Gereift wie französischer Brie

Assassin's Creed Unity

Wenn Ihr RPGs mit guter Story mögt, gerne unerkannt durch das revolutionäre Paris schleicht und immer mal nur ein paar wenige Stunden in Missionen stecken möchtet, seid Ihr bei "Assassin’s Creed Unity“ gut aufgehoben und werdet bestens unterhalten.

Manchmal brauchen Spiele einfach Zeit. Oder besser gesagt: die richtige Plattform, die richtige Distanz und die richtige Erwartungshaltung. "Assassin’s Creed Unity“ ist genau so ein Kandidat. Zum Release 2014 von technischen Problemen überschattet und schnell abgestempelt, erlebt das Spiel auf der PlayStation 5 eine Art zweite Chance – und wirkt heute fast wie ein Titel, der seiner Zeit voraus war.

Das Setting ist dabei einer der größten Pluspunkte. Die Französische Revolution bietet nicht nur eine spannende historische Bühne, sondern auch eine dichte, glaubwürdige Welt. Paris wirkt lebendig, eng, chaotisch – genau so, wie man sich diese Zeit vorstellt. Menschenmengen füllen die Straßen, politische Unruhen sind allgegenwärtig, und zwischen all dem bewegt sich der Spieler als stiller Beobachter und Eingreifer zugleich.

Gerade für Spieler über 40 entfaltet das Spiel hier eine besondere Stärke: Es nimmt sich Zeit für Atmosphäre. "Unity“ will nicht permanent beeindrucken, sondern wirkt über seine Details. Fassaden, Gassen, Innenräume – alles greift ineinander und ergibt eine Welt, die sich nicht wie eine Kulisse anfühlt, sondern wie ein Ort, den man erkundet.

Spielerisch ist "Assassin’s Creed Unity“ näher an klassischen Stealth-Erfahrungen als viele seiner Nachfolger. Schleichen ist kein optionales Beiwerk, sondern oft der sinnvollste Weg. Missionen lassen sich auf unterschiedliche Arten angehen, und gerade das planvolle Vorgehen erinnert stellenweise an Titel wie "Thief“ oder modernere Vertreter wie "Dishonored“. Wer Geduld mitbringt, wird belohnt – wer ungestüm vorgeht, bekommt schnell die Quittung.

Das Missionsdesign unterstützt diesen Ansatz. Viele Aufgaben sind klar strukturiert und lassen sich in überschaubaren Zeitfenstern spielen. Genau das macht "Unity“ auch heute noch angenehm: Man kann sich für ein, zwei Stunden hineinsetzen, eine Mission abschließen und hat das Gefühl, etwas erreicht zu haben – ohne gleich einen ganzen Abend investieren zu müssen.

Technisch profitiert das Spiel spürbar von der PS5. Ladezeiten sind kurz, die Performance stabil, und die ohnehin schon beeindruckende Darstellung von Paris kommt noch besser zur Geltung. Was damals unter technischen Problemen litt, wirkt heute rund und deutlich zugänglicher.

Die Story selbst ist solide, wenn auch nicht überragend. Sie begleitet den Protagonisten Arno durch persönliche Konflikte und politische Umbrüche, ohne dabei ganz die emotionale Tiefe zu erreichen, die man sich vielleicht wünschen würde. Dennoch trägt sie das Spiel gut und passt zur insgesamt etwas ruhigeren, bodenständigeren Ausrichtung.

Natürlich merkt man dem Spiel sein Alter an. Einige Systeme wirken heute etwas sperrig, die Steuerung ist nicht immer so präzise, wie man es von modernen Titeln gewohnt ist, und gelegentlich schleichen sich kleinere Ungereimtheiten ein. Doch gerade in der Summe dieser Elemente zeigt sich auch der Charakter des Spiels: "Unity“ ist kein glattgebügeltes Produkt, sondern ein Spiel mit Ecken und Kanten.

Für die Ü40-Zielgruppe ist genau das oft kein Nachteil. Im Gegenteil: Viele werden hier ein Spiel finden, das nicht jede Entscheidung vorgibt, das Freiraum lässt und das seine Stärken in Atmosphäre und Struktur ausspielt statt in Dauerbeschallung und Effekten.

-ts


SUPER

 Am Ende ist "Assassin’s Creed Unity“ vielleicht eines der unterschätztesten Spiele der Reihe. Auf moderner Hardware zeigt sich, was schon damals angelegt war: ein fokussiertes, atmosphärisches Stealth-Adventure, das weniger auf Größe als auf Dichte setzt.

Und manchmal ist genau das mehr wert.

-ts

GUT

 Ich muss gestehen, auch ich war damals enttäuscht von "Unity". Der Vorgänger "Black Flag" hatte eine dermaßen würzige Duftmarke hinterlassen, da konnte das olle, verbuggte Paris einfach nicht gegenan stinken – und bitte entschuldigt die Pups-Methaphern. Ich sammle gerade die Happy-Meal-Spielzeuge zum neuen Super-Mario-Film, mit merklichen Auswirkungen auf meine Darmflora.

Jedenfalls hatte "Unity" einen schlechten Stand bei mir. Ich habe als Kind Hornblower gelesen und liebe das Seefahrer-Setting. "Black Flag" war mein erster Titel auf der gerade neuen PS4 und und die azurblaue Korallen-See hatte einen ähnlichen Wow-Effekt auf mich wie "Super Mario Sunsine".

Moment … Bin gleich wieder da … so, geht wieder. Trotz all der Bugs und Widrigkeiten (auch ich hatte Kohlköpfe, die sich aus Texturen schälten) und meiner persönlichen Hornblower-Tendenzen schaffte es "Unity", eine seltsame Faszination durchzustrahlen. Die Atmosphäre von Chaos, Anarchie und Gewalt ist zum schneiden. Und ja, auch der historische Hintergrund ist faszinierend ohne Ende.

Schade finde ich es jedoch, dass ob der Dramaturgie stark mit Zeitsprüngen gearbeitet wird und wir von den hochspannenden Anfängen der Revolution direkt in den brodelnden Moloch der Bastille springen.

Dennoch ist "Unity" ein doppelt historisches Erlebnis, wie es wohl nie wieder erscheinen wird – gerade eingedenk der aktuellen AAA-Entwicklung und dem Werdegang von Entwickler Ubisoft.

-mn

System: PS5 auch auf PS4, Xbox Series, Xbox One
Genre: Action-Adventure / Stealth
Developer: Ubisoft Montreal
Publisher: Ubisoft
Schwierigkeitsgrad: asdada
UPE: 29,99 € (Download)
Spielzeit: Ca. 40 Stunden
USK: 16
Muster von: Ubisoft

Grafik:
80%
Sound:
75%
Spielbarkeit:
79%
Motivation:
80%

Spiel-
Spaß:
81%
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