Noch eine Folge gefällig?
Amanda the Adventurer 3
Horror muss nicht immer aus blutigen Monstern oder Verfolgungsjagden mit Kettensägen-Psychos bestehen. Manchmal reicht schon eine vermeintlich harmlose Kinderserie, die euch mit einem breiten Grinsen ansieht und dabei das ungute Gefühl vermittelt, dass hier irgendetwas ganz und gar nicht stimmt. Genau dieses Konzept verfolgt die “Amanda the Adventurer“-Reihe bereits seit ihrem ersten Teil und konnte sich damit schnell eine kleine Fangemeinde aufbauen. Tatsächlich habe ich die beiden Vorgänger selbst nie gespielt, was dem Einstieg in den dritten Teil aber überraschend wenig geschadet hat. Zwar merkt ihr schnell, dass im Hintergrund eine größere Geschichte erzählt wird, die wichtigsten Zusammenhänge lassen sich aber auch ohne Vorkenntnisse nachvollziehen. Trotzdem dürfte der ein oder andere Aha-Moment an Spielern vorbeiziehen, die Amanda bisher noch nicht begleitet haben. Dafür haben die Entwickler zum Glück ein kleines Rückblick-Video im Hauptmenü eingebaut, das die Highlights der beiden Vorgänger zusammenfasst.
Auch diesmal dreht sich wieder alles um die mysteriösen VHS-Kassetten der gleichnamigen Kindersendung. Zwischen den einzelnen Episoden erkundet ihr eure Umgebung aus der Ego-Sicht, sucht nach Hinweisen und versucht Stück für Stück die Geheimnisse hinter Amanda und ihren Begleitern aufzudecken. Die eigentliche Stärke des Spiels bleibt dabei erneut die Präsentation der fiktiven Zeichentrickserie. Die bewusst altbackene CGI-Optik erinnert wunderbar an die etwas unbeholfenen Animationsserien der frühen 2000er-Jahre. Irgendwo zwischen billigen Kinderprogrammen und leicht verstörendem Fiebertraum trifft das Spiel genau den richtigen Ton. Amanda und ihre tierischen Begleiter wirken gleichzeitig sympathisch und unangenehm, was die Atmosphäre hervorragend trägt. Vor allem Wolly, das Schaf mit seinen zunehmenden Gefühlsausbrüchen treibt die Stimmung in eine gewollt unbequeme Richtung.
Spielerisch setzt “Amanda the Adventurer 3“ erneut auf eine Mischung aus Erkundung und Rätseln. Ihr untersucht eure Umgebung, kombiniert Gegenstände und entschlüsselt Hinweise, um neue Videokassetten oder weitere Bereiche freizuschalten. Grundsätzlich gefällt mir dieses Konzept, allerdings schießt das Spiel für meinen Geschmack etwas über das Ziel hinaus. Viele Rätsel wirken unnötig verschachtelt und ihre Lösungen ergeben sich häufig nicht logisch aus den vorhandenen Hinweisen. Statt eines befriedigenden Aha-Moments hatte ich mehrfach das Gefühl, einfach verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren, bis zufällig die richtige Lösung dabei war. Gerade bei einem Rätselspiel ist das schade, denn eine clevere Knobelei sollte zum Nachdenken anregen und nicht zum wilden Herumprobieren.
Dabei gibt es durchaus gute Ideen. Manche Aufgaben greifen die Ereignisse innerhalb der Zeichentrickserie auf oder verbinden diese geschickt mit der realen Spielwelt. Die Charaktere interagieren stellenweise direkt mit euch und fordern euch auch auf, Antworten zu geben, damit das abgespielte Video weitergeht. Genau in diesen Momenten zeigt “Amanda the Adventurer 3“, welches Potenzial in dem Konzept steckt. Leider wechseln sich diese gelungenen Einfälle immer wieder mit Rätseln ab, die – zumindest für mich – eher Frust als Freude erzeugen.
Optisch bleibt sich die Reihe treu. Außerhalb der Zeichentrickserie bewegt sich das Spiel auf einem eher schlichten technischen Niveau, erfüllt seinen Zweck aber vollkommen. Die eigentlichen Highlights sind eindeutig die eingespielten Episoden mit ihrem absichtlich einfachen CGI. Es erzeugt genau dieses leicht verstörende Gefühl, das Fans der Reihe inzwischen erwarten. Man merkt, dass die Entwickler genau wissen, welche Stimmung sie erzeugen möchten. Zudem sind die Texte im Spiel komplett lokalisiert, sogar die Poster und Etiketten von Gegenständen wurden eingedeutscht, was ich besonders lobenswert finde.
Auch musikalisch bleibt das Spiel angenehm zurückhaltend. Statt auf permanente Schockeffekte setzt “Amanda the Adventurer 3“ auf subtile Hintergrundgeräusche und ruhige Musik, die die unangenehme Atmosphäre langsam aufbauen. Große Highlights liefert der Soundtrack, bis auf das Titelthema der Serie zwar nicht, aber die atmosphärischen Klänge unterstützen das Geschehen zuverlässig. Die Dialoge sind ebenfalls gut vertont und die Sprecher fangen den Charme der damaligen Cartoons gut ein.
-db
“Amanda the Adventurer 3“ macht vieles richtig, schafft es für mich aber nicht ganz an die Erwartungen heranzukommen. Die Idee rund um die verstörende Kindersendung funktioniert gut und gerade die kleinen CGI-Episoden gehören zu den größten Stärken des Spiels. Weniger überzeugt haben mich dagegen die Rätsel. Zu oft empfand ich sie als zu komplex und hatte das Gefühl, dass die Lösungen manchmal eher auf Zufall als auf logischem Denken basieren. Dadurch ging bei mir leider ein Teil des Spielspaßes verloren. Auch die Speicherfunktion ist völlig wild, ich wusste nie wirklich wann und wo das Spiel gespeichert hat, und beim Fortsetzten waren manche der Rätsel gelöst andere wiederum nicht, äußerst verwirrend. Fun Fact: die Grundidee zur Reihe entstand während eines sogenannten Game Jams. Nach der Finanzierung durch den Publisher entwickelte sich daraus eine komplette Indie-Serie.
Wer die Reihe bereits verfolgt, wird vermutlich trotzdem seinen Spaß haben und endlich weitere Antworten auf die offenen Fragen erhalten. Als Neueinsteiger konnte ich der Geschichte zwar problemlos folgen, hatte aber manchmal den Eindruck, dass mir einige Hintergründe entgehen. Zu meinem Erstaunen hat das Spiel eine Altersfreigabe von 12 Jahren erhalten. Das ist an sich in Ordnung, aber gerade bei der düstere Thematik und auch bei manchen der expliziten Szenen hätte ich eher eine 16er-Freigabe gegeben. Unterm Strich bleibt ein solides Horror-Abenteuer mit einer originellen Grundidee, das sich meiner Meinung aber durch unnötig verkopfte Rätsel selbst ein wenig im Weg steht. Vielleicht bin ich dafür auch einfach nicht der richtige Spielertyp, denn Fans besonders verschachtelter Rätsel dürften hier vermutlich deutlich mehr Freude haben.
Euer Diego Battaglia aka Deku Man X
-db
Genre: Horror-Adventure
Developer: MANGLEDmaw Games
Publisher: Dread XP
Schwierigkeitsgrad: 6
UPE: 9,99€
Spielzeit: ca. 6 bis 8 Stunden
USK: 12
Muster von: Evolve PR
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