Namen “Nemesis“ in Europa auf Nintendos Pixel-Klotz. Trotz der prominenten Konkurrenz gibt es natürlich auch für den GB ganz eigene Konzepte um das Genre der Shmups-To-Go von anno dazumal. Im Dezember 1992 veröffentlicht T&E Soft einen der wenigen vertikal scrollenden Shooter für das tragbare System. Leider hat es das Modul nie über den japanischen Markt hinaus geschafft, was es ohnehin schon zu einer Kuriosität macht. Die Auflage des Spiels ist seiner Zeit auch nicht sehr hoch gewesen. Mittlerweile werden absurde Sammlerpreise dafür verlangt, die mit OVP schon mal in den vierstelligen Bereich gehen können. Somit hat es mich richtig gefreut, davon jetzt ein bezahlbares, lizensiertes Repro-Modul zu ergattern, um den leeren Grals-Platz in meinem Regal endlich befüllen zu dürfen… wenn auch mit einer Replika.
Was bietet das neu aufgelegte Shmup für den Spieler von heute? Zunächst dürft ihr euch eines von vier Level zum Start auswählen, um sie dann nacheinander zu meistern. Habt ihr dies geschafft, schaltet sich die finale, fünfte Stage frei, um sich dem letzten Endgegner des Shooters zu stellen. Euer Kampfgleiter kann zwei verschiedene Angriffs-Varianten ausführen. Im geschlossenen Modus ist euer Raumschiff agiler, deckt aber mit seinen Schüssen nur wenig Raum ab, um feindliche Einheiten zu attackieren. Der offene Modus hingegen verschafft euch breite Schuss-Salven, damit lässt auch eine Gruppe von Gegner gut von eurem Bildschirm zu ballern. Im Gegenzug ist euer Vehikel im offenen Modus deutlich langsamer. Natürlich gibt es auch Power-Ups für eure Bordkanonen, um die Schusskraft zu erhöhen. Die tauchen in Form von Kapseln in jedem Level auf, deren Inhalt durch Feuerkraft von euch befreit werden muss. Soweit so Standard, oder?
Der Kniff von “Chikyū Kaihō Gun ZAS“ besteht darin, die beiden Schuss-Modi so zu kombinieren, dass euch nichts mehr aufhalten kann. Im kleinen erinnert das schon an Spiele wie “Dodonpachi“, wo ihr auch zwei Feuer-Varianten benutzt, um euch dem mörderischen Kugelhagel zu stellen. Anders als bei den Spielen von CAVE, handelt es sich bei “ZAS“ nicht um einen Bullethell-Shooter. Das Team von T&E Soft setzt hier auf vereinzelte Feind-Projektile wie bei “Gradius“ oder “R-Type“. Das bedeutet zwar, dass weniger feindliche Salven auf dem Bildschirm sind, die euch das Leben schwer machen wollen. Dafür sind diese aber deutlich zielgenauer auf euren Gleiter fixiert, weshalb diese Variante nicht weniger fordernd ist. Um die fünf Levels 1CC, also mit nur zwei Leben, zu schaffen, gehört ordentlich Übung dazu. Wem das nicht reicht, jagt natürlich noch nach den höchsten Punktzahlen.
“ZAS“ ist nicht nur spielerisch seiner Zeit ein wenig voraus, sondern hat technisch auch eine Überraschung mit an Bord. Wer den Titel das erste mal in seinen Game-Boy-Schacht steckt und startet, dem wird auffallen, dass hier sogar eine Art Paralax-Scrolling im Hintergrund stattfindet. Normalerweise ist der Game Boy nicht wirklich im Stande solche aufwändigen Effekte zu erzeugen. Tadashi Nakatsuji und sein kleines Team haben die Fähigkeiten des Game-Boy-Bildschirms so ausgereizt, damit ein Ähnliches Ergebnis erzielt werden kann. Um es technisch simpel zu erklären, werden die Hintergrundgrafiken in hoher Frequenz versetzt an- und ausgeblendet, damit im Hintergrund der Tiefen-Effekt erzeugt wird. Für das menschliche Auge ist die Frequenz-Abfolge nicht wahrnehmbar und schon ist der Pralax-Ersatz geglückt. Für mich persönlich, ist das eine technische Meisterleistung und das schon so früh in der Ära des klassischen Game Boy. Allein dieser Bildschirm-Trick macht das Spiel auch schwer zu emulieren. Weil die Frequenz exakt auf die des Game-Boy-Screen abgestimmt ist und das Spiel quasi davon abhängig ist, seinen Zauber zu wirken. Bisher hat man das sauberste Erlebnis eben mit dem originalen Modul auf Big-Ns Retro-Ziegel gehabt. Wer nicht schon früh importiert oder durch Zufall ein günstiges Exemplar von “Chikyū Kaihō Gun ZAS“ ergattert hat, der musste die letzten Jahre sehr tief in die Tasche greifen, um dieses Spiel vernünftig zu erleben.
