Wenn der Spezialagent auf den Horrorkultisten trifft

A.A.U. Black Site

Ein serbischer Wald mitten in der Nacht, eine Geheimmission, die bereits zu Beginn zum Scheitern verurteilt ist, und ein Protagonist, der als einziger Überlebender zurückbleibt. Doch neben feindlichen Soldatentruppen lauert noch etwas anderes im Wald: Etwas, das sich scheinbar weder mit Pistolenschüssen noch mit einem beherzten Schlag im Nahkampf vertreiben lässt.

Damit ist die Rahmenhandlung auch schon gesetzt. Nun liegt es am Spieler, sich durch den düsteren Wald zurück in die Zivilisation zu kämpfen. Doch der Wald ist gespickt mit verlassenen Gebäuden, Rätseln, feindlichen Soldaten und einer unheimlichen Präsenz, die sich nie so ganz greifen oder verstehen lässt. So viel sei gesagt: Ein Lagerfeuer mitten im Wald, an dem Menschen Hand in Hand im Kreis stehen, hat hier herzlich wenig mit den Pfadfindern zu tun. Im weiteren Spielverlauf verschlägt es den Protagonisten außerdem in verlassene Städte, einen Nachtclub und sogar ein Krankenhaus. Sicherer wird es dadurch allerdings nicht, eher im Gegenteil.

“A.A.U. Black Site“ von Raspberry Studios befindet sich derzeit noch in der Early-Access-Phase. Entsprechend stehen aktuell lediglich die ersten beiden Kapitel zur Verfügung und wurden im Rahmen dieser Rezension getestet. Dennoch passiert bereits genug, um einen guten Eindruck davon zu vermitteln, wohin die Reise gehen soll.

Von seiner Genre-Zusammensetzung besetzt “A.A.U. Black Site“ ungefähr dieselbe Nische wie einst die „F.E.A.R.“-Reihe. Die Atmosphäre erinnert an ein klassisches Survival-Horror-Spiel, kombiniert dieses jedoch mit Ego-Shooter-Elementen und einer guten Portion Survival-Action. Der Horror geht dabei größtenteils vom mysteriösen Kult aus, während die Action durch die Schießereien zwischen dem Protagonisten und den feindlichen Einheiten bestärkt wird. Diese Mischung erinnert an das Zusammenspiel zwischen feindlichen Soldaten und Alma aus “F.E.A.R.“. Fans der Reihe dürften sich deshalb schnell heimisch fühlen.

Spielerisch präsentiert sich “A.A.U. Black Site” dementsprechend wie ein klassischer Ego-Shooter. Aus der 1st-Person-Perspektive sammelt der Spieler verschiedene Waffen auf, darunter eine kleinere Pistole, ein Sturmgewehr oder eine Schrotflinte sowie Nahkampfwaffen wie Hammer oder Eisenstange. Das Konzept ist vertraut, funktioniert aber gerade deshalb so gut. Die Steuerung geht leicht von der Hand und überzeugt sowohl während der Schusswechsel als auch bei der Erkundung der düsteren Spielwelt. Der Spieler hat die Wahl zwischen vier Schwierigkeitsgraden, die sich auch deutlich voneinander unterscheiden.

Zwischendurch dürfen dann auch Fahrzeuge und sogar ein Kran gesteuert werden. Diese Spielabschnitte fühlen sich aktuell allerdings noch etwas unausgereift an und sind von Clipping-Fehlern sowie kleineren Bugs geprägt. So ragen Bäume und Sträucher teilweise einfach durch abgestellte Fahrzeuge hindurch. Beim Kran wiederum bleiben Gegenstände nach Aktivierung des Magneten gelegentlich in einer merkwürdigen Zwischenposition schweben und setzen die Gesetze der Schwerkraft kurzerhand außer Kraft. Da sich das Spiel jedoch noch im Early Access befindet, gehören solche technischen Macken aktuell zum Gesamtbild.

