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Ace Combat 8: Wings of Theve

Mit dem Düsenjäger durch die Wolken donnern und großzügig Lenkraketen an alle verteilen, die das auch wollen – das war der Gaming-Traum meiner Jugend. Als strenggläubiges Nintendo-Kind war das allerdings nicht einfach. Auf meinem sonst so geliebten N64 gab es hier nur “Aerofighters Assault”, ein Spiel, das bei Erscheinen von der Fachpresse für seine stotterige Bildrate gerügt wurde – und das in einem Zeitgeist, dem Frames eigentlich egal waren. Ich biss mich trotzdem durch, trotzte der schrecklichen Framerate und dem ebenso verheerenden Spieldesign. Auf SEGAs Dreamcast wurde es dann besser. Hier gibt es mit “Deadly Skies” immerhin einen Luftkampf-Vertreter im gesetzten Mittelmaß. Und dann, endlich, als ich die PlayStation 2 kaufte, öffnete sich mir der “Ace Combat”-Himmel.

“Ace Combat” hat stets eine ganz besondere, eigene Atmosphäre. Das Dröhnen der Triebwerke, die Geschwindigkeit, mit der sich euer Jet dreht, die tiefen Stimmen der Flügelmänner, alles zusammen ergibt ein unverwechselbares Feeling. Und ich kann jetzt schon sagen, dass auch der neueste Teil “Wings of Theve” wieder genau das liefert, was die Fans und ich so lieben.

Auf dem Kontinent Usea ist mal wieder die Kacke am dampfen. Die Republik Sotoa hat die Föderation von Zentral-Usea (FCU) überrannt und die Hauptstadt Theve eingenommen. Wir sind also mal wieder im “Strangereal”-Universum, einer Welt, die unserer gleicht, die aber nicht komplett identisch ist. Hier gibt es andere Küsten, andere Länder und eine andere Geschichte. Dies ermöglicht uns, die taktischen und technischen Aspekte des Krieges zu genießen, ohne seine Schrecken zu nah an uns heranlassen zu müssen ― und natürlich erlaubt es auch Killersatelliten und verrückte Superwaffen. Hier ist es ein Land-Schlachtschiff, dass zum Überrgegner aufgebaut wird.

Die letzten verbliebenen Streitkräfte der FCU tummeln sich auf dem Flugzeugträger Endurance. Hier übernehmt ihr die Rolle eines namenlosen Bruchpiloten, der es tatsächlich schafft, zweimal am selben Tag abgeschossen zu werden. Nach der ersten Wasserlandung werdet ihr als Lenkwaffen-Spezialist hinter den Superpiloten Cope gesetzt, der unter dem Kampfnamen “Wings of Theve” bekannt ist ― Aaaah, daher der Name Bratkartoffel! Nach einem spektakulären Luftkampf stirbt Cope. Da niemand weiß wie er aussieht, wird euch kurzerhand sein Helm aufgesetzt und ihr werdet zu den neuen Wings of Theve ernannt ― also quasi wie Batman. Ich glaube auch, dass etwas Ähnliches mit Madonna und Lady Gaga passieren wird. Bei deren Tod wird eine neue Schauspielerin ihre Rolle einnehmen und wir werden den Unterschied nicht merken. Ich glaube auch, dass Ben Affleck und Matt Damon eine Person sind, aber lassen wir das. Die großen Themen hier sind Propaganda und Manipulation und sie werden euch wenig subtil und geradezu holzhammerig ins Gesicht geprügelt. Dazu kommt eine gewaltige Portion typisch japanische Cheesyness und Weirdness. Euer stummer Pilot hat jetzt nämlich die Stimme des eigentlich verstorbenen Cope im Ohr, die zu jeder Gelegenheit schwermütige Monologe knödelt. Wie das gehen soll? Fragt am besten Liquid Ocelot.

Die Story gewinnt also keinen Kojima-Preis. Muss sie auch nicht, denn watt zählt is’ uff’n Blatz ― beziehungsweise in den Wolken. Dennoch macht die Geschichte einen guten Job darin, euch die Crew der Endurance und eure Flügelleute näher zu bringen und euch zwischen den Missionen seifenoperig zu unterhalten.

Schwingen wir uns also endlich ins Cockpit. Außer dass es hier unverschämt gut aussieht und ihr frische Missionen bekommt, ist hier alles ganz genau wie immer. Die Tasten für MGs, Lenkwaffen, Zielwechsel und zum Vergrößern der Karte sind genau da, wo sie immer waren und auch hoffentlich immer sein werden. Der Zielsucher piept wie er soll und der wuchtige Soundtrack treibt euch zum Sieg. Es ist wie immer enorm befriedigend, eine Lenkrakete ins Ziel zu bringen und den Feind in einer großen Explosion abrauchen zu sehen.

Die Grafik ist generell ein Fest. Noch nie waren Wolkentürme so scharf und plastisch ― ja, auch nicht bei Microsofts Flugsimulator. Explosionen sind wuchtig und satt. Sogar der Boden sieht hier gut aus. Zudem strahlt das Spiel eine allgemeine Hochwertigkeit und Poliertheit aus. Das merkt ihr etwa im Menü, wo jede Eingabe mit einem kleinen Rumble-Pak-Huster quittiert wird. Ich liebe solche Details! Die Rumble-Unterstützung ist hier ohnehin herausragend und zeigt, wie sehr das Feature ein Spiel bereichern kann, wenn es richtig eingesetzt wird.

Einen Mehrspielermodus gibt es auch wieder ― und sogar einen, der tatsächlich Spaß macht. Konntet ihr euch in vorherigen Teilen bloß in Dogfights abschießen lassen (von dem einen Deppen, der an Tag 1 bereits den gesamten Skillbaum freigeschaltet hatte und der wahrscheinlichauch “Mass Effect 3” in 24 Stundendurchgeknüppelt hat um online über das Ende zu meckern), gibt es jetzt variablere Modi. Mein Liebling ist einer, in dem ihr in zwei Staffeln aufgeteilt werdet und Bodenziele angreifen müsst. Die Staffel, die innerhalb des Zeitlimits am meisten abräumt, gewinnt. Hier ist einzig frustrierend, dass euch das gerade anvisierte Ziel vor der Nase weggeschossen wird ⤕ und glaubt mir, das wird oft passieren, sehr oft. Wie es heute so üblich ist, trefft ihr euch in einer Lobby und streunt dort mit einem anziehbaren Piloten-Avatar herum. Natürlich gibt es hier zeitlich begrenzte Outfits, Battlepässe und den ganzen Mist. Glücklicherweise lässt sich dieser Modus aber auch wunderbar ignorieren. Er enthält keine dedizierten Archievements und hat einen eigenen Skilltree abseits der Kampagne.

A propos Skilltree, wer will, kann hier richtig eskalieren und Flugzeuge, Waffen und Extras freischalten, bis der Arzt kommt. Mit maximaler Flügel-Power sind dann auch regelmäßig S-Ränge drin. Für Langzeitmotivation ist also gesorgt. Ihr könnt auch eure Flügelleute ausstatten und es gibt eindeutiges Feedback, wenn ihr das richtige oder falsche Setup für die Mission gewählt habt.

Zwei Dinge finde ich etwas schade. Zum einen hätte ich gern wieder VR-Support gehabt. Die virtuellen Missionen boten in “Ace Combat 7” auf der PS4 damals einen echten Mehrwert. Aber ich verstehe gut, dass Bandai-Namco hier den Mehraufwand scheute. Schließlich hat Sony den VR-Support ebenso abgesägt wie die physische Disc und die brave Vita ― hach, die Vita … Zweitens hätte ich gern deutsche Sprachausgabe gehabt. Ja, auch das kostet Geld und es dürfte schwierig werden, ausreichend deutsche Sprecher mit so herrlich tiefen Stimmen zu finden. Und ja, ich weiß dass im internationalen Luftverkehr englisch gesprochen wird und das eben einfach so sein muss. Aber im Funkgeschnatter gehen eben doch viele wichtige Infos verloren und Untertitel lesen ist bei dieser Spielgeschwindigkeit eh unmöglich.

-mn


SUPER

 Manche Genres verschwinden irgendwann einfach, manche werden kleiner. Es ist immer schade, wenn es das eigene Lieblings-Genre trifft. Die Niedergänge des Shmups und des Japano-Rollenspiels waren hart für mich. Ebenso schade finde ich, dass es Spiele wie “Wave Race” nicht mehr in Triple-A-Qualität gibt. Umso erfreulicher ist es dann, wenn es ein Lieblings-Genre dann doch mal wieder schafft, aktuelle Produktionswerte und ein hochwertiges Erlebnis abzuliefern. In einer Welt der Soulslikes, Action-RPGs und allgemeiner Ubisoft-formeligkeit finde ich es unglaublich schön, einen Titel wie “Ace Combat 8” auf den Tester-Tisch zu bekommen. Bis auf Kleinigkeiten stimmt hier für mich alles und für mich ist dies ein heißer Kandidat auf mein persönliches Spiel des Jahres.

-mn

System: PS5 auch auf Xbox Series
Genre: Arcade-Flugsimulator
Developer: Project Aces
Publisher: Bandai Namco
Schwierigkeitsgrad: 4-7
UPE: ab 69,99 € physisch und digital erhältlich
Spielzeit: ca. 25 Stunden
USK: 16
Muster von: Bandai Namco

Grafik:
86%
Sound:
88%
Motivation:
84%

Spiel-
Spaß:
88%
Werbung nervt!

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