Ein Controller für die Hosentasche

Razer Prio

Thorsten soll mehr an die frische Luft, zum Glück hat er jetzt einen Gaming-Controller für unterwegs.

Mobile Gaming-Controller sind eine praktische Sache – zumindest so lange, bis man sie tatsächlich irgendwohin mitnehmen möchte. Denn viele Modelle verwandeln das Smartphone zwar in einen kleinen Handheld, benötigen im Rucksack aber trotzdem ordentlich Platz. Razer geht mit dem neuen Razer Prio einen anderen Weg. Der auf der gamescom einem Fachpublikum vorgestellte Controller lässt sich zusammenfalten und wird dadurch tatsächlich zum Gaming-Zubehör für die Hosentasche.

Und um es gleich vorwegzunehmen: Für mich war der kleine Controller eines der Hardware- Highlights der diesjährigen gamescom.

Drehen, aufklappen, losspielen

Das Besondere am Prio ist zunächst gar nicht seine Technik, sondern seine Konstruktion. Zusammengefaltet misst er lediglich 107 × 67 × 23 Millimeter und ist damit ungefähr so groß wie eine Kreditkarte – natürlich deutlich dicker. Mit gerade einmal 101 Gramm fällt er zudem kaum ins Gewicht (pun intended).

Durch einen Dreh- und Faltmechanismus wird aus dem kompakten Päckchen ein ausgewachsener Smartphone-Controller. Beim ersten Versuch ist das Ausklappen tatsächlich ein wenig tricky. Man fragt sich kurz, in welche Richtung man nun drehen, ziehen oder klappen soll. Hat man den Dreh aber einmal raus, geht der Vorgang schnell von der Hand.

Smartphones mit einer Größe von bis zu sieben Zoll finden im Prio Platz, darunter auch große Geräte wie das iPhone 17 Pro Max oder Samsung Galaxy S26 Ultra. Die meisten dünnen und mittelstarken Smartphone-Hüllen können dabei am Gerät bleiben. Falls jemand nach einem Controller für sein Tablet sucht, wird er bei Razer übrigens auch fündig, nur halt nicht mit diesem Gerät.

Ganz problemlos ist die Konstruktion allerdings nicht mit jedem Smartphone. Mein eigenes Gerät besitzt einen ziemlich großen Kamerabereich auf der Rückseite. Dadurch liegt der linke Teil des Prio nicht vollständig am Smartphone an und sitzt etwas wackelig. Das ist kein grundsätzliches Problem des Controllers, zeigt aber, dass die immer größer werdenden Kamerainseln moderner Smartphones bei solchen universellen Lösungen durchaus zum Störfaktor werden können.

Klein heißt nicht abgespeckt

Beim Aufklappen zeigt sich, dass Razer trotz der kompakten Abmessungen nicht einfach einen Mini-Controller gebaut hat. Der Prio bietet zwei Analogsticks, ein Vier-Wege-Steuerkreuz, die üblichen Aktionstasten sowie Bumper und Trigger.

Besonders gut gefällt mir das Tastengefühl. Die Buttons besitzen einen angenehm klaren Druckpunkt und vermitteln trotz der kompakten Bauweise keineswegs das Gefühl, mit einem Notbehelf für unterwegs zu spielen. Gleichzeitig fallen die taktilen Tasten vergleichsweise leise aus – im Zug, Bus oder Wartezimmer durchaus ein Vorteil.

Interessant sind auch die Analogsticks. Razer setzt beim Prio erstmals bei einem eigenen Controller auf kapazitive Analogsticks. Die Bewegung wird kontaktlos erfasst, wodurch mechanischer Verschleiß reduziert und insbesondere das gefürchtete Stick-Drifting vermieden werden soll.

Natürlich kann ein derart kompakter Controller ergonomisch nicht vollständig mit einem großen Gamepad mithalten. Für längere Sessions zu Hause würde ich weiterhin zum klassischen Controller greifen. Das ist aber auch gar nicht der Anspruch des Prio. Seine große Stärke liegt darin, dass man ihn überhaupt ständig dabeihaben kann.

Kein Akku, kein Bluetooth

Auch bei der Verbindung hält Razer die Sache erfreulich unkompliziert. Das Smartphone wird direkt über USB-C angeschlossen. Eine Bluetooth-Kopplung entfällt ebenso wie ein zusätzlicher Akku im Controller. Einstecken und losspielen lautet hier tatsächlich das Motto.

Unterstützt werden iPhones ab iOS 18 sowie Android-Geräte ab Android 14. Neben kompatiblen Mobile Games lässt sich der Controller auch für Streaming und Remote Play einsetzen. Unterstützt werden unter anderem Xbox Cloud Gaming, Steam Link, PS Remote Play und Razers eigene PC-Remote-Play-Lösung. Eine separate Cortex-Mobile-Taste führt zudem direkt zur Spielebibliothek in Razers App.

Gerade für solche Anwendungen ergibt das Konzept Sinn: Statt einen großen Handheld mitzunehmen, steckt ohnehin das Smartphone in der Tasche. Der Prio kommt dazu und nimmt kaum zusätzlichen Platz weg.

Thorstens Fazit

Manchmal sind es auf einer Messe gar nicht die großen und spektakulären Produkte, die im Gedächtnis bleiben. Der Razer Prio war für mich eines der kleinen (haha) Highlights der gamescom. Die Idee eines faltbaren Controllers klingt zunächst fast wie ein nettes Gimmick, ergibt im Alltag aber erstaunlich viel Sinn.

Der Prio ist leicht, unkompliziert zu transportieren und nach einer kurzen Eingewöhnung schnell einsatzbereit. Vor allem das hervorragende Tastengefühl hat mir im Test sehr gut gefallen. Gleichzeitig bekommt man nach dem Aufklappen eine vollständige Controller-Belegung statt einer stark vereinfachten Mobil-Lösung.

Ganz ohne Schwächen geht es allerdings nicht. Bei Smartphones mit besonders großen Kamerabereichen kann der Controller etwas weniger stabil sitzen. Hier sollte man vor dem Kauf prüfen, wie gut das eigene Gerät mit der Konstruktion harmoniert. Es gibt herausnehmbare Abstandshalter, falls man ein Smartphone mit Hülle nutzt, oder man lässt sie drin für einen besseren Sitz, wenn man keine Hülle hat.

Einen ausgewachsenen Controller ersetzt der kleine Razer für gemütliche Stunden auf dem Sofa nicht. Aber der passt eben auch nicht mal eben in die Hosentasche. Und genau dort spielt der Prio seine größte Stärke aus.

Hersteller: Razer
Produkt: Razer Prio
Gewicht: 101 Gramm
Verbindung: USB-C
Kompatibilität: iPhone (iOS 18 oder neuer), Android (Android 14 oder neuer)
Smartphone-Größe: bis 7 Zoll

-ts


Transparenzhinweis:

Der Razer Prio wurde uns von Razer im Rahmen der gamescom für diesen Artikel unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme auf den Inhalt oder die Haltung gegenüber der Hardware oder des Herstellers erfolgte nicht.

-az

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