Grafisch hinterlässt “A.A.U. Black Site“ einen guten, wenn auch nicht durchgehend überzeugenden Eindruck. Vor allem die düstere Beleuchtung, die dichte Vegetation und einzelne Innenräume sorgen immer wieder für stimmungsvolle Momente, die hervorragend mit der Bodycam-Perspektive harmonieren. Gleichzeitig offenbart das Spiel jedoch deutliche Qualitätsschwankungen. Während einige Schauplätze erstaunlich detailliert wirken, fallen an anderer Stelle einfache Texturen, weniger gelungene Modelle oder eine insgesamt etwas unfertige Optik ins Auge. Einen technischen Meilenstein sollte daher niemand erwarten. Insgesamt liefert Raspberry Studios eine solide Grafik ab, die vor allem von ihrer Atmosphäre lebt und ihre stärksten Momente dann hat, wenn Licht, Umgebung und Inszenierung perfekt zusammenspielen.

Die Bodycam-Perspektive gehört ohne Zweifel zu den größten Stärken von “A.A.U. Black Site“. Anders als in klassischen Ego-Shootern sitzt die Kamera nicht starr auf Augenhöhe, sondern simuliert eine am Körper befestigte Einsatzkamera. Dadurch wackelt das Bild bei Bewegungen leicht mit, reagiert auf Richtungswechsel und vermittelt den Eindruck, das Geschehen aus dem Videomaterial eines echten Spezialeinsatzes zu verfolgen. Genau deshalb erinnert das Spiel immer wieder an sogenannte Found-Footage-Filme, die ihre Geschichte über angeblich gefundene Kameraaufnahmen erzählen. Jede hektische Bewegung, jeder Sprint durch dunkle Gänge und jeder vorsichtige Blick um die nächste Ecke wirken dadurch unmittelbarer und authentischer. Gerade in den ruhigeren Horrorpassagen entsteht so eine intensive Immersion, die den Spieler förmlich in das Geschehen hineinzieht. Raspberry Studios nutzt diesen Stil nicht nur, um sich visuell von anderen Shootern abzuheben, sondern auch, um die beklemmende Atmosphäre des Spiels konsequent zu unterstützen.

Gerade dieser Aspekt unterstreicht das gelungene Zusammenspiel aus Atmosphäre und einer Story, die eigentlich gar nicht im Mittelpunkt steht. Die Liebe von Raspberry Studios zum Horror-Genre wird im Laufe des Spiels immer deutlicher und zieht den Spieler mit viel Leidenschaft in die düstere Welt des serbischen Waldes hinein. Mit jedem kleinen Fortschritt wollte ich mehr darüber erfahren, was sich hinter den mysteriösen Ereignissen verbirgt. Dabei erzählt das Spiel keine besonders tiefgründige Geschichte, sondern konzentriert sich fast ausschließlich auf die Erfahrung des Spielers und den Wunsch, aus all dem irgendwie schlau zu werden.

Bemerkenswert ist dabei, wie glaubwürdig “A.A.U. Black Site“ zwischen seinen beiden Extremen wechselt. Zu Beginn schleicht man noch durch ein finsteres Labyrinth, ständig mit dem Gefühl, von irgendetwas beobachtet oder verfolgt zu werden. Im weiteren Spielverlauf entwickelt sich das Spiel in einem Abschnitt zu einer fast schon Rambo-esken Verfolgungsjagd, bei der mit einer riesigen Maschinenpistole samt unbegrenzter Munition alles umgenietet wird, was sich in den Weg stellt. So unterschiedlich beide Spielweisen auch sind, fühlen sie sich innerhalb ihres jeweiligen Kontexts erstaunlich authentisch an und fügen sich gut in das Gesamtbild ein.

Lediglich in den vorletzten Spielabschnitten gerät das bis dahin hervorragend abgestimmte Tempo etwas aus dem Gleichgewicht. Statt beklemmender Atmosphäre häufen sich Räume, in denen einfach nur blind drauflosgeschossen wird. Der Horror rückt dabei fast vollständig in den Hintergrund und nach der zuvor so gelungenen Mischung fühlt sich dieser Abschnitt eher ermüdend als spannend an.