-tl
Zunächst ein paar Worte zur Akustik vom “ZAS“. Die Melodien der einzelnen Stages gehen gut ins Ohr und treiben an. Das ist wichtig in dem Genre. Auch wenn mir die Musikstücke gefallen, an die Konkurrenz von Konami und Co. Kommen die Kompositionen nicht heran. Die Schussgeräusche und Explosionen könnten auch etwas wuchtiger sein, aber stören dadurch die musikalische Untermalung etwas weniger… gefällt mir. In puncto Sound haben wir ein solides GUT.
Nach 32 Jahren bekommen Game-Boy-Fans endlich eine leistbare Version des klassischen Shooters “Chikyū Kaihō Gun ZAS“ für ihre alte Eminenz. Natürlich erwartet euch hier kein Umfangs-Monster, sondern eine typische Game-Boy-Erfahrung aus 1992. Fünf Levels, zwei Schuss-Modi und euer Durchhaltevermögen sind Teil des Konzepts. Um euch die Wiederholung zum Neustart zu versüßen, zaubert “ZAS“ für damalige Verhältnisse spektakuläre Bilder auf den GB-Screen. Dazu begleitet euch der stimmige Soundtrack. Im Großen und Ganzen bin ich als Fan klassischer Shooties ziemlich von “ZAS“ angetan und würde sagen, für mich hat sich das lange, laaange Warten ausgezahlt. Wer allerdings die technische Brillanz und den Umfang von moderneren Retro-Shootern erwartet, wird hier nicht lange Spaß damit haben. Solltet ihr aber zwischendurch die simple Art eines klassischen Game-Boy-Spiels bevorzugen, dann kann ich euch diesen Titel hier ans definitiv Herz legen.
-tl
Puh, darf ich das Tim überhaupt sagen? Ich bin tatsächlich einer der erwähnten Gralshüter. Vor einigen Jahren lief mir ein originales, loses Modul für vergleichsweise günstige 90 € über den Weg. Seither bin ich verliebt. In das Leveldesign, in die für Game-Boy-Verhältnisse herausragende Grafik und vor allem in die Kürze des Spiels.
In meinen Augen ist seine Kompaktheit nämlich die größte Stärke von “ZAS”. Hier könnt ihr fünf, zehn oder 20 Minuten spielen und bekommt immer Qualität geboten. “ZAS” gibt durchgehend Vollgas und leistet sich keine Hänger oder Füller. Und genau das ist es, was für mich ein gutes Shmup von einem echten Klassiker trennt.
Wenn ihr das Spiel in bestmöglicher Qualität erleben wollt, dann empfehle ich euch Analogues Pocket. Selbst FPGA-Systeme scheitern oft an dem von Tim erwähnten Parallax-Effekt. Die Schrauber von Analogue haben es aber tatsächlich hinbekommen.
-mn
“ZAS” kam damals zu einer Zeit, als mir mein kleiner grauer Ziegel bereits am Allerwertesten vorbei ging und nur noch auf den großen, bunten Konsolen gedaddelt wurde. Somit traf ich eine von sehr vielen Fehlentscheidungen und verkaufte das Modul damals wieder. Jahrzehnte später reiht sich diese Handlung gnadenlos in die “Was-zumFuck-hab-ich-mir-damals-nur-gedacht“- Reihe ein und das Spiel geht wie viele Retrogames mittlerweile für Gebrauchtwagenpreise über den Tisch. Umso schöner, dass es nun eine wirklich tolle Neuauflage gibt, für die man weder Omis Zungenfertigkeiten noch seine Nieren verkaufen muss. In formschöner Packung samt farbigem Manual bekommt ihr eines der besten Gameboy-Shmups und es macht tatsächlich heute noch Spaß. Gerade auf dem gestochen scharfen Displays des ModRetro-Gameboy ist es ein Heidenspaß zu sehen, wie durch clevere Programmiertricks alles aus der Hardware geholt wird. Egal ob das flüssige Parallax-Scrolling, die stimmungsvollen Chiptune-Tracks, die detaillierten Endgegner oder der hohen Feind-und Geschossdichte – der Gameboy glüht, wenn ihr ihn mit diesem Action-Feuerwerk füttert. Neben der Shooter-Riege um “Gradius”, “Solar Striker” und “R-Type” sollte dieses Modul nun wirklich in keiner Gameboy-Sammlung mehr fehlen.
-mw
Genre: Vertikal Shoot-’em-Up
Developer: T&E Soft, 1992
Publisher: Modretro
Schwierigkeitsgrad: Moderat bis schwer
UPE: 49,99 € (Repro-Modul)
Spielzeit: ca. 30 Minuten, hoher Wiederspielwert
USK: ohne
Muster von: selbst gekauft
Grafik:
Spaß:
