Highlight des Jahres für Thorsten
Assassin’s Creed Black Flag Resynced
Es gibt Spiele, die man einmal durchspielt und anschließend zufrieden ins Regal stellt. Und dann gibt es „Assassin's Creed IV: Black Flag“. Ein Spiel, bei dem man eigentlich gerade eine wichtige Story-Mission erledigen wollte – und drei Stunden später immer noch einem Wal hinterherjagte, eine Schatzkarte entschlüsselte oder spontan ein weiteres Piratenschiff enterte. Willkommen zurück in der Karibik.
Mit „Assassin's Creed Black Flag Resynced“ holt Ubisoft einen der beliebtesten Teile der gesamten Reihe zurück. Und das fühlt sich weniger nach einem einfachen Remaster an als nach einem Wiedersehen mit einem alten Freund, der inzwischen ein paar neue Tricks gelernt hat.
Edward Kenway war ohnehin schon immer einer der sympathischsten Helden der Serie. Er ist kein geborener Assassine, kein selbstloser Retter und schon gar kein Mann, der sich an Regeln hält. Eigentlich will er nur reich werden. Dass er dabei zufällig in einen jahrhundertealten Konflikt zwischen Assassinen und Templern stolpert, macht die Sache nur komplizierter – und deutlich unterhaltsamer.
Während viele Assassin's-Creed-Spiele den historischen Hintergrund in den Mittelpunkt stellen, war Black Flag vor allem eines: ein verdammt gutes Piratenspiel. Genau das macht den Titel bis heute so besonders. Man erinnert sich weniger an politische Intrigen als an das erste Mal, als man mit der Jackdaw in einen Sturm segelte, feindliche Schiffe versenkte und anschließend die Mannschaft lauthals Seemannslieder anstimmen ließ.
Und diese Lieder sind bis heute ein Ohrwurm. Wer behauptet, bei „Leave Her, Johnny“ oder „Drunken Sailor“ nicht mitgesummt zu haben, war vermutlich nie lange genug auf See.
Resynced bringt genau dieses Gefühl zurück. Die tropischen Inseln wirken lebendiger denn je, das Meer beeindruckt mit neuen Lichteffekten und jeder Sonnenuntergang erinnert daran, warum die Karibik damals schon zu den schönsten Spielwelten überhaupt gehörte. Selbst nach unzähligen Open Worlds wirkt Black Flag erstaunlich frisch. Vielleicht, weil hier nicht jede Beschäftigung wie eine Pflichtaufgabe aussieht. Wer vom eigentlichen Ziel abgelenkt wird, hat meistens einfach mehr Spaß.
Natürlich profitiert auch das Kampfsystem von modernen Verbesserungen. Kletterpassagen laufen flüssiger, Animationen gehen eleganter ineinander über und kleinere Komfortfunktionen nehmen dem Spiel einige Ecken und Kanten, die 2013 noch selbstverständlich waren. Das Grundprinzip bleibt aber erfreulich unangetastet. Schließlich möchte niemand erleben, wie Edward plötzlich mit überladenen Rollenspielwelten oder einem Inventar voller legendärer Socken beschäftigt ist.
Besonders schön ist, dass Ubisoft dem Original vertraut. Black Flag musste nie komplett neu erfunden werden. Seine größte Stärke war schon immer die perfekte Mischung aus Freiheit, Abenteuer und dem Gefühl, wirklich Kapitän eines Piratenschiffs zu sein. Andere Spiele lassen uns die Welt retten. Black Flag ließ uns erst einmal einen Rumvorrat plündern.
Auch heute funktioniert dieser Mix erstaunlich gut. Zwischen Schatzsuchen, Unterwasserwracks, Festungsangriffen und Entermanövern vergeht die Zeit wie im Flug. Man nimmt sich vor, "nur noch schnell diese eine Insel" anzusteuern, und plötzlich zeigt die Uhr zwei Stunden später an. Das ist wahrscheinlich die ehrlichste Definition von Spielspaß.
„Assassin's Creed Black Flag Resynced“ erinnert eindrucksvoll daran, warum dieser Serienteil bis heute als einer der besten gilt. Nicht, weil alles perfekt war. Sondern weil kaum ein anderes Assassin's Creed so viel Persönlichkeit besaß. Edward Kenway ist kein makelloser Held, sondern ein charismatischer Draufgänger, dessen Reise bis heute zu den stärksten Geschichten der Reihe gehört.
Und falls ihr euch dabei ertappt, nach jeder Seeschlacht laut „Fire!“ zu rufen oder anschließend unwillkürlich ein Seemannslied zu summen – keine Sorge. Das passiert den Besten. Willkommen zurück an Bord der Jackdaw.
-ts
Developer: Ubisoft Singapore
Publisher: Ubisoft
UPE: 69,99 €
Testmuster: Ubisoft
Schwierigkeit: 3
USK: 16
Spielzeit: ca. 70 Stunden für 100%
Man kann jetzt überall tauchen, man hat keinen Ladebildschirm mehr, das Stealth-System von AC Shadows wurde übernommen, Quests für mehrere Stunden noch dazugebastelt und es sieht einfach verdammt hübsch aus. Das ist ein absolut gelungenes Remake eines echten Klassikers und eines der größten Schwergewichte Ubisofts. Und Saltatio Mortis haben ein Lied dazu gemacht. Danke, danke, danke, und Chapeau.
-ts