Ein weiteres größeres Problem, das für mich die Spielerfahrung spürbar ausgebremst hat, ist die Kommunikation mit dem Spieler. Raspberry Studios gibt häufig nur unzureichende visuelle Hinweise darauf, wie mit der Spielwelt interagiert werden soll. Immer wieder sitze ich ratlos vor dem Bildschirm und frage mich, welche Taste jetzt eigentlich erwartet wird. Das beginnt bereits in den ersten Minuten: Ich muss wiederholt die F-Taste drücken, um einen Splitter aus meiner Schulter zu entfernen. Dass die Taste mehrfach gedrückt werden muss, wird allerdings überhaupt nicht kommuniziert. Bis der Protagonist überhaupt auf die Eingabe reagiert, habe ich die Taste meist längst eine Weile gedrückt. Ohne Zufall oder Ausprobieren hätte ich an dieser Stelle kaum erkannt, was das Spiel eigentlich von mir erwartet. Leider bleibt es nicht bei diesem einen Beispiel, denn ähnliche Kommunikationsprobleme treten im weiteren Spielverlauf mehrfach auf.

Akustisch schafft es “A.A.U. Black Site“, eine dichte und beklemmende Atmosphäre aufzubauen. Statt den Spieler permanent mit lauter Musik zu begleiten, setzt das Spiel überwiegend auf eine minimalistische Klangkulisse. Das passt hervorragend zum Horroransatz, denn die Stille sorgt dafür, dass jeder Schuss, jeder Schritt und jedes Geräusch deutlich intensiver wahrgenommen werden. Wirklich verstörende Soundeffekte treten allerdings meist nur an fest inszenierten Stellen auf – etwa beim markerschütternden Schrei und dem ersten Auftritt des Kettensägen-Gegners. Abseits dieser Momente hätte Raspberry Studios das Sounddesign ruhig etwas mutiger einsetzen können. Mehr unvorhersehbare Umgebungsgeräusche oder subtil platzierte Klangereignisse würden die ohnehin gelungene Atmosphäre weiter verdichten und den psychologischen Horror noch stärker zur Geltung bringen.

-dh


Genre: Action-Adventure, Ego Shooter & Survival Horror
Developer: Raspberry Studio
Publisher: IZilla Games
UPE: 14,99 €
Testmuster: Mark Allen PR
67%
Sound: 60%

Schwierigkeit: 4
USK: Keine Angabe
Spielzeit: ca. 5 Stunden
GUT

“A.A.U. Black Site“ ist bereits im Early Access ein überraschend stimmungsvolles Horror-Erlebnis, das seine größten Stärken nicht in spektakulären Zwischensequenzen oder einer komplexen Handlung, sondern in seiner dichten Atmosphäre ausspielt. Die Bodycam-Perspektive, die gelungene Mischung aus Survival-Horror und Shooter-Action sowie das mysteriöse Setting sorgen dafür, dass man immer wieder wissen möchte, was hinter den Ereignissen im serbischen Wald steckt. Gleichzeitig merkt man dem Spiel seinen Early-Access-Status noch deutlich an. Unklare Interaktionshinweise, kleinere technische Schwächen, Qualitätsschwankungen bei der Grafik und ein Auftakt zum Finale, das sich etwas zu sehr auf Dauerfeuer statt auf Horror verlässt, bremsen den ansonsten sehr positiven Eindruck aus. Trotzdem hinterlässt “A.A.U. Black Site“ bereits jetzt das Gefühl, dass Raspberry Studios genau weiß, welche Art von Spiel es entwickeln möchte. Sollte das Team die Spielerführung verbessern, technische Schwächen ausbügeln und die Horroratmosphäre bis zum Ende konsequent aufrechterhalten, besitzt das Spiel das Potenzial, sich zu einem echten Geheimtipp für Fans atmosphärischer Horror-Shooter zu entwickeln.

-dh

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